Bemalte Steine und ein Spielzeugbus: Eifeler spielen Schnitzeljagd

Schnitzeljagd im Internet : Busse und Steine locken die Menschen in die Natur

Ungewöhnliche Schnitzeljagden locken auf einmal Menschen vom Internet in die Natur. Auch Steine werden wieder gerne in der Nordeifel gesucht. Ein besonderes Fundstück ist ein roter Spielzeugbus aus Rott.

Herbert Kreitz aus Rott ruft zur Schnitzeljagd auf. Bereits zum zweiten Mal schickt er einen roten Spielzeugbus durch die Gemeinde und die Roetgener verstecken ihn an den unterschiedlichsten Orten und geben den Standort in einer Facebook-Gruppe durch. Damit liegt Kreitz voll im Trend, denn auch bunte Steine werden gerne versteckt und im Internet geteilt.

Lokale Gruppen auf Facebook sind für viele Menschen eine Gelegenheit, sich über Veranstaltungen im Ort zu informieren, vermisste Tiere zu melden oder vor Geschwindigkeitskontrollen zu warnen. Herbert Kreitz, Gründer der Gruppe „Einmal Roetgen, immer Roetgen“, wollte die Menschen „aufwecken“, wie er sagt, und mal etwas anderes ausprobieren. So versteckte er in den Sommerferien einen kleinen Spielzeugbus in der Gemeinde und postete ein Foto, damit andere den Bus wiederfinden und weiter verstecken können. Danach brach eine Art Schnitzeljagd-Fieber bei den Gruppenmitgliedern aus. Die Aktion war so erfolgreich, dass der Bus seit wenigen Tagen wieder auf Reisen geht und gefunden werden will.

Die erste Tour dauerte zehn Tage und hielt an 42 Stationen. Ein überraschender Erfolg für Kreitz, wie er sagt. „Die Leute sind verrückt und positiv bekloppt gewesen. Die waren echt sehr engagiert, den Bus zu finden und an einem anderen Ort zu verstecken“, sagt der 62-Jährige. Am Anfang seien aber viele skeptisch gewesen, ob die Aktion funktionieren könne, sagt Kreitz. Vor allem Ältere hätten die Bus-Schnitzeljagd als „Kinderkram“ bezeichnet, „aber später waren aber auch die überzeugt, weil die Resonanz so gut war. Von der Mehrheit kam aber von Anfang an sehr positives Feedback.“

So sieht der kleine Spielzeugbus aus, der mit dem Namen der Facebook-Gruppe bedruckt ist. Irgendwo in der Gemeinde ist er versteckt. Hinweise, wo er sein könnte, gibt es ind er Gruppe "Einmal Roetgen, immer Roetgen". Foto: Herbert Kreitz

Die Idee mit dem Versteckspiel kam Kreitz aus einer Laune heraus. Seit rund 40 Jahren sammelt der Mann aus Rott alles, was mit Modelleisenbahnen zu tun hat. Nach eigenen Angaben hat er rund 3000 Modelle angesammelt, die in einem ehemaligen Kinderzimmer im Haus aufgebaut sind. Darunter war auch der kleine Metallbus, der nun durch die Gemeinde „fährt“. „Einen persönlichen oder Sammlerwert hat er für mich nicht, und weil er aus Metall ist, hält er dem Wetter auch stand, dachte ich mir. Daher hab ich ihn ausgewählt und zuerst an einer Wandertafel in Rott ausgesetzt.“

Nach fünf Stunden „fuhr“ der Bus bereits weiter. „Ich glaube, es ist das innere Kind in jedem, das daran Spaß hat, Dinge zu suchen, zu finden und weiterzuverstecken.“ Dadurch bleibe man selbst aktiv. Auch die Detektivarbeit, um die Umgebung zu identifizieren, wo sich „der Schatz“ befindet, macht den Menschen Spaß. Denn wer den Bus versteckt, postet immer auch ein Bild in der „Einmal Roetgen, immer Roetgen“-Gruppe, auf dem die Umgebung grob erkennbar ist.

