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Pferdehalter fordern Unterstützung und klagen gegen Bezirksregierung

Wolf im Monschauer Land : Angst vor der Rückkehr von GW926m

Was macht der Wolfsrüde GW926m? Seit Mai ist das Tier in der Eifel nicht mehr auffällig geworden. Pferdehalter in Mützenich beruhigt das aber nicht – sie rüsten dennoch auf.

Es ist still geworden um GW926m. Der Wolfsrüde mit diesem wenig romantischen Namen hat sich in den vergangenen Monaten rar gemacht im Monschauer Land. Am 14. Mai hatte der Wolf an der Reichensteiner Straße in Mützenich drei Schafe gerissen. Seither herrscht Ruhe im Wald und auf den angrenzenden Weiden. Pferdehalter in Mützenich beruhigt das jedoch überhaupt nicht.

Angesichts vieler Befürchtungen und der Tatsache, dass das Tier im Frühjahr noch innerhalb von vier Wochen dreimal auffällig geworden war, stellen sich mittlerweile einige Fragen: Ist der Wolf womöglich weitergezogen? Lebt er überhaupt noch? Hat vielleicht ein Jäger oder Landwirt in der deutschen oder belgischen Eifel kurzen Prozess mit dem Einwanderer gemacht? Wolfsexperte Matthias Kaiser vom Landesumweltamt (Lanuv) hat für diese Thesen keine Belege. Im Gegenteil: Derzeit sprächen vielmehr alle Indizien dafür, dass sich der Wolf bester Gesundheit erfreue. „Unsere belgischen Kollegen haben noch im Herbst eindeutige Wolfsspuren sichern können“, sagt Kaiser.

Abgleich mit Belgien ist schwierig

Derzeit arbeite man mit der belgischen Seite weiterhin an der Vereinheitlichung von Standards in der Gendatenbank. „Aber wir können schon jetzt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass es sich um ein und dasselbe Tier handelt.“ Daher nehmen die Experten an, dass der Wolf in den belgischen Ardennen und im Hohen Venn heimisch geworden ist. Kaiser: „Die Erfahrungen aus den anderen Wolfsgebieten zeigen, dass ein Wolf nicht ständig auffällig wird. Die Tiere ernähren sich ja zu fast 100 Prozent von heimischen Wildtieren. Ich gehe deshalb davon aus, dass er noch hier ist und sich lediglich sehr diskret verhält.“

Neuer Riss in Kalterherberg?

Wolfsberater Hermann Carl, der im Auftrag des Landesumweltamts vor Ort der erste Ansprechpartner ist, wenn es um Spuren oder mögliche Risse geht, berichtet derweil von einem Einsatz am Ruitzhof in Kalterherberg. Dort waren im Oktober zwei Schafe spurlos verschwunden. „Das hätte ins Bild gepasst, von der Lage des Hofes in unmittelbarer Nähe zur belgischen Grenze her gesehen“, sagt Carl. Allerdings gelang es dem Jäger nicht, verwertbare Spuren zu finden. Das Fernbleiben von GW926m regt unterdessen bei vielen Interessierten die Phantasie an.

Ein Naturfotograf, der die Eifel von vielen Streifzügen kennt, verbreitete unlängst die These, der Wolf lebe womöglich auf dem belgischen Truppenübungsplatz Elsenborn und komme nur über die Grenze, wenn dort zu laut geballert werde. Um seine These zu untermauern, hat der Fotograf Schießpläne der Belgier mit den Rissen im Monschauer Land verglichen. Dabei fänden sich tatsächlich Entsprechungen. Matthias Kaiser vom Lanuv muss da laut lachen. „Ich wäre mit solchen Thesen vorsichtig. Wir haben bislang nur drei Nachweise auf deutscher Seite. Regelmäßigkeiten lassen sich bei einer so kleinen Zahl noch nicht ableiten.“ Im Übrigen zeigten alle Erfahrungen auf deutschen Truppenübungsplätzen, dass sich Tiere von Schießübungen dort überhaupt nicht beeindrucken ließen. „Für den Wolf ist vielmehr entscheidend, dass er genug Futtertiere findet und es genug Ausweichplatz gibt.“

