Aachen: Nur als Politiker gibt er die Zügel aus der Hand

Aachen : Nur als Politiker gibt er die Zügel aus der Hand

Zu seinem ersten Reitturnier in der Soers hatte die Mutter Carl Meulenbergh einfach mitgenommen - in ihrem Bauch. Denn da war Mutter Meulenbergh eine schwangere Frau und ihren Sohn würde sie Carl nennen. 65 Jahre später ist Carl Meulenbergh Landrat und natürlich wieder beim CHIO zu Gast.

Aber was heißt hier Gast? Meulenbergh hat am Mittwoch zum letzten Mal als Landrat den „Preis des Kreises Aachen in memoriam Landrat Hermann-Josef Pütz” verliehen.

Im nächsten Jahr heißt der Preis des Kreises Aachen wohl Preis der Städteregion Aachen und der Landrat nicht mehr Carl Meulenbergh, weil es keinen Landrat mehr gibt, sondern einen Städteregionsrat, und Carl Meulenbergh nicht mehr gewählt werden will. „Ein bisschen Wehmut fühle ich dabei schon”, sagt Meulenbergh.

14 Jahre hat Carl Meulenbergh dann diesen Preis verliehen - an Ludger Beerbaum, McLain Ward und John Whitaker. In diesem Jahr an Pius Schwizer. Der Preis wird in Zukunft ohne den freundlichen Landrat auskommen, aber wer auch immer Städteregionsrat wird, er wird Meulenbergh an seiner Seite wissen. Denn der wird die Nachfolge von Klaus Pavel antreten und ALRV-Präsident. Noch ist er sein Vize.

Die Reiterei hat Carl Meulenbergh zweifellos in die Wiege gelegt bekommen. Im Bauch der Mutter war er schon beim Turnier, als kleiner Junge saß er auf der Reitertribüne, weil sein Vater bis 1956 beim CHIO geritten ist. Später drückte er Gerlinde Merten im Nationenpreis die Daumen - das Pferd gehörte den Meulenberghs.

Sein Leben war immer eng mit Pferden verbunden und wird es auch weiterhin bleiben - im ALRV und als stolzer Opa neben den Reitplätzen der Städteregion. Enkelin Katharina hat gerade ihre erste „Führzügelprüfung” abgelegt. „Für Nachwuchs ist also gesorgt”, sagt Meulenbergh stolz und zeigt ein paar Fotos der Vierjährigen.

Vier Enkel hat der Landrat. Wenn er nach dem 1. Oktober der letzte Landrat des Kreises Aachen sein wird, dann sind es fünf. Da muss er sich nach 38 Jahren Politik keine Sorgen machen, er könnte fortan zu viel Freizeit haben. Seine Frau, die Enkel, Tennis, Golf, die Jagd, Ehrenämter und der ALRV: „Ich freue mich auf diese Zeit”, sagt er.

Seit 1995 ist er Mitglied im Beirat des ALRV, war stellvertretender Beiratsvorsitzender und wurde doch überrascht von Klaus Pavels Anfrage, ob er nicht sein Nachfolger werden wolle. Meulenbergh wollte, auch wenn er dies so nie geplant hatte.

Seit zwei Jahren ist er ALRV-Vize-Präsident, hat erlebt, „welch hervorragende Arbeit Präsidium und Geschäftsführer leisten”. Die Verantwortung ist groß. „Ich will erhalten, was positiv läuft. Wir wollen mit dieser Qualität werben. Es wäre überheblich zu sagen, mir fällt viel Neues ein”, sagt er. Aber überheblich ist er nicht.

Im Gegenteil. Meulenbergh wirkt geradezu kindlich begeistert, wenn er von Pferden spricht. Gerne würde er einmal selbst in die Arena einreiten. „Das traue ich mir noch zu”, sagt er mit leuchtenden Augen. Doch wer die Preise der Sieger übergibt, läuft oder fährt mit einer Kutsche ein. Und das hat Carl Meulenbergh zuletzt als Landrat erlebt.

Im nächsten Jahr wird er diesen Preis als ALRV-Präsident verleihen - und dazu den Großen Preis von Aachen, den Nationenpreis und was den CHIO sonst noch so hochklassig macht. „Auf dem Platz stehen zu dürfen, ist ein wunderbares Gefühl”, sagt er. Und diese Worte können auch die Wehmut besiegen.

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