Wollseifen: Neue Ruhestätte für die alten Gebeine

Wollseifen: Neue Ruhestätte für die alten Gebeine

Wohl nie vergessen werden die Wollseifener ihre Umsiedlung nach dem Zweiten Weltkrieg. Diese ist allerdings auch heute noch nicht gänzlich vollendet. Am Sonntag werden Gebeine, die an der Kirche gefunden wurden, im Rahmen des Rochusfestes in Herhahn beerdigt. „In einem kleinen Sarg”, kündigt Karl Heup, Vorsitzender des 120 Mitglieder zählenden Traditionsvereins, an.

Ehrenvorsitzender Franz-Josef Sistig (81) berichtete, die Gebeine seien bei Erdarbeiten gefunden worden. Diese wurden wegen eines neuen Zugangs zur Kirche erforderlich, der auch in der Mobilität eingeschränkten Personen den Besuch des Gotteshauses ermöglichen soll. Die Gebeine stammen vom alten Friedhof an der Kirche, der 1928 geschlossen wurde.

Besuche an Allerheiligen

Der neue Friedhof sei neun Jahre nach der Vertreibung umgebettet worden, die einzelnen Gräber wurden auf die Orte verteilt, in denen Wollseifener ihre neue Heimat gefunden hatten. Ein Teil der Gebeine kam nach Herhahn. Der alte Friedhof hingegen blieb in Wollseifen und wurde durch Übungen des Militärs immer mehr verwüstet.

„An Allerheiligen durften wir rein”, erinnert Sistig sich an die 1950er-Jahre beim Betrachten eines Fotos, das eine trauernde Frau vor einem Grabstein zeigt. Im Hintergrund ist sein ehemaliges Elternhaus, die Gemischtwarenhandlung von Vater Wilhelm Sistig, zu sehen.

„Von Jahr zu Jahr war aber immer mehr kaputt”, sagt er. Noch vor 20 Jahren sei gemeinsam mit den belgischen Streitkräften ein Teil der Gebeine geborgen und umgebettet worden, erinnert sich Sistig.

Zum Rochusfest, dem Patrozinium der ehemaligen St. Rochus-Kirche Wollseifen, fährt am Sonntag von der Kirche Herhahn und vom Parkplatz Walberhof aus ein Bus nach Wollseifen.

Pfarrer Philipp Cuck feiert dann um 9.30 Uhr den Gottesdienst in der Wollseifener Kirche. Begleitet wird der Gottesdienst von den Eifelklängen Herhahn. Danach bietet die Kolpingfamilie Kall selbst gefertigte Kräutersträuße zugunsten sozialer Projekte in Indien an.

Anschließend findet in Herhahn die Totenehrung durch den Traditionsverein Wollseifen statt. In diesem Rahmen werden dann auch die kürzlich gefundenen Gebeine bestattet.