Nordeifel ist aufgrund von Blauzungenkrankheit Sperrgebiet

Blauzungenkrankheit : Landwirte in der Nordeifel sind noch entspannt

Mit Kühen verdient Bruno Horrichs aus Mützenich seinen Lebensunterhalt. Rund 160 Tiere hält der Milchbauer auf seinem Hof. Doch vor wenigen Tagen wurde die Stadt Monschau, wie der Rest der Städteregion Aachen, vom Veterinäramt zum Sperrgebiet erklärt.

Der Grund: die Blauzungenkrankheit, die sich unter Wiederkäuern (Kühe, Schafe und Ziegen) ausbreitet. In einem Rinderbestand im Landkreis Tier-Saarburg wurde diese Infektionskrankheit nachgewiesen. Ganz Rheinland-Pfalz und Teile der Bundesländer Hessen und NRW wurden zum „Restriktionsgebiet“ erklärt. „Die Krankheit wird von stechenden Insekten übertragen, im Moment ist es kalt, da findet quasi keine Verbreitung statt“, sagt Horrichs, und wirkt dabei relativ entspannt. Im Frühjahr würde sich zeigen, wie stark sich die Seuche in der Gegend ausbreite.

„Das Wichtigste ist erst einmal, dass die Blauzungenkrankheit für den Menschen überhaupt nicht gefährlich ist“, sagt der Landwirt, der rund 160 Kühe und Jungrinder auf seinem Hof hält. Und die Tiere könne man schützen, indem man sie impft. Finanziell unterstützt wird die Immunisierung von der Tierseuchenkasse.

4 bis 5 Euro plus Tierarztkosten bleiben dann noch übrig, die der Bauer pro Impfdurchgang einplanen muss. Zweimal muss dieser getätigt werden. Danach müssen einige Wochen vergehen, ehe die Rinder immun sind. Die Impfung ist freiwillig. „Doch momentan ist es sehr schwierig, an den Impfstoff zu gelangen, da die Nachfrage so groß ist und er erst noch nachproduziert werden muss“, erklärt Wilfried Jansen, Kreisvorsitzender der Kreisbauernschaft Aachen.

Vor rund zehn Jahren brach die Seuche in der Nordeifel schon einmal aus. Deswegen verlor Horrichs 2008 zwei Kälber. „Rinder sterben daran normalerweise nicht unbedingt“, sagt er. Je nachdem, in welcher Phase der Trächtigkeit die Impfung erfolge, und je nachdem, wie weit der Embryo da schon entwickelt sei, könne sich das Neugeborene bereits angesteckt haben, erklärt er. Doch ausgewachsene Tiere ohne Vorerkrankungen erholten sich in der Regel davon.

Neben der blauen Zunge, die der Krankheit ihren Namen verleiht, würden die Tiere, die infiziert sind, meist weniger Appetit zeigen und sich zurückhaltender verhalten. Diese Symptome sind auch seinem Kollegen Dieter Esser vom Vennhof zwischen Mützenich und Kalterherberg damals aufgefallen. „Im Prinzip kann man die Krankheit mit einer Art Grippe beim Menschen vergleichen“, sagt er. Die Tiere bekämen Fieber, fühlten sich schlapp und seien weniger leistungsfähig, würden somit also weniger Milch produzieren. „Bisher ist die Seuche aber ja noch nicht akut und verläuft bei uns in der Gegend relativ unspektakulär. Nur die Vermarktung der Tiere gestaltet sich nun schwierig“, sagt der Landwirt, der rund 100 Kühe plus weibliche Nachzucht hält.

Beispielsweise werden im Normalfall männliche Kälber wenige Wochen nach der Geburt verkauft. Aufgrund der aktuellen Restriktionen müssen die Tiere jedoch einen vollständigen Immunschutz aufweisen. Dieser ist erst nach rund drei Monaten gegeben. „Die Kälbermäster nehmen die Kälber aber nur bis zu einem Alter von 35 Tagen“, erklärt Esser.

Es gebe zwar eine Alternative, die sei aber so kostspielig, dass sich dieser Weg kaum lohne. Das Blut der Tiere müsste dann auf den Erreger getestet werden. „Erst mal bleibt da nur, die Kälber selbst einige Wochen aufzuziehen. Und dann muss man sehen, dass man sie schnellmöglich auf den Handel bekommt“, meint Horrichs dazu.

Geschlachtet werden dürfen Rinder auch ohne Impfschutz. Da das Virus für den Menschen ungefährlich ist, können Fleisch und Milch ohne Bedenken für die Gesundheit verzehrt werden. Im Falle einer Erkrankung der Tiere greife laut Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion, die „Verordnung zum Schutz gegen die Blauzungenkrankheit“. Diese besage, dass das Veterinäramt die Merzung klinisch kranker Tiere anordnen muss. Merzung bedeutet das Gegenteil von Zucht. Die erkrankten Tiere werden somit daran gehindert, sich zu paaren und so Nachkommen zu zeugen.

Überrascht wurden die beiden Landwirte von dem Ausbruch der Krankheit nicht, dennoch machen sie sich durchaus Sorgen um ihre Tiere. „Vor vier Jahren ist die Seuche in Frankreich ausgebrochen. Da war eigentlich klar, dass sie früher oder später auch zu uns rüberkommen wird“, sagt Esser. Ob es in der Nordeifel akute Fälle geben werde, und wenn ja wann, das müsse man einfach abwarten, sagt er. Und sobald der Impfstoff wieder verfügbar sei, könne man ja vorbeugen.