Roetgen: Ortskern rückt ins Zentrum der Entwicklungspläne

Roetgen : Ortskern rückt ins Zentrum der Entwicklungspläne

Die Frage, wie sich die Gemeinde entwickeln soll, ist zurzeit das bestimmende Thema der Roetgener Politik. Dabei geht es auch um ein sogenanntes „Dorfinnenentwicklungskonzept“ (DIEK) für den Ortskern. Der Bauausschuss der Gemeinde hat nun einstimmig beschlossen, die Fördermöglichkeit für ein solches Konzept zu erörtern und gegebenenfalls einen Förderantrag zu stellen.

Im Zuge der Diskussion um die Entwicklung des Ortes rücke auch der Ortskern in den Fokus, erklärte Bürgermeister Jorma Klauss in der Sitzung des Bauausschusses. Auch der Umzug der Sparkasse an die Bundesstraße verdeutliche die Notwendigkeit. Bei der Frage, wie die Aufenthaltsqualität im Ortskern erhalten und gefördert werden könne, brauche man eine Expertise von außen. Die Antwort müsse dabei nicht zwingend auf bauliche Maßnahmen hinauslaufen. Bauamtsleiter Dirk Meyer zeigte sich zuversichtlich, dass es gelingen werde, die Bezirksregierung von der Notwendigkeit eines Konzepts für den Ortskern zu überzeugen.

Bernhard Müller (Grüne) sicherte die Unterstützung seiner Fraktion zu. Die Gemeinde müsse sich etwas Neues einfallen lassen und zügig ein entsprechendes Konzept entwickeln. „Wenn wir nicht aufpassen, haben wir in wenigen Jahren keinen Ortskern mehr“, sagte Müller.

Wer soll der Gutachter sein?

Michael Seidel (CDU) erklärte, dass der Schwerpunkt nicht auf einer Verschönerung und Gestaltung des Ortskerns liegen müsse. Es gelte, die notwendigen Maßnahmen konzeptionell zu erarbeiten. Dabei spiele auch die Auswahl des Gutachters, der das Konzept erstellen soll, eine wichtige Rolle. „Die Leerstände sind da“, betonte Seidel.

Mario Johnen (SPD) brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, Maßnahmen zu finden, die den Ortskern attraktiver machen. Bernd Freialdenhoven (SPD) wies daraufhin, dass dem Ortskern eine entsprechende Anbindung fehle. Der Autoverkehr fließe auf der Bundesstraße vorbei, und auch der Ravelradweg berühre den Ortskern nicht. Die Maßnahmen für den Ortskern dürften aber nicht allein gesehen werden, deshalb hoffe er, dass die Fertigstellung des Edeka-Marktes an der Rosentalstraße zur Attraktivitätssteigerung auch in diesem Bereich beitrage.

Silvia Bourceau (UWG) wollte zunächst geklärt wissen, wie der Ortskern definiert sei und wo seine Grenzen lägen. Die Erkenntnis, das im Ortskern etwas geschehen müsse, käme nicht plötzlich, sagte sie und erinnerte an ein früheres Gutachten, das vor einer solchen Entwicklung gewarnt habe. Es sei schwer, gegen die Verlagerung des Handels an die Bundesstraße anzukämpfen, da es sich um einen Wirtschaftsfaktor handele. „Wir müssen zügig handeln, sonst entwickelt sich der Ortskern von selbst — die Frage ist, wohin“, hob Bourceau hervor.

Auch eine soziale Frage

„Es geht nicht um die Frage, wie neue Geschäfte im Ortskern angesiedelt werden können, sondern darum, was der Ortskern für den Ort bedeuten soll“, fasste Bernhard Müller zusammen. Es gehe um die Frage, „wie wir hier leben wollen“. Dabei sei die Gestaltungsfrage zweitrangig.

Es gehe auch um eine soziale Frage, sagte Bürgermeister Jorma Klauss, um das Zusammenleben und den Ortskern als Ort der Begegnung. „Es reicht nicht, drei Parkbänke aufzustellen und darauf zu hoffen, dass es das Gewerbe in den Ortskern zieht“, betonte Klauss.

(ag)
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