Roetgen: Politischer Streit um 412,38 Euro für die Jugendarbeit

Roetgen: Politischer Streit um 412,38 Euro für die Jugendarbeit

Nicht nur Bürgermeister Manfred Eis war im Ausschuss für Bildung, Jugend, Soziales und Sport am Dienstagabend peinlich berührt, weil, wie angeblich jedes Jahr, mit zum Teil harten Bandagen „über Kleingeld diskutiert” wurde.

Es ging um sage und schreibe 412,38 Euro, die der Verein der Freunde und Förderer der Gemeinschaftsgrundschule Roetgen erhalten sollte, als Zuschuss für seine Jugendarbeit.

114 Kinder waren der Verwaltung zum Stichtag als förderungswürdig gemeldet worden. Im Jahr zuvor stand an dieser Stelle noch eine Null, so Karina Linzenich vom Fachamt der Gemeinde auf Anfrage. Diese Null wollte Anita Buchsteiner auch für 2011 dort wieder sehen.

Wie die Christdemokratin, selbst Mitglied im Förderverein, betonte, werde dort keine Jugendarbeit betrieben. Die Eltern seien Mitglieder und förderten mit ihren finanziellen Zuwendungen die Schule. Die sachkundige Bürgerin der CDU verlangte von der Verwaltung eine Korrektur und trat damit eine Debatte los, die dem Gremium nicht zum Ruhme gereichte.

Sollte es bei der Regelung in der Verwaltungsvorlage bleiben, seien anderen Vereinen Tür und Tor geöffnet, auf diese Weise Zuschüsse zu beantragen, warnte CDU-Ratsherr Wolfgang Schruff davor, einen Präzedenzfall zu schaffen. Für Frank Knur von der SPD ist dieser Zug längst abgefahren, denn es gebe auch andere Vereine in Roetgen, die über Familienbeiträge Kinder an den Verein binden und sodann Zuschüsse für Jugendarbeit beantragen.

Im Rahmen der Gleichbehandlung müssten dann wohl alle Vereine überprüft werden, sah Bürgermeister Manfred Eis einiges Ungemach auf seine Mitarbeiter zukommen. Sollte das jedoch die Konsequenz sein, „dann werden wir Ihnen eine Liste vorlegen, die Ihnen nicht gefallen wird”.

Völlig aus der Reihe tanzte die UWG, für die es nicht vorrangig wichtig war, ob dem Förderverein rein formal Zuschüsse zustehen oder nicht. Denn, so Fraktionsvorsitzende Silvia Bourceau, die Zuschüsse kämen schließlich wieder den Kindern zugute. So sei beispielsweise der Mitmach-Zirkus „Lollipop” ohne die Unterstützung des Fördervereins unbezahlbar. Dieser Zirkus erhöhe die soziale Kompetenz der Kinder, biete ihnen die Möglichkeit, Grenzen zu erfahren oder über sich hinaus zu wachsen.

Ungeachtet dieses Plädoyers hagelte es Proteste der anderen Fraktionen, von „Winkelzügen” und „Trickserei” war die Rede. Was wiederum Rainer Welzel von der UWG nicht nachvollziehen konnte. Er wolle sich „nicht über Statuten erheben” und die Kritik am Verfahren sei berechtigt, aber „wo wir Kinder unterstützen können, sollten wir das tun”. Allerdings, so Ausschussvorsitzender Ronald Borning (CDU), unterscheide sich dieser Fall von allen anderen: „Die Kinder können sich im Verein nicht selber fördern.”

Nach einigem Gezänk unsd Gezerre wurde gegen die Stimmen der UWG beschlossen, dem Förderverein der Grundschule den Sockelbetrag von 25 Euro zuzubilligen, jedoch die Zuschüsse für die 114 Kinder zu streichen. Besagte 412,38 Euro wurden auf die restlichen förderungsfähigen Jugendlichen in Roetgener Vereinen umgelegt. Gab es anfangs 3,6174 Euro pro Kopf, sind es nach der Korrektur 3,8288 Euro. Mit insgesamt 9220 Euro fördert die Gemeinde Roetgen in diesem Jahr 43 Vereine mit 1951 Kindern und Jugendlichen.

Dem Vernehmen nach ist das die einzige freiwillige Zuwendung an die Vereine, die sich die Nothaushaltsgemeinde noch leisten kann.

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