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Finanzlage in Roetgen: 2,5 Millionen Euro Überschuss für den Haushalt

Finanzlage in Roetgen : 2,5 Millionen Euro Überschuss für den Haushalt

Dank sprudelnder Gewerbesteuer entspannt sich die Finanzlage in Roetgen weiter. Der Jahresabschluss 2021 weist einen Überschuss von gut 2,5 Millionen Euro aus. Erstmals nach 2010 kann die Ausgleichsrücklage wieder angespart werden.

Besser als geplant: So entwickelt sich die Haushaltslage über die letzten Jahre die Haushaltslage in Roetgen. Der neuerliche Überschuss liegt im Trend.

Es war vor allem der Tornado, der 2019 den eigentlich besseren Trend in der Kasse doch noch verhagelte. Anstelle eines erwarteten Minus von 637.000 muss die Gemeinde doch noch einen Fehlbetrag von 961.000 Euro ausweisen. Aber bereits im Folgejahr kann Manfred Wagemann für Freude im Stadtrat sorgen. Hatte der Kämmerer im Haushalt noch eine „schwarze Null“ geplant, kann er einen Überschuss von 920.000 Euro ausweisen.

Noch besser schlägt sich das Jahr 2021 in der Kasse nieder. Das geht aus dem Jahresabschluss hervor, über den am 22. November der Hauptausschuss und abschließend der Rat am 6. Dezember befinden. Hatte Wagemann im Haushalt noch mit einem Minus von 617.000 Euro kalkuliert, kann er nun auf einen Überschuss in Höhe von 2,576 Millionen Euro verweisen.

Das reicht allemal aus, um im zu Ende gehenden Jahr der Haushaltssicherung die gesetzlich vorgeschriebene allgemeine Rücklage auf das Soll zu bringen. Lediglich 68.160 Euro werden dafür noch benötigt. Mit dem großen Rest, so schlagen es der Kämmerer und der Bürgermeister den Ratsgremien vor, soll wieder die Ausgleichsrücklage angespart werden. Exakt 2.507.357,81 Euro möchte Jorma Klauss auf diese Art Sparbuch einzahlen, um eventuell spätere Fehlbeträge ausgleichen zu können. Zuletzt 2010 hat die Gemeinde das mit der kompletten Auflösung der Rücklage noch tun können. Zwölf Jahre später kann Roetgen wieder sparen.

Wie ist die wundersame Genesung der Roetgener Finanzen zu erklären? Es sind im Wesentlichen die über die Erwartungen hinaus sprudelnden Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Hatten bereits im Vorjahr die Betriebe am „Tor zur Eifel“ mit zusätzlichen 0,8 Millionen Euro zum Überschuss im Jahresabschuss beigetragen, summieren sich die Mehrzahlungen 2021 auf satte 2,25 Millionen Euro. Zudem sind die Anteile an der Einkommens- und Umsatzsteuer um insgesamt rund 240.000 Euro gestiegen.

Auf der anderen Seite sind einige geplante Ausgaben nicht wirksam geworden: Beispielsweise für die Umgestaltung der Kreuzung Rosental-, Mühlen und Bundesstraße mit einer Ampel, der mit 1, 2 Millionen Euro angesetzt ist, wovon allerdings auch Kostenerstattungen durch den Landesbetrieb Straßenbau NRW gegenzurechnen sind. Vergleichbares gilt für die verspätete Einführung des Netliners, auf die 468.000 Euro anzurechnen sind, wobei gleichzeitig weniger Landeszuschüsse eingingen. Geringer als gedacht vielen auch die Kosten für Strom und Heizung (minus 33.000 Euro) aus.

 Bürgermeister Jorma Klauss: „Wir haben zwar ein gutes Ergebnis, aber die Zeiten sind nicht erfreulich und wir haben große Herausforderungen vor uns.“
Bürgermeister Jorma Klauss: „Wir haben zwar ein gutes Ergebnis, aber die Zeiten sind nicht erfreulich und wir haben große Herausforderungen vor uns.“ Foto: Juergen Lange

Inwieweit sich die Mehrerlöse in Folgejahren auswirken, „können wir noch nicht einschätzen“, sagt Klauss. In Erwartung schlechterer Geschäfte wegen Corona in 2020 hätten Unternehmen ihre Abschlagszahlungen reduziert. Weil die Geschäfte dann doch besser liefen als gedacht, sei es zu Nachzahlungen 2021 gekommen. Entsprechend schwierig werde die Prognose für die Zukunft.

Jedenfalls verbessert hat sich in der Finanzrechnung die Situation in Roetgens Portemonnaie: Von 5,0 auf 6,5 Millionen angestiegen sind die liquiden Mittel, worin allerdings der vom gemeindeeigenen Abwasserwerk zur Verfügung gestellte 5-Millionen-Euro-Dispo enthalten ist. Zwar ist Roetgen nicht auf Kassenkredite angewiesen, aber „alles relativiert sich, auch wenn man sieht, was die geplanten Investitionen kosten dürften“, bremst Manfred Wagemann jegliche Ansätze von Euphorie.

„Wir haben keinen Grund, die Sektkorken knallen zu lassen“, stimmt ihm Jorma Klauss zu: „Wir haben zwar ein gutes Ergebnis, aber die Zeiten sind nicht erfreulich und wir haben große Herausforderungen vor uns. Was Einnahmen und Kosten angeht, wird es bestimmt nicht besser“. Allerdings stehe Roetgen vor einer wesentlich besseren Ausgangslage als vor zehn Jahren, als es in die Haushaltssicherung gerutscht und die Ausgangsrücklage mit rund eine Million Euro im Jahr geleert habe.

 Kämmerer Manfred Wagemann: Während er beim Haushalt noch mit einem Minus von 617.000 Euro kalkuliert hatte, kann er für 2021 nun auf einen Überschuss in Höhe von 2,576 Millionen Euro verweisen.
Kämmerer Manfred Wagemann: Während er beim Haushalt noch mit einem Minus von 617.000 Euro kalkuliert hatte, kann er für 2021 nun auf einen Überschuss in Höhe von 2,576 Millionen Euro verweisen. Foto: Juergen Lange

Aber der prophetische Blick in die Glaskugel wird für den Kämmerer zunehmend komplizierter. „Natürlich wird es schwieriger, den Haushalt zu kalkulieren“, verweist Manfred Wagemann auf viele Unwägbarkeiten. Beispielsweise aufgrund des OLG-Urteils zur Verzinsung. „Wenn sie niedriger liegt, können wir auch nur weniger Überschuss vom Abwasserwerk an die Gemeinde ausschütten, was sich im Haushalt bemerkbar macht“, sagt der Kämmerer und nennt weitere Beispiele: Wie wird sich die Energieproblematik auf Kosten und Steuerentwicklung auswirken? Wie wirken sich die versprochenen Entlastungspakete aus? Die Personalaufwendungen werden aufgrund der durchgeführten Stellenbemessung steigen. Wesentliche Abschreibungen aufgrund der geplanten Investitionen in Feuerwache, Grundschulerweiterung, Flüchtlingsunterkunft und weitere Projekte werden zu schultern sein. „Es gibt noch mehr Fragezeichen als in der Vergangenheit“, sagt Jorma Klauss.

„Es wird an vielen Stellen haken. Ich habe mich noch nicht getraut, auf die Zahlen für 2023 zu blicken“, scherzt Manfred Wagemann. Aber den Haushalt wird er ebenso wie die meisten Amtskollegen im Umfeld erst im Januar 2023 dem Rat zur Beratung vorlegen.