Simmerath: Patienten bringen Blumensträuße für „ihren Doktor Mehmet“

Simmerath: Patienten bringen Blumensträuße für „ihren Doktor Mehmet“

Das bei seinen Patienten vertraute „Hallo Chef — wie geht‘s?“ wird man ab sofort in der Praxis in der Simmerather Kammerbruchstraße 62 nicht mehr hören. Und auch die typische Eifeler Kurzmitteilung über den Ort der ärztlichen Versorgung, wenn man bei missglückten Arbeiten mit Axt oder Kreissäge bzw. Sturz von der Leiter frisch verbunden und vergipst auf den neugierigen Nachbarn traf —„Ich wohr beim Mehmet!“ — wird es in Zukunft gleichfalls nicht mehr geben.

Dr. Turgut Mehmet hat seine Praxistätigkeit offiziell zum 31\. März 2013 beendet und wird damit unter anderem Gipssäge, Pinzette, Skalpell und Reflexhammer aus der Hand legen.

Der beliebte Mediziner, der in seiner Simmerather Praxis als Facharzt für Chirurgie, Unfallchirurgie und als Durchgangsarzt tätig war, verabschiedet sich in den wohlverdienten Ruhestand und wird die vorgenannten medizinischen Geräteschaften gegen eine Rosenschere tauschen. Die wird dann verstärkt in seinem großen Garten in Höfen bei seiner beliebten Blumenart zum Einsatz kommen. Womit die Frage der künftigen Freizeitgestaltung auch geklärt ist. Rosen, Reisen und Genießen stehen nach Mitteilung des 63-jährigen ab dem 1\. April ganz oben auf seiner Tagesordnung. „Da habe ich mehr Zeit, unseren großen Garten mit meiner Frau zusammen in Ordnung zu bringen“, merkt er dazu ergänzend an.

Geboren wurde der Mediziner auf der Mittelmehrinsel Zypern, studierte später im türkischen Istanbul und setzte danach seine medizinische Ausbildung in Deutschland fort. 1976 war er dann für zweieinhalb Jahre im Simmerather Krankenhaus tätig, bevor er seine fachärztliche Ausbildung (Chirurgie und Unfallchirurgie) im westfälischen Lünen fortsetzte.

Praxis vor 20 Jahren eröffnet

Aber wer einmal vom Eifelvirus infiziert ist, kommt davon so schnell nicht wieder los. So verwundert es nicht, dass es ihn 1989 wieder an das St. Brigida-Krankenhaus in Simmerath verschlug, wobei er mit der ihm eigenen Bescheidenheit einfließen lässt, dass er dort quasi die „Hüftgelenksprothesen eingeführt“ habe. Vor knapp 20 Jahren (1\. Juli 1993) eröffnete er dann seine eigene Praxis, in der sich bei seinen Patienten mit seiner erfrischenden und lebensbejahenden Art schnell einen großen Sympathiebonus schaffte.

Diese Verbundenheit mit den Patienten spürte man auch am letzten Praxistag, da im Wartezimmer regelmäßig Patienten mit Blumen und den verschiedensten Getränken und Geschenken erschienen, um sich bei „ihrem Doktor“ zu bedanken. Darüber hinaus stand das Telefon nicht still, da immer wieder Patienten dem Arzt „Tschüss“ sagen wollten. Da ist er schon ein wenig gerührt und merkt an: „Ich kann meinen Patienten für das große Vertrauen, das sie mir in all den Jahren entgegen gebracht haben, nur herzlich danken“.

Erfreulicherweise hat Dr. Mehmet auch einen Nachfolger für seine Praxis gefunden. „Mit Esther Gombert“, stellt er dazu fest, „habe ich eine qualifizierte Nachfolgerin für meine Patienten gefunden“. Die Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie war bisher als Oberärztin im Zentrum für orthopädische Chirurgie im Simmerather Krankenhaus tätig und wird ab dem 8\. April die medizinische Versorgung in der Praxis in der Kammerbruchstraße übernehmen.

(ho)
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