Ausstellung in Rott zum Thema „75 Jahre Freiheit“

„75 Jahre Freiheit“ : Ein Appell aus Rott an die Deutschen

Es ist der Auftakt der Feierlichkeiten zu „75 Jahre Freiheit“ in Roetgen, und er fällt in eine Zeit, in der die Wahlerfolge von Populisten und Nationalisten vielen Menschen Angst machen: In der Rotter Sparkassenfiliale zeigt der Heimat- und Geschichtsverein Rott seine sehenswerte Ausstellung unter dem Titel „Ende der NS-Gewaltherrschaft – Wege zur Freiheit.“

Die Eröffnung nutzte der Vereinsvorsitzende Rainer Hülsheger am Montag zu einem flammenden Appell: „Lassen wir nicht zu, dass infolge nationalegoistischen Wahlverhaltens – wie in den Jahren 1932 und 1933 – Grundwerte menschlicher Würde und menschlichen Zusammenlebens zertreten werden!“

Auf mehreren großformatigen Schautafeln beleuchtet der Heimatverein unter der Regie Hülshegers die weitgehende Verstrickung der Deutschen – und auch der Menschen in Rott – mit dem NS-Regime. Selbst wenn die Nationalsozialisten hier eine vergleichweise geringe Zustimmung erfahren hätten, sei im Eifeler Mikrokosmos vieles zu beobachten gewesen, was sich in ganz NS-Deutschland abgespielt habe.

„Die Selbstanpassung aufgrund von Egoismus und einem gewissen Nützlichkeitsdenken spielte da eine große Rolle“, sagte Hülsheger. Daneben seien die Menschen durch Massenmedien, die Schulen, durch die Inszenierung von Feiern und Umzügen sowie durch nationalsozialistischen Terror nazifiziert worden. Durch den staatlich geführten Einsatz von Zwangsarbeitern sei das Volk auch in Rott in die verbrecherischen Machenschaften der Nazis verstrickt worden. So widmen sich die Schautafeln dem Schicksal eines KZ-Opfers und dem Umgang mitGeistlichen, Kriegsgefangenen und Zwangsarbeitern im Ort.

„Das deutsche Volk war letztlich in einem Maße an dem NS-Regime beteiligt, dass es einer Befreiung von außen bedurfte“, erläuterte Hülsheger. Deutschland habe sich letztendlich selbst nicht befreien können. „Es waren millionenfache Opfer nötig, um dieses Regime zu zerschlagen.“ Letztlich seien die Versuche, sich des Diktators zu entledigen, relativ halbherzig geblieben.

Parallelen zur Gegenwart?

„In Rott hat sich im Kleinen all das abgespielt, was im ganzen Land geschah“, konstatierte Bürgermeister Jorma Klauss (SPD), der noch einmal die „völlig überflüssige Diskussion“ um den Begriff Befreiung ansprach. „Wer all das hier sieht und liest, der kommt zu einem eindeutigen Schluss: Es war nichts anderes als eine Befreiung!“ Klauss dankte den Machern der Ausstellung für das große Engagement. Dieser Einsatz sei heute wichtiger denn je.

„Die AfD hat bei den jüngsten Landtagswahlen in Brandenburg 23,5 und in Sachsen sogar 27,5 Prozent der Stimmen erhalten. Unter dem Deckmantel eines strengen Konservativismus kommen da Personen in die Volksvertretungen, deren Gedankengut gefährlich nah an dem ist, was wir hier vor bis zu 75 Jahren erleben mussten.“ Kämpfe, die in den 20er und 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts auf Deutschlands Straßen ausgefochten worden seien, fänden heute in den Sozialen Medien statt. „Diese werden von den Rechten in diesem Land missbraucht, um Lügen und Hassbotschaften durchs Netz zu schicken.“ Nazis seien nun mal hasserfüllte Lügner. Deswegen sei es wichtig, dass noch mal daran erinnert werde, „dass Nazis Verbrecher sind. Nichts war besser, als alles, was nach der Befreiung kam!“

Die Ausstellung ist noch bis zum 14. September zu den Öffnungszeiten der Sparkasse in Rott zu sehen: montags und mittwochs von 14 bis 18 Uhr, dienstags und donnerstags von 9.30 bis 12,15 Uhr.

Mehr von Aachener Zeitung