Roetgen: „Pizzapirat“ Billy: Seit 20 Jahren eine feste Größe in Roetgen

Roetgen: „Pizzapirat“ Billy: Seit 20 Jahren eine feste Größe in Roetgen

Im Juli 1997 begann alles mit der kleinen Pizzeria „Rojan“ an der Bundesstraße in Roetgen und dem Traum, die italienische Küche in der Nordeifel populärer zu machen. Zwei Jahrzehnte später hat der „Pizzapirat“ Billy — früher trug er bei der Arbeit immer ein Bandana — das geschafft.

Die Lokalität hat er in dieser Zeit nur einmal gewechselt. Nur wenige Meter von seinem ersten Geschäft entfernt fand der Wahl-Roetgener im Jahre 2003 sein Traumobjekt: Die Halle eines ehemaligen Tierfuttermarktes. „Ich habe alles mit meinem guten Freund umgebaut, und alles haben wir alleine in sechs Monaten gemacht. Gleichzeitig habe ich noch meine Mutter gepflegt“, erzählt Billy.

Am 20. Januar 2004 eröffnete das „La Rustica“ an der Bundesstraße 12, und weil das Geschäft gut funktionierte, kaufte der ehemalige „Pizzapirat“ die Immobilie und baute im Jahr 2012 eine überdachte Terrasse an.

Wie kräftezehrend die Tätigkeit in der Gastronomie ist, verschweigt Billy nicht und spricht von „unsozialen Arbeitszeiten“. Daher achte er auch sehr genau darauf, seine Mitarbeiter pünktlich, wenn die Küche um 22 Uhr schließt, in den wohlverdienten Feierabend zu schicken. Ein gutes Team sei Voraussetzung für das Gelingen. Dieses besteht bei „La Rustica“ aus acht Mitarbeitern, darunter vor allem Familienmitglieder und langjährige Freunde.

Sieben Tage in der Woche arbeitet das eingeschworene Team für die Gäste. Seit einigen Monaten unterstützen auch ein syrischer und ein afghanischer Flüchtling dieses Team: „Ich möchte, dass die Beiden etwas aus sich machen. Ihre Arbeitszeiten sind so abgesprochen, dass sie die Sprachkurse in der Stadt immer besuchen können. Wenn die beiden vom Krieg erzählen, kriegt man Gänsehaut“, erzählt der Gastronom und sechsfache Vater.

Die Familie liegt ihm besonders am Herzen. Ehefrau Gülseren ist seine „Wirbelsäule“, die ihn bereits seit zwölf Jahren unterstützt und motiviert. Sie hilft im Service aus, sorgt für die Sauberkeit im Restaurant und in den Ferienapartments, die das Paar in Roetgen betreibt, sorgt für die Kinder und das Eigenheim, das die Familie vor einigen Monaten im Ort fand.

Die Motivation, das Restaurant zu führen und sich stetig zu verbessern, rührt von dem Wunsch her, dass seine Kinder „mal ein besseres Leben haben, mit besseren Arbeitszeiten und einer akademischen Ausbildung und nicht Tag und Nacht im Laden stehen müssen“. Oft hätten sie auf ihren Vater verzichten müssen, da dieser erst arbeite, wenn andere bereits Feierabend hätten. Aber Billy will nicht meckern, da er dankbar für sein gutlaufendes Geschäft ist, was ihm „sehr am Herzen liegt und niemals schließen wird“.

400 Gerichte gingen im vergangenen Sommer täglich über die Theke der zwölf Quadratmeter großen offenen Küche, die bewusst so gestaltet wurde, dass der Kunde sieht, was hier verarbeitet wird. Die 150 Kugeln Pizzateig, die der Chef meist selber gekonnt knetet, laden viele Kunden dazu ein, zuzuschauen.

Seine Liebe zur italienischen Küche entdeckte der Roetgener bereits vor 30 Jahren. Sein damaliger Meister Mario, der ein Restaurant in Mönchengladbach betrieb, lehrte ihn alles. Seinem Meister Mario, der laut Billy „Liebe und Erfahrung“ geschenkt hat, widmete er die Nummer 23 auf seiner Speisekarte. Die Pizza „Mario“ mit Tomatensauce, Käse, Schinken, Salami, frischen Champignons und Artischocken.

Besonders glücklich ist der 46-Jährige darüber, dass er in den zurückliegenden 20 Jahren so gut wie nie Rassismus erlebte. „Hochzufrieden“ ist er in seiner Wahlheimat Roetgen, wo er seinem Traumjob nachgeht, seine Kinder aufwachsen sieht und er viele Freunde gefunden hat. Die beliebtesten Gerichte der Eifeler kennt Billy mittlerweile auch genau: Salat mit Pute oder Rinderfilet, Bandnudeln mit Scampi, Gemüsepizza für die Vegetarier und seine „wirklich mächtige“ Calzone.

(kfr)