Vossenack: Pater Peter Schorr verabschiedet sich nur als Schulleiter des Gymnasiums

Vossenack: Pater Peter Schorr verabschiedet sich nur als Schulleiter des Gymnasiums

„Es war ein rundum wundervoller Tag für mich“, sagte Pater Peter Schorr ganz zum Schluss des Festakts in der guten Stube des Franziskus-Gymnasiums in Vossenack.

Der 65-Jährige hatte am Morgen mit den Schülerinnen und Schülern und am Nachmittag mit vielen geladenen Gästen und Wegbegleitern seinen Abschied gefeiert — den offiziellen Abschied als Leiter der Privaten Schule, die sich aber auch in Zukunft auf die Dienste und die Mitarbeit von Pater Peter Schorr verlassen kann.

Der Festtag hatte für den vermutlich letzten Schulleiter aus dem Orden mit einem Spalier durch die Schülermenge begonnen, „ein wunderbares Gefühl, durch die Reihen der fröhlich lachenden jungen Menschen zu gehen“, blickte der Pädagoge zurück. Anschließend hatten die Schülerinnen und Schüler ihren ehemaligen Chef auf einen Thron gesetzt und ihm ein anderthalbstündiges, tolles Programm mit Musik, Tanz und Comedy geboten.

Seelsorger im Schuldienst

Der offizielle Festakt begann dann am Nachmittag mit einem festlichen Gottesdienst in der Klosterkirche, den der Provinzialminister der Deutschen Franziskanerprovinz, Pater Dr. Cornelius Bohl, gemeinsam mit Pater Peter Schorr und dessen Vorvorgänger in der FGV-Leitung, Pater Lothar Weber, zelebrierte. Pater Cornelius ging in seiner Predigt auf ein Wort von Pater Peter ein, in dem dieser seine Aufgabe als Seelsorger im Schuldienst definiert hatte.

„Da der Mensch nach dem Bild Gottes geschaffen ist, ist es aus franziskanischer Perspektive die wohl vornehmste Aufgabe schulischer Bildung und Erziehung, dem jungen Menschen dabei zu helfen, das Bild, das Gott in ihn hineingelegt hat, selbst zu entdecken, es freizulegen und es im eigenen Leben zur vollen Gestalt zu bringen“, hatte Pater Peter auch in seiner Einladung zu diesem Festtag geschrieben.

„Diesem eigenen Anspruch ist Pater Peter in seinem Wirken als Pädagoge, Erzieher und Schulleiter sehr nahegekommen“, hielt der Provinzialminister fest. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst in beeindruckender und berührender Weise von einem siebenköpfigen Ensemble aus den Reihen des Lehrerkollegiums.

Grundstein mit gelegt

Dr. Peter Cordes, dem Pater Peter die Schulleitung bereits im Februar übertragen hatte, und der mit seinem Vorgänger nicht nur den Vornamen, sondern auch die saarländische Herkunft teilt, begrüßte eine lange Liste von Gästen, die der Einladung zu diesem besonderen Tag gefolgt waren. Dr. Cordes zeichnete kurz den Lebensweg des Seelsorgers, Pädagogen und vor allem des Menschen Peter Schorr, dessen Lebensgeschichte eng mit dem FGV verknüpft sei, nach.

Denn der spätere Schulleiter war schon als Schüler mit dabei, als am 29. Juni 1966 der Grundstein für die damals größte Baustelle der Region Aachen am Rande von Vossenack gelegt wurde. Nach Abitur und Studien kehrte er als Erzieher und schließlich als Lehrer an den Franziskusweg zurück, „wo der tägliche Umgang mit den Schülerinnen und Schülern genau Dein Ding war“, so Dr. Cordes. Dabei sei Pater Peter ein höchst kommunikativer und authentischer Mensch und „Franziskaner durch und durch“ gewesen, der „ein Herz für die Schwachen und stets den Blick für den Einzelfall“ gehabt habe.

