Ordensschwester Mariam Thresia in Rom heilig gesprochen

Ordensschwester Mariam Thresia gesprochen : Der Glanz dieser Heiligen strahlt bis Monschau

Die indischen Schwestern von der Ordensgemeinschaft der Holy Famliy, die im Monschauer Seniorenzentrum Maria-Hilf-Stift unterhalb der Burg rund 100 Bewohner pflegen und betreuen, sind in diesen Tagen tief bewegt, hocherfreut und in geradezu festlicher Stimmung.

Am 13. Oktober hat Papst Franziskus die Ordensschwester Mariam Thresia, die Gründerin der Kongregation der Schwestern von der Heiligen Familie, in Rom heiliggesprochen.

Eine fast 40-köpfige Delegation aus Monschau brach in die ewige Stadt auf, um auf dem Petersplatz Zeuge der feierlichen und würdevollen Zeremonie zu sein. „Die Heiligsprechung unserer Ordensgründerin durch den Heiligen Vater ist für alle Schwestern der Kongregation ein großes Geschenk“, sagt Schwester Anjana, die Oberin im Maria-Hilf-Stift, nach ihrer Rückkehr.

Das Leben und Wirken von Mariam Thresia sei für die Schwestern täglich eine neue Motivation für den Dienst am Mitmenschen. Die Ordensgründerin habe ihr Leben dem Familienapostolat geweiht, „und diesem Weg folgen wir“, beteuert die Oberin, und man spürt, wie der Glanz der heiligen Mariam Thresia nun auch über Monschau strahlt.

Der kurze Wochenendtrip nach Rom, den Frank Schade, der Geschäftsführer des Stifts, minutiös und strategisch geplant hatte, war trotz des engen zeitlichen Korridors für die Gäste aus der Eifel geprägt von einem intensiven Erleben und geistlicher Berührung. „Es war sehr harmonisch, und niemand ist verlorengegangen“, erzählt Schade, den „die warmherzige und sanfte Sprache“ des Papstes bei der Feier besonders nachhaltig ergriffen hat.

Auch eine Delegation aus Monschau wohnte auf dem Petersplatz in Rom der Heiligsprechung der Ordensgründerin der Holy Family, Mariam Thresia, bei. Foto: Maria Hilf-Stift

Während der Zeremonie fanden insgesamt fünf Heiligsprechungen statt. Die Seligsprechung der Ordensgründerin Mariam Thresia war bereits im Jahr 2000 erfolgt. 38 Personen aus der Eifel machten sich am Vortag der Heiligsprechung auf den Weg nach Rom. Die 21 Schwestern aus dem Maria-Hilf-Stift bildeten den Kern der Delegation.

Der Besuch musste auf nur zwei Tage beschränkt werden, da die Schwestern im Stift gebraucht wurden. Mitglieder des Kuratoriums, Mitarbeiter des Hauses, dem Haus besonders verbundene Menschen sowie Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter vervollständigten die Gruppe, die nach der Landung vom Flughafen aus schnurstracks zur Basilika Santa Maria Maggiore fuhr.

In Roms größter Kirche fand eine imposante Andacht der Kongregation der Schwestern von der Heiligen Familie statt. Weit über 1000 Besucher füllten das großartige Gotteshaus, darunter 50 Bischöfe aus Indien und eine Vielzahl von indischen Ordensschwestern aus der ganzen Welt, die zu diesem außergewöhnlichen Anlass in Rom auch ein großes Fest des Wiedersehens feiern konnten.

Ein besonderer Moment: In der Basilika Santa Maria Maggiore durfte Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter eine Fürbitte vortragen. Foto: Maria-Hilf-Stift

Einen intensiven und feierlichen Moment erlebte beim Gottesdienst, der in englischer und indischer Sprache abgehalten wurde, auch Margareta Ritter, die als Vertreterin der Monschauer Delegation auf Deutsch eine Fürbitte vorlas: „Gütiger Gott, wir danken dir von Herzen, dass du die seligen John Henry Newmann, Giusppina Vannini, Dulce Lopes Pontes, Margaerite Blaeys und Mariam Thresia mit dem göttlichen Glanz erleuchtet hast und sie in der Schar der Heiligen aufnehmen wirst. Wir bitten um ihre Fürsprache, gib uns allen die Kraft, unseren Glauben zu leben und auf Gott zu vertrauen, damit wir, wie die neuen Heiligen deine Liebe zu den Menschen sichtbar und erfahrbar machen“, hieß es in der Fürbitte.

Nach der Vigil hatte die Monschauer Gruppe aber nicht viel Zeit, um die Emotionen nachwirken zu lassen, denn es stand noch ein Besuch der Klinik St. Lucia auf dem Programm, ein unter der Leitung der Holy Family stehendes Reha-Zentrum in Rom. Erst am späten Abend checkte die Gruppe im zentrumsnahen Hotel ein, und so fiel der Abstecher ins noch von sommerlicher Atmosphäre geprägte römische Nachtleben eher zurückhaltend aus, erst recht, da bereits am Sonntag um sieben Uhr das Programm am großen Tag der Heiligsprechung seine Fortsetzung fand.

Nach zeitraubenden Sicherheitskontrollen stand die Gruppe aus der Eifel dann pünktlich zu Beginn der Zeremonie inmitten von über 50.000 Menschen auf dem Petersplatz. Einige wenige Vertreter der Monschauer Delegation durften dabei in der Nähe des Altars Platz nehmen, nur gut 30 Meter vom Heilgen Vater getrennt. „Das war schon ein ganz besonders Gefühl, dem Papst so nahe zu sein“, sagt Heinrich Jansen, der Kuratoriumsvorsitzende des Maria-Hilf-Stifts.

Die Oberin im Maria Hilf-Stift, Schwester Anjana (r.), und ihre Stellvertreterin, Schwester Anitha, erfüllt die Heiligsprechung ihrer Ordensgründerin mit Stolz. Die Ordensfrauen sind seit 19 bzw. 34 Jahren in Monschau. Foto: Peter Stollenwerk

Doch damit nicht genug: Ganz in der Nähe hatte auch Prinz Charles Platz genommen, der als Vertreter des britischen Königshauses der Heiligsprechung des Kirchenlehrers und Kardinals John Henry Newmann beiwohnte.

Abschließender Höhepunkt der Zeremonie war dann eine ausgedehnte Fahrt des Papstes mit dem Papamobil durch die Reihen der Gläubigen auf dem Petersplatz. Eine Stadtrundfahrt zu den Sehenswürdigkeiten des historischen und mit Touristen überfüllten Roms bildete den Abschluss der Reise, ehe die Gruppe spätabends wieder in Monschau ankam.

Die Schwestern der Ordensgemeinschaft in Monschau hoffen, dass die Heiligsprechung ihrer Ordensgründerin nachhaltige Wirkung zeigt, vor allem im Gründungshaus im indischen Kerala, wo der christlich geprägte Orden eine Minderheit darstellt und sich ständiger Verfolgung ausgesetzt sieht.

Im Monschauer Seniorenstift ist der Orden der Holy Family seit 1973 tätig. Der damalige Monschauer Oberpfarrer Caspar Seeger stellte den Kontakt her und konnte die Ordensgemeinschaft für Monschau gewinnen.

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