Einruhr: Parkplatz „Schöne Aussicht“ an der B266 für Biker gesperrt

Einruhr: Parkplatz „Schöne Aussicht“ an der B266 für Biker gesperrt

Eine gewisse Anspannung ist spürbar. Kaum, dass der erste zarte Hauch von Frühling die Eifel umsäuselt, haben die Ersten auch schon wieder Motorradlärm in den Ohren. Die neue Motorradsaison ist nicht mehr fern, und in der öffentlichen Wahrnehmung ist das Thema wieder schlagartig präsent, seitdem die sogenannte Panoramastraße zwischen Schmidt jetzt in den Blickpunkt rückte.

Der Kreis Düren hatte in Erwägung gezogen, die kurvenreiche und bei Bikern beliebte Strecke zu sperren, war aber dann nach eigehender juristischer Prüfung zum Entschluss gekommen, von einer solchen rigorosen Maßnahme Abstand zu nehmen. Bei der Strecke handelt es sich um einen Unfallschwerpunkt, und die Anwohner sind vom Lärm geplagt. Als alternative Maßnahme setzt der Kreis Düren ab April auf scharfe Kontrollen und Kommunikation. Die Bürgerinitiative aus Vossenack, die das Thema angestoßen hatte, ist einigermaßen beruhigt, und die Biker können ihre Internetpetition gegen eine Sperrung zu den Akten legen.

Wälle als Sichtbarrieren: Früher konnten Biker vom Parkplatz aus den Fahrkünsten ihrer Kollegen zusehen. Diese Nutzung ist schon seit einiger Zeit nicht mehr möglich. Foto: P. Stollenwerk

Massiver Bürgerprotest

Kaum, dass die Panoramastraße aus den Schlagzeilen verschwunden ist, richtet sich der Blick nun wieder Richtung Rursee, wo auch im Sommer 2018 das Thema Motorradfahren wieder Fahrt aufnehmen dürfte. Schon wieder im Fokus steht der Parkplatz „Schöne Aussicht“ an der B266 oberhalb von Einruhr. Auf diesem Parkplatz hatte es im vorigen Sommer zwei Zusammenkünfte von lärmgeplagten Bürgern gegeben, die ihrem Ärger über die anhaltende Belästigung von Bikern Luft machten und zudem Klage darüber führten, dass der Parkplatz zu einem Treffpunkt für Biker geworden war, der vor allem dazu genutzt werde, von hier im Scheitelpunkt der Kurve die Fahrkünste von Biker-Kollegen zu begutachten.

Der massive Bürgerprotest verfehlte seine Wirkung nicht, und die Aufenthaltsqualität des Platzes wurde durch einen Splitbelag herabgesetzt. Außerdem wurden zwei hohe Erdwälle zur Straßenseite hin aufgeschüttert und begrünt, die als massive Sichtbehinderung nicht gerade dazu auffordern, den Parkplatz anzusteuern, was dann auch für Pkw gleichermaßen der Fall ist. Damit aber nicht genug: Seit einigen Tagen befindet sich zwischen den beiden Erdwällen auch noch das Verbotsschild Nummer 255, das allen Krafträdern, Beiwagen, Kleinkrafträdern und Mofas die Zufahrt auf den Parkplatz untersagt.

Es wurde also nicht nur die Aufenthaltsqualität herabgesetzt, was den Bikern ja noch eine Entscheidungsmöglichkeit, ob sie den Platz trotz Split und Sichtbarriere benutzen oder nicht, offen gelassen hätte; ihnen wurde nun durch das Verbotsschild die Nutzung des Platzes generell untersagt.

Die Diskussion ließ nicht lange auf sich warten: Wolfgang Schruff aus Roetgen, selbst Motorradfahrer, stellt sich die Frage, ob es sein könne, „dass unsere Verkehrsplaner und eventuell auch einige Anwohner etwas über das Ziel hinausschießen“.