„Es ist ein gutes Gefühl, Dich heute hier nur als Schulleiter zu verabschieden“, schloss Dr. Peter Cordes mit Blick auf die künftige Tätigkeit von Pater Peter als Geschäftsführer der GmbH, der Franziskaner-Stiftung sowie in der Schulpastoral. „Und damit“, so Cordes, „bleibst Du der Schule als Freund und Förderer erhalten.“

Auch Provinzialminister Pater Dr. Cornelius Bohl hob hervor, dass Pater Peter „die ihm gestellten Aufgaben mit Herzblut und Leichtigkeit erfüllt und dabei stets die Menschlichkeit bewahrt“ habe. Bohl bezeichnete den Schritt von Pater Peter in den Ruhestand als „Zäsur, denn wenn nicht alle Zeichen täuschen, dann warst Du der letzte Franziskaner als Leiter dieser Einrichtung“. Doch auch wenn die Provinzgemeinschaft nicht das fortführen könne, was viele ihrer früheren Brüder aufgebaut hätten, dürfe man doch im Falle Vossenacks sicher sein, „dass es hier gut und franziskanisch weitergeht“, meinte der Provinzialminister.

Hürtgenwalds Bürgermeister Axel Buch stellte augenzwinkernd fest, dass er sich in seinem Leben schon mehrfach von Peter Schorr verabschiedet habe. Zunächst als Schüler „drei Klassen über mir“, dann beim Studium in Köln, wo man sich zufällig wieder über den Weg lief.

Als Schorr dann höhere Weihen für den Orden in Düsseldorf und Rom erfahren habe, habe er gedacht: Der kommt nie mehr wieder! „Aber dann warst Du plötzlich wieder hier, und es kreuzten sich unsere Wege fortan wieder häufiger“, berichtete der Bürgermeister, der festhielt: „Und auch heute ist es kein richtiger Abschied, denn Du wirst hier weiterhin Aufgaben haben und erfüllen“, so Buch.

Auch dessen Simmerather Amtskollege Karl-Heinz Hermanns ist ein „FGV-Ehemaliger“. Er stellte heraus, dass Pater Peter als Leiter der Schule „tiefe Spuren hinterlassen“ und „für den Erhalt von Kloster, Internat und Schule hier in Vossenack gelebt“ habe. Hermanns dankte dem Geistlichen aber auch „für die Seelsorge in unseren Dörfern, für die wir Sie auch in Zukunft hier brauchen werden“. Hermanns ist überzeugt, dass Nachfolger Dr. Cordes „den Qualitätsanspruch der Schule hält und das FGV im Sinne der Franziskaner fortführt“.

14 Jahre verlässliche Kooperation

Während Martina Schreiber-Röhl Pater Peter für die Franziskusstiftung herzlich als neuen Geschäftsführer willkommen hieß, bedankten sich Helga Conzen als Vertreterin des Landrats und Schulrat Olaf Windeln für die Schulabteilung des Generalvikariats im Bistum Aachen für 14 Jahre verlässliche Kooperation. Dr. Ulrike Bardt, Dezernentin der Bezirksregierung Köln, stellte amüsiert fest, „dass Sie vermutlich der erste Schulleiter im Bezirk sind, der seine Lehrertätigkeit über den Ruhestand hinaus weiterführt“.

Auch Sebastian Bertelmann stellte für Lehrerrat und Mitarbeitervertretung fest: „Schulstiftung, Seelsorger, Ordensmann und weiterhin Lehrer an der Schule — ganz schön große Aufgabe für einen Rentner!“ Er appellierte an den vielbeschäftigten Ruheständler: „Helfen Sie der Schule auch in Zukunft, mehr zu machen als nur als Bildungseinrichtung zu funktionieren.“

Michael Voß bekundete für die Schulpflegschaft, „dass wir Eltern Ihnen unsere Kinder stets mit einem guten Gefühl anvertraut haben“, ehe die Schülersprecherinnen Marie Book und Hannah Zumbrägel dem „Chef“ oder „PP“ das größte Kompliment machten, das Schüler ihrem Lehrer machen können: „Sie kannten jeden Schüler beim Namen, machten Super-Unterricht und waren irgendwie immer einer von uns!“

Ehe Pater Peter zum geselligen Ausklang seines Ehrentages einlud, dankte er vielen Wegbegleitern an der Schule, in der Region und in den Schulorganisationen sowie „allen, die mich getragen und ertragen haben“. Sein Dank galt auch allen Organisatoren des Tages, den Moderatoren Lorena Roeb und Benedikt Schander sowie den Lehrern und Schülern, die den Festakt mit schöner Musik auflockerten.

Seinem Nachfolger Dr. Cordes und dessen Vertreter Dirk Sieven wünschte er, „dass es Euch gelingen möge, an dieser Schule die Fackel des Glaubens weiterzureichen — ganz nach dem Vorbild des kleinen Mannes aus Assisi“.

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