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Imgenbroich: Nichts ging mehr im „real”-Markt

Imgenbroich : Nichts ging mehr im „real”-Markt

Ab 16 Uhr ging nichts mehr: Ein Computerdefekt hat am Montagnachmittag für einen mehrstündigen Totalausfall des Kassensystems im größten Einzelhandelsmarkt der Nordeifel, dem „real”-Markt in Imgenbroich gesorgt.

Bis zum Ladenschluss um 20 Uhr konnte der Fehler nicht behoben werden, so dass mehrere Hundert Kunden, teils nach längerer Wartezeit, den Einkaufsmarkt unverrichteter Dinge wieder verlassen mussten.

Nachtschicht bis 5 Uhr früh

Etliche der Einkäufer, die sich zu dieser Haupteinkaufszeit im Markt befanden, hatten bis kurz vor 20 Uhr gehofft, der Schaden könne rechtzeitig wieder behoben werden. Der Computer-Crash aber wurde für die Marktleitung und einige Angestellte schließlich zur „Nachtschicht”: Erst gegen 5 Uhr am Dienstag früh war das Kassensystem wieder flott.

„So etwas habe ich auch noch nicht erlebt”, so am Dienstag Peter Trumm, Geschäftsführer der Imgenbroicher „real”-Filiale. „Beim Jahreswechsel 1999/2000 hatten wir alle mit dem Schlimmsten gerechnet, aber der Ausfall am Montag kam wie aus heiterem Himmel, so Ralf Lenzen, der stellvertretende Geschäftsführer, der sich zum Zeitpunkt des Systemausfalls nicht mehr im Markt befand.

Fehler auf der Festplatte

Mit dem berüchtigten Millenium-Fehler im Computer hatte der „Crash” am Montag jedoch nichts zu tun. „Es war ein Fehler auf der Festplatte des Hauptrechners”, so Peter Trumm, als er am Dienstag Mittag nach recht kurzer „Nacht” zum Dienst kam.

Das Tückische am Montag: Das System stützt sich auf drei Rechner, die bei Datenausfall aufeinander zugreifen und so Fehler überbrücken können. „Am Montag aber lief gar nichts mehr”, so Trumm, der zunächst versucht hatte, die Panne im Telefongespräch mit einer Hotline zu beheben.

Als aber absehbar war, dass der Fehler schwerwiegender sein musste, mussten die Experten des Hardware-Lieferanten IBM sowie der Organisationsabteilung von Metro beziehungswiese „real” aus Mönchengladbach anrücken.

Ewige Jagdgründe

Doch auch deren Arbeit erwies sich als langwierig: Sämtliche Daten des Kassensystems waren beim Absturz in die ewigen Jagdgründe entschwunden, so dass Programme und Dateien zunächst beim benachbarten „real”-Markt in Aachen kopiert und schließlich in Imgenbroich wieder auf die System übertragen werden mussten.

Während in der Führungszentrale des Marktes die Köpfe rauchten, herrschte auch im Laden noch lange nach Ladenschluss - gegen 19.30 Uhr hatte man den Eingang geschlossen - Hochbetrieb. An die 100 Einkaufswagen, mehr oder weniger gut gefüllt, hatten im Markt zurückbleiben müssen.

Die Marktleitung forderte eigens zehn Mitarbeiter der Verräumfirma an, um die vollbeladenen Einkaufswagen wieder auszuladen. Vor allem die frische Ware wie Wurst, Käse, Obst und Gemüse wanderte, teilweise schon gepackt und gewogen, in die Auslagen und Kühlräume zurück.

Namenszettel am Wagen

Anderen Kunden war es zu mühsam, den gesamten Einkauf noch einmal zu wiederholen: „So rund 30 bis 35 Kunden haben einfach einen Namenszettel an ihren Wagen gemacht und diesen dann Dienstag Morgen abgeholt”, so Peter Trumm am Dienstag.

Dennoch dürfte der Umsatzverlust durch den Computerfehler beträchtlich sein. Nicht nur, dass der erste Verkaufstag nach Erscheinen des Angebotsprospekts immer besonders umsatzträchig ist. Auch die Schulferien und das trübe Wetter ließen die Kunden am Montag in großen Scharen in den Markt strömen.

Wenig Beschwerden

Sehr erleichtert zeigte sich der Geschäftsführer über das Verhalten der Kunden: „Es hat sich kaum jemand beschwert, die Leute sind, natürlich auch dank unserer ständigen Durchsagen und des umsichtigen Personals, sehr ruhig geblieben, obwohl es natürlich für viele sehr ärgerlich war, unverrichteter Dinge wieder abrücken zu müssen.

Auch zu Zwischenfällen aufgrund des ebenfalls nicht funktionierenden Sicherheitssystems kam es nach Trumms Angaben nicht. „Es gab keine Plünderungen”, konnte der Geschäftsführer am Dienstag Mittag schon wieder lachen.

Sicherheitshalber fuhr die Polizei aber im Umfeld des Marktes verstärkt Streife.

Fluch und Segen der Technik

Am Dienstag liefen alle Systeme wieder fehlerfrei. Eine Sicherheit gegen solche „Super-GAUS” wird es auch künftig nicht geben, „das ist halt Fluch und Segen der Technik”, so Peter Trumm.

Gefreut haben dürfte der „Crash” beim „real” aber vor allem einige kleinere Lebensmittelmärkte in der Umgebung. „Beim Real steht alles still, weil die Technik nicht mehr will”, lief ein Ladenbetreiber in der Nähe gar zu dichterischer Hochform auf und rieb sich angesichts ungewöhnlich vieler Kunden die Hände...