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„Natur kann machen, was sie will”

„Natur kann machen, was sie will”

Schleiden (dpa/lnw) - Im Eifeler Forstamt Schleiden (Kreis Euskirchen) herrscht Aufbruchstimmung. „Wir sind alle neu gepolt”, bekennt Forstamtsleiter Henning Walter.

Bisher haben seine Leute den Staatswald so bewirtschaftet, dass er Geld brachte - Bäume gepflanzt und weit vor ihrem Lebensende geschlagen. Jetzt wird der Wald vom Korsett der Wirtschaftlichkeit befreit.

„Die Natur kann nun machen, was sie will”, sagt Walter. Zum 1. Januar tritt die Nationalparkverordnung Eifel in Kraft. Der erste Nationalpark in Nordrhein-Westfalen wird am 11. Januar offiziell eröffnet.

Das 110 Quadratkilometer große Gebiet liegt in den südlichen Teilen der Kreise Aachen und Düren sowie im westlichen Kreis Euskirchen. Das Forstamt Schleiden wird dann Nationalparkverwaltung. „Die forstwirtschaftliche Tätigkeit versinkt in die Nebensächlichkeit”, kündigt Walter die einschneidenden Veränderungen an.

Die Förster lassen die Natur mehr und mehr ihren eigenen Weg gehen. Der Wald sorgt selbst für Nachwuchs, muss keine Axt und keine Säge fürchten, darf in Ruhe alt werden. Und wenn die Bäume sterben, bleibt ihr Totholz an Ort und Stelle liegen. In seinem Lebenslauf muss er mit allen Widrigkeiten selbst fertig werden:

Wenn Stürme einen Bestand vernichten, wenn gefräßige Borkenkäfer den Bäumen zu schaffen machen, muss sich der Wald aus eigener Kraft erholen. In 30 Jahren sollen mehr als 75 Prozent der Fläche sich selbst überlassen bleiben. Dadurch soll sich der ursprüngliche „Hausbaum” der Nordeifel, die Buche, wieder ausbreiten. Über Jahrhunderte war sie in den Eisenhütten der Eifel bis auf Restbestände verfeuert worden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts wurde als Ersatz auf den kahlen Flächen die schnell wachsende Fichte gepflanzt. Bis heute prägt sie das Bild in der Eifel.

Die Nationalparkverwaltung vertrete die Interessen des Waldes und verstehe sich als Anwalt, sagt Walter. Die Menschen seien aufgeräumte Wälder gewöhnt. Doch in einem angehenden Urwald herrschen die Gesetze der Natur. Die Förster wollen den Menschen die laufenden Prozesse erklären und deren Wert für die Natur vermitteln. „Wir zeigen ihnen, was wir machen, aber wir lassen sie nicht überall rein”, macht Walter auch Einschränkungen für Wanderer deutlich.

In der Region war das Wanderwegenetz ausführlich und mit großer Gegensätzlichkeit diskutiert worden. Einerseits wurde befürchtet, der Mensch werde zu Gunsten der Natur ausgesperrt. Naturschützern gingen die Zugangsbeschränkungen nicht weit genug. Die Wegeplanung wurde auf das Jahr 2006 vertagt. Bis dahin soll auch das belgische Militär vom Truppenübungsplatz Vogelsang abgezogen sein, der dann nahtlos in den Nationalpark eingeht.

Dann haben Land und Region eine weitere große Aufgabe vor sich: die Konversion der ehemaligen nationalsozialistischen Eliteschmiede Burg Vogelsang - ein monumentaler Gebäudekomplex, von dem ein Großteil unter Denkmalschutz steht.

Als wahrscheinlich gilt bisher die Unterbringung des Nationalparkzentrums, eines Zentrums für Regional- und Zeitgeschichte, die Ansiedlung von Gastronomie und Shops. Die Burg und der Truppenübungsplatz gehören dem Bund. Ob und wie die Eigentumsverhältnisse neu geregelt werden, darüber schweigt man beim Land. „Noch sind die Verhandlungen mit dem Bund nicht abgeschlossen”, sagt die Sprecherin des NRW-Wirtschaftsministeriums, Barbara Löcherbach. Als problematisch gelten der Unterhalt der Burganlage und die Räumung der Munition vom Truppenübungsplatz.