Dem ostbelgischen Fotografen Roger Herman gelangen im Frühjahr sensationelle Fotos des jungen Wolfsrüden im Hohen Venn. Foto: Roger Herman

Spekulationen schießen unterdessen auch unter Tierhaltern in Mützenich ins Kraut. Kunstschmied Joachim Fahl, der mit seiner Frau Martina Mainz in Mützenich den Hof „Vierzehnender“ nahe der belgischen Grenze betreibt, steht an diesem Morgen im ersten Licht der Sonne, raucht einen Zigarillo und blickt auf seine Pferde. „Dass der Wolf von Belgien aus über die Grenze kommt, ist doch kein Zufall“, meint er. Belgische Jagdpächter berichteten darüber, dass die Abschussvorgaben für Wildtiere extrem erhöht worden seien. „Die sollen den Wald praktisch leerschießen, damit die Wölfe in Belgien keine Nahrung mehr finden und zu uns kommen.“

Bei dem Gedanken an eine Rückkehr von GW926m ist dem Naturfreund allerdings überhaupt nicht zum Scherzen zumute. Fahl war der Erste, der im vergangenen Winter enorm große Pfotenabdrücke hinter dem Stall im Neuschnee fand und das dem Wolfsberater meldete. „Damals hat mir noch niemand geglaubt. Dabei waren die Abdrücke riesig, etwa viermal so groß wie die unseres mittelgroßen Hundes“, sagt Fahl. Wenige Wochen später sei der Wolf dann im Venn fotografiert worden.

Klage gegen die Bezirksregierung

Seine Frau Martina Mainz, die als Anwältin eine Kanzlei in Aachen betreibt, will in Zukunft deshalb nichts mehr dem Zufall überlassen. „Wir rüsten das hier notfalls auf wie Fort Knox“, sagt sie. Denn ihre Pferde werden naturnah gehalten und deshalb nachts nicht in Boxen eingesperrt. Die Tiere können selbst entscheiden, ob sie in den Stall oder auf die Weide gehen wollen. Im Frühjahr wächst die kleine Herde dann voraussichtlich um vier Fohlen. Das Problem: Ein elektrischer Wolfsschutzzaun garantiert zum einen keine absolute Sicherheit, und er ist in der für den Hof benötigten Größe teuer.

Staatliche Unterstützung bei der Finanzierung solcher Präventivmaßnahmen erhalten im Wolfsgebiet allerdings nur die Halter von Schafen, Ziegen und Weidewild, also in Gehegen gehaltenen Rehen und Hirschen. Pferdebesitzer gehen leer aus. Mainz will das nicht hinnehmen. Sie hat deshalb einen Förderantrag gestellt und klagt nach dessen Ablehnung gegen die Bezirksregierung Köln vor dem Verwaltungsgericht Aachen. Detailliert listet die Juristin darin zur Begründung Risse von Pferden durch Wölfe auf, die vor allem in Niedersachsen zu beobachten waren. Diese seien bislang absolute Ausnahmen, meint Wolfsberater Hermann Carl. Mainz lässt das Argument aber nicht gelten: „Die Förderrichtlinie unterscheidet nicht zwischen einem starken, gesunden Pferd und einem verletzlichen Fohlen.“

Sollte tatsächlich ein Tier getötet werden, bezweifelt Mainz zudem, dass ihr tatsächlich alle entstandenen Kosten wie angekündigt ersetzt werden. Und schließlich hätten Pferde – anders als etwa Schafe – für die meisten Halter den Status von Familienmitgliedern, an denen man emotional hänge. Mainz und Fahl erwarten deshalb unruhige Winternächte.