Roetgen: Telekom attackiert Deutsche Glasfaser

Telekom-Probleme in Roetgen : „Eine Schneise der Verwüstung durch Roetgen“

Die zahlreichen und nach wie vor anhaltenden Ausfälle im Festnetz der Telekom sorgen in Roetgen weiterhin für Empörung. So sind noch immer viele Häuser ohne Telefon und Internet, da sich die Reparaturarbeiten der Telekom schleppend gestalten.

Auch ein Schreiben von Bürgermeister Jorma Klauss (SPD), der sich bei dem Konzern in der vergangenen Woche offiziell über die Zustände in seiner Gemeinde beschwert hatte, konnte an der Situation nicht viel ändern – Klauss wartet noch immer auf eine Antwort. „Mich ärgert vor allem, dass sich die Telekom nicht an den Gesprächen, die wir im Vorfeld mit allen Versorgern geführt haben, beteiligt hat“, sagt Klauss. Es sei schließlich klar gewesen, dass es bei einer so großen Infrastrukturmaßnahme auch zu Problemen kommen würde.

„Das ist ein unmöglicher und vor allem gefährlicher Zustand“, schimpft Roger Kraus. Der Feuerwehrmann weist auf die akute Gefahr für ältere Menschen hin, die im Notfall praktisch von der Außenwelt abgeschnitten seien. „Mein 72-jähriger Vater hat in der Kalfstraße seit Tagen keine Telefonverbindung. Dort trifft es noch weitaus ältere und auch kranke Menschen. Diese können im Notfall keine Hilfe rufen.“

Nicht nachvollziehen kann der Roetgener vor allem, dass in vielen Straßen jeweils einzelne Häuser betroffen sind, andere wiederum nicht. Er will sich mit den Erklärungen der Telekom nicht zufriedengeben, sich bei der Bundesnetzagentur beschweren und notfalls die Möglichkeit einer Klage prüfen lassen.

Die Wut der Kunden kann man bei der Telekom nachvollziehen. Allerdings weist Pressesprecher Andreas Fuchs Vorwürfe zurück, die Telekom arbeite nicht konsequent genug an der Wiederherstellung des Netzes. „Wir haben es hier mit einem wahnsinnig komplexen Störungsbild zu tun, das deutschlandweit seinesgleichen sucht“, sagt Fuchs. Die Vielzahl der betroffenen Häuser und die scheinbar willkürliche Verteilung der Störungen weise darauf hin, dass die Leitungen der Telekom an verschiedenen Stellen bei Bauarbeiten im Ort nicht durchtrennt, sondern offenbar angeritzt worden seien.

Der Verursacher sei hinlänglich bekannt: „Die Deutsche Glasfaser hat in Roetgen eine Schneise der Verwüstung hinterlassen.“ Vorwürfe gegen die Telekom seien daher nicht gerechtfertigt: „Wir arbeiten hier mit zusätzlichen Teams aus Aachen bis an die Grenze des arbeitsrechtlich Möglichen.“ Dass ein Stromversorger seine Leitungen binnen kürzester Zeit repariert habe, die Telekom hingegen viele Tage brauche, sei ein unzulässiger Vergleich. „Ein Stromkabel ist sehr leicht zu reparieren. Telekommunikation ist dagegen ein weitaus komplexeres Geschäft“, sagt Fuchs. Teilweise müssten Telekom-Mitarbeiter Hunderte einzelne Stränge prüfen, bis die Störung genau lokalisiert sei. „Das braucht leider seine Zeit.“ Dass mancher dem Konzern nun vorwerfe, die Arbeiten bewusst zu verschleppen, um die Konkurrenz zu ärgern, „weisen wir mit aller Schärfe zurück. Das ist eine alberne Verschwörungstheorie“.

Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur haben die Kunden der Telekom derzeit keine rechtliche Handhabe. Nach Paragraf 45b des Telekommunikationsgesetzes können sie zwar von dem Konzern verlangen, dass dieser „einer Störung des Telefondienstes unverzüglich, auch nachts und an Sonn- und Feiertagen, nachgeht“. Dies schließe die Überprüfung einer Störung und das Einleiten geeigneter Maßnahmen zur Störungsbeseitigung ein, erklärt Pressesprecher Michael Reifenberg. Eine gesetzlich festgelegte Entstörungsfrist für Teilnehmeranschlüsse gebe es jedoch nicht.

Bauarbeiten bis zum Frühjahr 2020

Die Deutsche Glasfaser wiederum weist die Vorwürfe der Telekom als „zu pauschal“ zurück und begründet die Probleme in Roetgen wie zuletzt auch mit qualitativ schlechten  Karten, die nicht die reale Situation vor Ort widergäben. Hinzu komme die enorme Geschwindigkeit, mit dem der Ausbau vorangetrieben werde. „Wir arbeiten viel schneller als der klassische Tiefbau. Der Ausbau in Roetgen ist ein wirklich großes und anspruchsvolles Infrastrukturprojekt. Das erklärt vielleicht das eine oder andere Problem“, sagt Pressesprecher Dennis Slobodian. Bürgermeister Jorma Klauss gibt der Glasfaser Recht. Er hält das „Bashing der Versorger untereinander für absolut unnötig“.

Die Glasfaser will nach seinen Angaben bis zum Frühjahr 2020 die Tiefbauarbeiten in Roetgen abgeschlossen haben. In Simmerath läuft es dagegen besser: Hier sollen die Tiefbau-Teams bereits in diesem Jahr ihre Arbeit beenden.