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Nordeifel: Orgelmarathon macht Station in der Eifel

Nordeifel : Orgelmarathon macht Station in der Eifel

In einer bemerkenswerten Koinzidenz zum Monschau Marathon streifte ein kulturelles Ereignis das Monschauer Land, das sich ebenfalls einem gewissermaßen sportlichen Anspruch stellte. Der Orgelmarathon (so nannte es sich tatsächlich) ist eine Initiative des Vereins Kirchenklang aus Thüringen.

Die Idee dabei ist, das kulturelle und spirituelle Erbe der europäischen Orgelmusik, die den Menschen immer wieder in einer besonderen Tiefe berührt, auch außerhalb kirchlicher Strukturen zu erhalten und zu fördern.

Absichtlich werden dazu auch „eventartige“ Veranstaltungsformen benutzt. Der Orgelmarathon, der am Mittwoch im Aachener Dom begann und fünf Tage hindurch 32 Orgeln im Bereich der deutschen und belgischen Nordeifel besuchte, war ein solches und zwar besonders erfolgreiches Event.

Man kann dem Organisten, der alle diese 32 Orgeln bespielte, nur große Bewunderung zollen. Es handelte sich um den Kantor der Dresdner Frauenkirche, Matthias Grünert. Die 32 jeweils halbstündigen kleinen Orgelkonzerte enthielten insgesamt ein in seiner Vielfalt und in dieser Dichte beinahe unfassbares Repertoire. Schwerpunkte waren zweifellos die Werke von Johann Sebastian Bach. Daneben fielen vor allem vier der großen Orgelsonaten des Spätromantikers Josef Gabriel Rheinberger auf.

Aukirche und St. Hubertus

Die beiden Konzerte in der Aukirche in Monschau sowie in der St.-Hubertus-Pfarrkirche in Roetgen waren allein schon wegen der ungewöhnlichen Publikumsresonanz ein Ereignis. Man sah Besucher aus nah und fern. Die Aukirche war am Freitagvormittag nahezu ganz gefüllt; anschließend platzte die Pfarrkirche in Roetgen gleichsam aus allen Nähten.

Dabei fiel das Monschauer Konzert durch eine Reihe aparter Stücke recht unbekannter Komponisten wie etwa Pedro Carrera y Lanchares oder Antonio Diana auf. Die lebendige und in der Registrierung abwechslungsreiche Darbietung durch Matthias Grünert ließ das Interesse der Zuhörer an diesen unvertrauten Werken keinen Moment erlahmen.

Das Konzert in Roetgen war dagegen ganz Werken von Bach, vor allem einigen Orgelchorälen aus der Neumeister-Sammlung vorbehalten. Ob es daran lag, dass auch dem Organisten diese Stücke vielleicht doch mehr am Herzen lagen? Jedenfalls schien selbst der Orgelklang im Roetgener Kirchenraum harmonischer und runder als zuvor in Monschau. Im Rückblick hatte man fast das Gefühl, dass Matthias Grünert mit der Monschauer Orgel ein wenig „gefremdelt“ hatte.

Freilich muß man der Leistung des Organisten im Ganzen unbedingt Respekt entgegenbringen, zumal wenn man bedenkt, dass er die meisten der 32 Orgeln auf dieser Tour wohl zum ersten Mal vor sich hatte. Für die Wertschätzung der Orgelmusik und somit der Königin der Instrumente selbst sind Unternehmungen wie der Orgelmarathon von unschätzbarem Wert, gerade wenn man die bemerkenswerte Resonanz in Rechnung stellt. Man kann dann leicht darüber hinwegsehen, dass der sportliche Ehrgeiz, der sich in dem Titel ausspricht, dem spirituellen Hintergrund dieser Musik nicht unbedingt gerecht wird.