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Simmerath: Quasi über Nacht an die Verwaltungsspitze

Simmerath : Quasi über Nacht an die Verwaltungsspitze

Als Leo Jansen am Kirmesmontag 1957 praktisch über Nacht vom damaligen Oberkreisdirektor Georg Stieler das Angebot erhielt, die Leitung der damals etwas ungeordneten Amtsverwaltung Kesternich zu übernehmen, war das für den jungen Kreisinspektor nicht unbedingt der Traumjob.

Der 33-Jährige aber sagte zu, und erlebte in seiner langjährigen Tätigkeit in der Verwaltungsspitze bewegende Momente der Gemeinde Simmerath mit.

Als Gemeindedirektor schied er Ende Oktober 1982 aus dem Amt. Am heutigen Montag, 14. Juni, vollendet der rüstige Pensionär sein 80. Lebensjahr.

Der Heimat verbunden

Es wäre für den weiteren beruflichen Werdegang auch nicht klug gewesen, wenn Leo Jansen damals das Angebot seines Dienstherrn abgelehnt hätte, nachdem er bereits einige Jahre zuvor ein Angebot aus dem Innenministerium ausgeschlagen hatte, weil er sich seiner Heimat zu sehr verbunden fühlte.

Nach dem Krieg wurde der in Kalterherberg geborene Leo Jansen praktisch vom ersten Tag an in den Wiederaufbau eingebunden. Im Oktober 1945 kam er zur Kreisverwaltung Monschau. Beim Wohn- und Siedlungsamt hieß die Devise, Ärmel hochkrempeln und anpacken. Leo Jansen erinnert sich, das er als damals 21-Jähriger die Bauhandwerker aus Mützenich und Kalterherberg aufforderte, in Schmidt und Vossenack Notunterkünfte zu errichten. „Nach der Rechtsgrundlage fragte niemand.”

Es ging nur um die gemeinsame Sache. Das war auch beim Wechsel zur Amtsverwaltung Kesternich nicht anders. „Das Einzige was zählte, war sofort zu handeln”, erinnert sich Jansen, und kaum hatte er seinen neuen Platz eingenommen, war schon der Auftrag für den Bau von Umkleidekabinen an der „Badeanstalt Rurberg” erteilt.

Vertrauensbasis

Auch die Arbeit in den Ratsvetretungen (die heutige Gemeinde Simmerath bestand damals noch aus fünf Amtsverwaltungen) bezeichnet Leo Jansen als effektiv und zügig. „Die Dinge wurden kurz abgesprochen und dann beschlossen.” Statt langwieriger Fraktionssitzungen zählte die Vetrauensbasis. Damals, erzählt Jansen, kandidierten eine Reihe von Vertretern für Parteien, „denen sie gar nicht abgehörten”.

Diesen Leuten sei es allein um die Sache, ihr Dorf, gegangen. „Das waren absolute Idealisten.” Verdienstausfall und Sitzungsgeld waren für die damaligen Bürgermeister bei einer monatlichen Entschädigung zwischen 50 und 80 Mark Fremdworte.

Kein Parteibuch

Auch für Leo Jansen war die Neutralität im Amt stets ein wichtiger Aspekt. „Ich habe nie ein Parteibuch besessen”, bekennt er.

Für den Kesternicher Amtsdirektor bahnte sich Ende der 60er Jahre die kommunale Neugliederung als riesengroße Herausforderung an, die dann 1972 vollzogen wurde. „Wir waren gut vorbereitet”, erinnert sich Leo Jansen. Die Jahre zuvor gegründete Planungsgemeinschaft Rursee bildete die Ausgangsbasis für den neuen Flächennutzungsplan, und damit war die strukturelle Entwicklung von „Groß-Simmerath” vorgegeben.

Leo Jansen: „Wichtig war vor allem, das Kirchturmsdenken abzuschaffen.” Auch heute noch verfolgt Leo Jansen mit Interesse das kommunalpolitische Geschehen der Gemeinde. Die geplante touristische Entwicklung am Rursee sieht er als „große Chance”.

Gleichzeitig erinnert er sich aber daran, wie er schon vor Jahrzehnten bei regelmäßigen Gedankenaustauschen die Hoteliers davon zu überzeugen versuchte, in der Vor- und Nachsaison Preisnachlässe zu geben. „Ich erntete wütende Proteste.” Das Potenzial des Tourismus für die Zukunft sei damals von vielen nicht erkannt worden.

Doch jede Zeit habe ihre eigene Entwicklung und Erkenntnisse, sagt Leo Jansen rückblickend und altersweise auf ein mit vielen Aufgaben erfülltes Leben.

Auch nach der Pensionierung übte er eine Vielzahl von ehrenamtlichen Tätigkeiten aus.

Er war 27 Jahre Vorsitzender und Geschäftsführer des DRK-Ortsvereins Monschau und langjähriger Vorsitzender des Fischereivereins. Heute hat er das Aufgabenfeld („Ich gebe jedes Jahr ein Amt in jüngere Hände.”) auf Führungen im Bauernmuseum und die Mitwirkung im Arbeitskreis Alt Simmerath reduziert.

Stets korrekt

Zufrieden blickt der stets korrekte Verwaltungsbeamte auf sein Leben zurück, „und wenn man seinen 80. Geburtstag bei bester Gesundheit feiern kann , gibt es auch wirklich keinen Grund zu klagen”.