Seit dem 11. September „fährt“ der Spielzeugbus wieder durch die Gemeinde. Seine Frau habe ihn darin bestärkt, die Aktion fortzuführen, sagt Kreitz. Diesmal ist der rote Bus mit einem Schriftzug (dem Namen der Facebook-Gruppe) versehen, damit Menschen, die nicht wissen, was es damit auf sich hat, einen Hinweis bekommen.

Bemalte Steine verstecken ist große Mode

Ähnlich wie bei der Busaktion in Roetgen, ist das Such-Fieber auch in der Region ausgebrochen. Nur wird kein Spielzeug-Bus gesucht, sondern Steine, die die Verstecker vorher bemalt haben. Auch hier wird über die sozialen Netzwerke kommuniziert, wenn ein Stein gefunden wurde oder auf Reisen geht. Die Nordeifeler sind in den Gruppen „Eifelsteine“ (rund 1260 Mitglieder) und „Als Stones – Städteregion Aachen“ (rund 2500) aktiv.

Bunte Steine finden geübte Augen überall in der Region, auch in der Eifel sind die kleinen Kunstwerke schon zu Hause, wie diese hier von Astrid Röntgen-Blees, die die Facebook-Gruppe "Eifelsteine" gegründet hat. Foto: Astrid Röntgen-Blees

Die Gründerin der „Eifelsteine“, Astrid Röntgen-Blees aus Stolberg, hat sich von einem Fernsehbericht inspirieren lassen, die bunten Steine auch in die Region zu holen. „Ich habe mir auch überlegt, welche Zielgruppe damit was anfangen kann und habe die Gruppe in ‚Eifelsteine’ benannt, nach dem Motto: Eifel, kein Zweifel.“ Seit dem Frühjahr werden die Kunstwerke der Eifeler hier geteilt. Teilweise reisen die Steine in ganz Europa herum, ein paar haben es bis Kanada und sogar Australien geschafft. Für Röntgen-Blees ist vor allem die Mischung reizvoll, die in dem Hobby steckt: Basteln, Natur und vor allem anderen eine Freude bereiten. „Ich glaube, viele wollen auch zu Schau stellen, was sie Tolles geschaffen haben und bei etwas Besonderem mitmachen. Die Steine werden zwar anonym bemalt, aber dadurch dass man die Bilder in der Gruppe teilt, erhält man von anderen Bestätigung.“

Wie die Steine bemalt werden, ist jedem selbst überlassen. Sie sollen nur möglichst mit umweltverträglichen Farben verziert werden und ohne Glitzer, Wackelaugen oder Sticker bestückt werden (damit Tiere und Kinder verschont bleiben). Auch dürfen die Steine nur im öffentlichen Raum ausgelegt werden und beispielsweise nicht auf Autos oder Denkmäler.

Die Gruppe „Als Stones“ war ursprünglich nur für den Raum Alsdorf gedacht, weil der Trend aber immer weitere Kreise zog, sei die Gruppe nun hauptsächlich für die gesamte Städteregion gedacht, wie eine der Administratoren Sarah Konrad erklärt. „Ich glaube, viele sind davon begeistert, weil man die Umgebung und die Natur ganz anders wahrnimmt. Man achtet viel mehr drauf, weil man einen Stein finden will“, erklärt die 21-Jährige. Sie selbst hat ebenfalls einen Stein bemalt und versteckt. „Eine Frau hat meinen Stein gefunden und sich total darüber gefreut. Das ist für mich natürlich umso schöner.“

Manche finden die Steine so schön, dass sie sie auch einstecken und nicht wieder woanders „aussetzen“. „An sich finde ich es nicht schlimm, wenn Leute die Steine behalten. Aber man sollte dann in der Gruppe Bescheid geben, damit sie nicht vermisst werden.“ Denn das Glücksgefühl beim Bemalen, Verstecken und Finden steht im Vordergrund dieses Internettrends und bringt die Menschen vom Computer in die Natur.