Als „gemäßigter Motorradfahrer“ einer BMW GS 1200, „die leiser ist als manches Auto“, müsse er nach all den Diskussionen der letzten Jahre feststellen, „dass mittlerweile alle Motorradfahrer in einen Sack geworfen werden. Dann steigen auch in mir langsam die Emotionen hoch“. Wolfgang Schruff weiter: „Glauben denn die betroffenen Anwohner, die ich durchaus verstehe, im Ernst daran, dass das Problem des Rennenfahrens mit der Schließung des Parkplatzes erledigt ist?“

Es existierten auf der „Rennrunde“ Kesternich-Rurberg-Kesternich noch sechs weitere Möglichkeiten, zu parken, anzuhalten und ein Rennen zu starten. Als den „größten Blödsinn“ bezeichnet Schruff die Rüttelstreifen zwischen dem Russenfriedhof und der Jugendherberge auf der L 166. „Je schneller die Rüttelstreifen überfahren werden, umso weniger merkt man sie“, ist seine Erfahrung.

Problem nur verlagert

Die Maßnahmen auf der Panoramastraße zwischen Vossenack und Schmidt seien seiner Meinung nach „das Sinnvollste, was den Entscheidungsträgern einfallen konnte“. Konsequente Überwachung, Geschwindigkeitskontrolle mit Foto von vorne und hinten, wie in Rollesbroich, und Kontrollen von Originalteilen und illegal angebrachten Auspuffanlagen seien der richtige Weg. „Wenn das so durchgeführt wird, wird sich schon die Spreu vom Weizen trennen“, aber dennoch ist Wolfgang Schruff davon überzeugt, dass sich die Problematik des Motorradlärms „in der Eifel nur verlagern und sich mit Sicherheit niemals erledigen wird“.

Als „echte Ausgrenzung“ empfindet er die am Parkplatz „Schöne Aussicht“ vorgenommene Beschilderung. Wolfgang Schruff: „Auch Motorradfahrer haben ein Recht darauf, eine Pause zu machen.“

Es wurden auch Stimmen laut, dass ein Verbotsschild ausschließlich für motorisierte Zweiräder rechtlich nicht zulässig sei. Anordnungsbehörde für die Beschilderung ist das Fachamt für Immobilienmanagement und Verkehr der Städteregion Aachen. „Auf ausdrücklichen Wunsch der Gemeinde Simmerath“, sagt Städteregionssprecher Detlef Funken, sei das Schild 255 in Absprache mit dem Landesbetrieb Straßenbau und der Polizei aufgestellt worden. Es solle der Erhöhung der Verkehrssicherheit und der nachhaltigen Bekämpfung des Motorradlärms dienen, laute die Begründung.

Proteste auch in Hammer

Aber auch Autofahrer, die künftig zwischen beiden Erdwällen hindurch den Parkplatz ansteuern, finden hier nur noch eine eingeschränkte Aufenthaltsqualität vor. Die Sitzgruppe auf dem Parkplatz wurde gewaltsam zerstört (Biker vermuten, dass dieser Akt auf das Konto von genervten Bürgern geht), und wer künftig als Autofahrer den Parkplatz verlässt, darf nur noch nach rechts in Richtung Kesternich abbiegen.

Markus Kleinhuber von der Bürgerinitiative Einruhr sieht mit Zufriedenheit, dass die letztjährigen Protestaktionen sichtbare Ergebnisse erzielt hätten. Man stehe auch weiterhin in Kontakt mit der Vossenacker Bürgerinitiative.

Nachdem man im vorigen Jahr bereits Bürger aus Kesternich und Dedenborn für die Unterstützung bei der Bekämpfung des Motorradlärms im Rurtal gewonnen habe, wollten sich jetzt auch Bürger aus Hammer der Initiative anschließen. „Hier entsteht auch gerade eine Bewegung gegen Raser.“ Bei allem Protest, der von der Basis ausgeht, sieht Kleinhuber aber in erster Linie die Politiker gefordert: „Auf politischer Ebene muss eine Resolution erfolgen mit dem Ziel, die gesetzlichen Regelungen bei den Lärmgrenzen und der Kennzeichenerfassung von vorne zu verändern.“

Am Wochenende treffe sich die Bürgerinitiative in Einruhr, um das weitere Vorgehen in diesem Jahr zu besprechen.

(P. St.)