Kalterherberg: Reichenstein gehört jetzt den Mönchen

Kalterherberg: Reichenstein gehört jetzt den Mönchen

„Pax Benedicto novi monasterii Immaculati Cordis Mariae Reichsterii die XIV obtobris MMXVII“ (Einsegnung des neuen Klosters vom Unbefleckten Herzen Mariens Reichenstein am 14. Oktober 2017): Mit diesen lateinischen Worten waren die Einladungen überschrieben, die rund 200 Gäste am Samstag in die Hand nahmen, um einer ungewöhnlichen Zeremonie beizuwohnen: der Einweihung und Besiedelung des Klosters Reichenstein.

Nach dem Erwerb der 900 Jahre alten ehemaligen Klosteranlage und des späteren Gutshofes bei Kalterherberg hat der Verein St. Benedikt mit Unterstützung der Priesterbruderschaft Pius X. neun Jahre auf diesen Tag hingearbeitet.

Der neu ernannte Prior des Klosters Reichenstein, Pater Bernhard, nahm den Schlüssel entgegen.

Mit dem Einzug der ersten fünf Mönche, deren Zellen vorerst im Haupthaus der Anlage eingerichtet wurden, ist der Grundstein für das neue Benediktinerkloster gelegt und auch eine Zeitenwende eingeleitet. Reichenstein gehört ab jetzt den Mönchen, die hier abgeschieden von weltlichen Einflüssen in aller Strenge das klösterliche Leben praktizieren wollen. Der Tagesablauf ist bestimmt durch Gebet, Arbeit und Schweigen.

„Wir wollen eine Schule für den Dienst des Herrn errichten. Alles ohne Ausnahme soll in diesem Kloster zur Ehre Gottes geschehen“, hatte der neu ernannte Prior des Klosters Reichenstein, Bruder Bernhard, in seinem Einladungsschreiben an die „Freunde und Wohltäter“ aus den Regeln des heiligen Benedikt zitiert, dem Ordensgründers aus dem Frühmittelalter.

Pater Bernhard nahm im Rahmen der Zeremonie im Klosterhof später aus der Hand von Prior Placidus vom Mutterkloster Bellaigue in Frankreich den Schlüssel für das neue Kloster in der Eifel entgegen.

Nach der Terz in der überfüllten Klosterkapelle zog die Prozession, begleitet vom dezenten Gesang lateinischer Psalmen, in den Innenhof, um das neue Kloster einzuweihen. Sakristei, Küche, Refektorium, Bibliothek, Mönchszellen, Werkstätten und Gästehaus wurden eingesegnet, ehe die Zeremonie überging in ein feierliches Hochamt, das nach dem lateinischen Ritus abgehalten wurde. Von der neuen Liturgieform nach dem II. Vatikanischen Konzil distanzieren sich die Benediktiner. Diese traditionelle Form der Messfeier wird insbesondere von katholischen Traditionalisten geschätzt. Viele der Gläubigen gaben sich in tiefer innerer Versunkenheit ganz der Zeremonie hin.

Bestimmt wurde das außergewöhnliche Ereignis der Klostereinweihung, die ganztätig gefeiert wurde, aber auch von der Anwesenheit zahlreicher Besucher, die aus ganz Deutschland angereist waren.

Vertreter der Kommunen machten sich rar bei der Klostereinweihung. Die Stadt Monschau wurde vertreten durch den stellvertretenden Bürgermeister Georg Kaulen.

Nur noch von außen zugänglich

Die Errichtung der Klausur bildete am Samstag den Abschluss und den Höhepunkt der Klosterweihe. Dazu wurde das mächtige Haupttor der Klosteranlage am späten Nachmittag geschlossen. Dieser Akt wurde zunächst nur symbolisch vollzogen, aber in wenigen Wochen wird der Innenhof dann ganz allein den neuen Klosterbewohnern gehören, wenn die derzeit im einem Seitenflügel entstehende Notkapelle fertiggestellt sein wird. Die über 400 Jahre alte Klosterkapelle wird wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten rund vier Jahre geschlossen bleiben.

Besucher sind in Reichenstein weiter willkommen, aber sie gelangen künftig nur außen an der Anlage vorbei in die Notkapelle. Der Zugang soll in den kommenden Tagen fertiggestellt werden. Später wird auch der Zugang zur alten Kapelle wird möglich sein, was auch eine Forderung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege ist. Der Innenhof der quadratisch angelegten Klosteranlage wird dann für die Öffentlichkeit tabu sein. Es werden Sichtmauern errichtet, damit die Ganzhingabe der Mönche nicht gestört wird.

Ehe der traditionalistische Kloster-Standort Reichenstein seit dem Ankauf im Jahr 2008 aber vollendet ist, werden wohl noch einige Jahrzehnte ins Land gehen. 30 Benediktinermönche sollen hier einmal leben, aber für weitere Mönchszellen muss zunächst noch ein Neubau errichtet werden. Auch eine Reihe anderer Baumaßnahmen, die alle in enger Abstimmung mit dem Denkmalamt erfolgen, sind mit einem beträchtlichen finanziellen und zeitlichen Aufwand verbunden.

(P. St.)
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