Aachen: Polizei macht zur WM kurzen Prozess

Aachen: Polizei macht zur WM kurzen Prozess

Wer blutig foult, kassiert Rot. Und muss dafür bitter bezahlen. Das gilt für die WM-Spielfelder in Südafrika genauso wie für Aachener Straßen und Plätze. In bislang nicht gekannter Konsequenz erklärte am Freitag Helmut Lennartz, Leiter der Direktion Gefahrenabwehr/Einsatz der Polizei, dass man zur Fußball-Weltmeisterschaft mit gewalttätigen „Fans” in der Städteregion kurzen Prozess macht.

„Mit eigens zu diesem Zweck für alle Streifen vorgefertigten Verfügungen werden wir Betretungsverbote für drei Monate aussprechen, die direkt mit einem Zwangsgeld von 500 Euro einhergehen”, sagte er. „In die Formulare müssen nur noch die Personalien eingetragen werden.”

Diese Sanktion ist schärfer als übliche „Platzverbote”. Ins Visier nimmt die Polizei - „mit verdeckten und offenen Kräften” - vor allem Brennpunkte wie das Pontviertel, polizeibekannte Unruhestifter und rechtsradikale Randalierer. Bei der WM 2006 wanderten weit weniger Straftäter kurzfristig hinter Gitter, als die Behörden befürchtet hatten - zehn bis zwölf an Durchschnittstagen.

Doch von den „etwa 150 Problemfans der Aachener Region” will man sich den World Cup nicht vermiesen lassen. „Nach den Erfahrungen bei der EM 2008 gibt es beim Public Viewing - etwa im Kapuziner Karree - fast gar keine Probleme”, sagte Lennartz. Mehr Gewaltbereitschaft trete dezentral zutage, abseits jener Sicherheitsschleusen - zumal die Polizeikräfte während der WM-Wochen gleichzeitig Großveranstaltungen in Alsdorf, Eschweiler und Simmerath beobachten.

Für die große Masse der friedlichen Fußballbegeisterten stellt Aachen ausgesprochen WM-freundliche Spielregeln auf - gerade für Kneipen, Clubs und Cafés. Generell gilt für alle Außengastronomieflächen: Es darf von Horbach bis Friesenrath und von Vaalserquartier bis Eilendorf draußen via Fernseher Fußball gezeigt werden, wenn 20 Minuten nach Spielende der Ton abgestellt wird.

Das heißt: In der Regel soll ab 22.35 Uhr Ruhe herrschen - falls weder Verlängerung noch Elfmeterschießen folgen. „Einzelgenehmigungen sind nicht erforderlich”, betonte Ordnungsamtschef Detlev Fröhlke. „Wir vertrauen darauf, dass die Gastronomen angesichts dieser großzügigen Regelung nach Spielschluss auf ihre Gäste einwirken.” Falls nicht, werde man auch hier konsequent durchgreifen.

Ordnungsdezernentin Annekathrin Grehling wies darauf hin, dass man angesichts des zu erwartenden Ansturms auf das Public Viewing bei Deutschland-Spielen auf dem Aachener Markt das Sicherheitskonzept fortführe, das sich bereits am Fettdonnerstag bewährt habe. „Nichts aus Glas, keine Alkoholmischgetränke und natürlich keine Waffen” dürften die Sicherheitsschleusen passieren. Wobei Brigitte Drews vom Fachbereich Jugend am Freitag noch einmal grundsätzlich zum sparsamen Alkoholkonsum und zur Einhaltung des Jugendschutzes aufrief. „Alkohol enthemmt und erhöht die Gewaltbereitschaft.” Auch hier will das Ordnungsamt mit 20 Außendienstlern gezielt vorbeugen.

Denn das Ziel ist eine unbeschwerte Fußballparty für die ganze Stadt. Bis zu 5000 Fans dürfen die gestochen scharfen Bilder der 30 Quadratmeter großen LED-Wand auf dem Markt am Sonntag ab 13.30 Uhr genießen. Um 19 Uhr startet dort ein Bühnenvorprogramm mit Live-Interviews. Anstoß der deutschen Elf gegen Australien ist um 20.30 Uhr. Auf dem Markt gibt´s Public Viewing nur dann, wenn Deutschland spielt. Einzige Ausnahme: 24. Juni, wenn RTL mit Günther Jauch und Jürgen Klopp vor dem Rathaus auf Sendung gehen.

Täglich strahlt indes die 23 Quadratmeter große Leinwand im Kapuziner Karree sämtliche WM-Spiele aus. Mehr als 500 Besucher feierten dort am Freitag schon das Remis zum WM-Auftakt von Gastgeber Südafrika gegen Mexiko. Sogar die ersten La-Ola-Wellen rauschten am Abend durch die grandiose Kulisse im alten Posthof, direkt vor dem Automatencenter des Casinos. Im Glückstempel gibt´s übrigens bei jedem deutschen Tor eine Runde Freibier.

Das WM-Fieber steigt in Aachen. Immer mehr Autofahrer klemmen ihre Deutschland-Fähnchen an die Scheibe oder überziehen ihre Rückspiegel mit schwarz-rot-goldenen Söckchen. Wer sich jedoch im Auto-Korso in jubelnde Blechwürme einschlängelt, sei gewarnt. Mitfahrer auf Pkw-Dächern und Alkoholvergehen wird man laut Polizeidirektor Lennartz nicht tolerieren. Sonst folgt auf die Gelbe Karte ganz schnell der Platzverweis. Und (Fahr-)Lizenzentzug.