Nordeifel: Niederländische Gülle auf Eifeler Feldern

Nordeifel: Niederländische Gülle auf Eifeler Feldern

Auf den Feldern der Eifel bringen die Landwirte zurzeit vermehrt Gülle auf, viele Wiesen erscheinen eher braun bis schwarz als grün. Das stinkt vielen Bürgern, insbesondere wenn die Gülle auch noch mit großen Tanklastwagen aus den Niederlanden herangekarrt wird.

Das war am Donnerstag auch auf den Feldern zwischen Rohren und Höfen zu beobachten. Niederländische Lkw brachten ihre stinkende Fracht direkt dorthin, und sogleich wurde sie auf den Wiesen verteilt.

Grundsätzlich nicht verboten

„Man darf nicht vom Nummernschild des Lkw auf die Herkunft der Gülle schließen“, sagt Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW. Es gebe auch niederländische Unternehmen, die in Deutschland arbeiten und deutsche Gülle transportieren würden. Viele Landwirte würden auf die Unterstützung niederländischer Lohnunternehmen zurückgreifen, da sie oft besser ausgerüstet seien, sagt Rüb. Außerdem gibt es in der Eifel Biolandwirte, die ihre Milch in die Niederlande verkaufen. Wenn ein niederländischer Tanklaster deren Höfe anfährt, holt er dort lediglich die Milch ab.

Fakt ist aber auch, dass Gülle aus den Niederlanden in beachtlichem Umfang nach NRW gelangt. „Das ist nicht verboten und nicht grundsätzlich verkehrt“, sagt Rüb. Viele Betriebe in NRW hätten keine Tiere mehr, die Böden bräuchten aber auch organische Substanzen, um fruchtbar zu bleiben. Daher komme es auf die Menge, den Zeitpunkt und die Kultur an, auf die die Gülle aufgebracht wird. Gesetzlich vorgeschrieben sei, keine Gülle während der Sperrzeit, die in der Regel von November bis Ende Januar reicht, zu verteilen. Außerdem müssten die Pflanzen Nährstoffbedarf haben und der Boden dürfe nicht wassergesättigt sein, um die Gülle aufnehmen zu können, erläutert Rüb.

Da es im Februar und im März viel Regen gegeben habe und es damit zu nass für das Verteilen der Gülle gewesen sei, seien die Landwirte eben jetzt in kurzer Zeit recht aktiv. So könne ein Laie den Eindruck bekommen, dass nun mehr Gülle auf den Feldern aufgetragen werde. Da die Fässer auch immer größer würden, verstärke sich dieser Eindruck noch. Es sei aber wirtschaftlicher, mit einem großen statt mit zwei kleinen Fässern zu arbeiten, sagt Rüb.

Er verweist auf die Internetseite www.guelle-nrw.de, wo die Landwirtschaftskammer Informationen zum Thema bereitstellt. Dort könne man auch Beobachtungen und Beschwerden melden. Dies solle aber möglichst konkret, zeitnah und nicht anonym erfolgen. „Die Eifel ist nicht das Zentrum des Gülletourismus“, hält Rüb abschließend fest.

Thema im Umweltausschuss

Das Thema Gülle wurde von besorgten Bürgern im Februar auch im Rahmen eines Informationsabends der Monschauer Bürgermeisterin in Höfen angesprochen. Margareta Ritter erklärte nun auf Anfrage, dass das Thema aufgrund des öffentlichen Interesses im Umweltausschuss der Stadt Monschau behandelt werden soll. Dazu soll auch ein Vertreter der Landwirtschaftskammer eingeladen werden, um die Vorschriften und Regularien zu erläutern.

Dabei gehe es nicht darum, die Landwirte zu kriminalisieren, sondern zu informieren und die Anregungen und Beobachtungen von Bürgern zu thematisieren. „Hier fehlen Informationen und Vertrauen“, sagte Ritter. Regelmäßig gebe es Anfragen von Bürgern. „Sie häufen sich“, sagte Ritter. Die Bürger würden sich beispielsweise wegen möglicher medikamentöser Rückstände im Dünger sorgen und sich fragen, ob genügend kontrolliert werde.

„Die Bedenken sind nachvollziehbar, bestätigen können wir sie aber nicht. Wir wissen nicht, ob Gülle und Gärsubstrate belastet sind“, sagt der stellvertretende kaufmännische Betriebsleiter des Wasserwerks Perlenbach, Frank Stollenwerk. Er ist auch Geschäftsführer einer Kooperation des Wasserwerks und der Landwirte. Bisher seien keine Auswirkungen im Einzugsbereich der Perlenbachtalsperre nachweisbar, sagt Stollenwerk.

In den vergangenen Jahren sei durch die Kooperation mit den Landwirten der Nitratwert sogar von sechs Milligramm pro Liter auf vier Milligramm pro Liter gesunken, erklärt Stollenwerk. In der EU gilt für Grund- und Trinkwasser ein Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt eine Grenze von 20 Milligramm pro Liter. Das sei ein Zeichen für die sogenannte gute landwirtschaftliche Praxis, die besagt, dass nur so viel gedüngt wird, wie der Boden aufnehmen kann und die Pflanze zum Wachstum benötigt, erläutert Stollenwerk.

Zu der Kooperationsvereinbarung mit den Landwirten gehört unter anderem, dass dem Wasserwerk mitgeteilt wird, welche Art von Dünger wann und wo verteilt wird. „Es ist uns bekannt, dass am Donnerstag Gülle aus den Niederlanden ausgebracht wurde“, sagt Stollenwerk. Mitarbeiter des Wasserwerks seien unterwegs gewesen, um die Sache in Augenschein zu nehmen.

„Wir sehen es nicht gerne, wenn Gülle und Gärsubstrate, die nicht von Landwirten aus dem Versorgungsgebiet stammen, auf landwirtschaftliche Flächen im Einzugsgebiet ausgebracht werden; verhindern können wir es aber nicht“, sagt Stollenwerk. Hier würden die Landwirte meist Rinder, Milchkühe, Schafe oder Pferde halten, auch gebe es in der Regel keine Massentierhaltung. Daher sei die Gülle von hiesigen Betrieben weniger belastend als solche aus der Massenhaltung von Schweinen oder Hühnern. Man beobachte, kontrolliere und protokolliere und die Zuläufe der Perlenbachtalsperre würden ohnehin ständig geprüft.

Wichtig sei aber vor allem das Miteinander mit den Landwirten, sagt Stollenwerk. In die Kooperation seien rund 30 Landwirte eingebunden und damit 95 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen im Einzugsgebiet der Talsperre abgedeckt.

40 Prozent des Wassers belastet

In vielen Teilen von NRW ist die Qualität des Grundwassers aber längst nicht so gut wie hier in der Eifel. Rund 40 Prozent des Grundwassers sind durch Gülle und Mineraldünger so stark mit Nitrat belastet, dass Trinkwasser nur nach einer Aufbereitung genutzt werden kann. Die höchsten Nitratwerte finden sich im Münsterland, am Niederrhein, in Teilen Ostwestfalens und in den Kreisen Düren und Heinsberg.