Imgenbroich: Nach Paris-Attentaten: Flüchtlinge sorgen sich

Imgenbroich: Nach Paris-Attentaten: Flüchtlinge sorgen sich

Die Welt hielt am Freitag für einen Moment den Atem an. Die Menschen zeigten sich tief betroffen nach den Terroranschlägen in Paris. Große Betroffenheit herrschte auch unter jenen Menschen, die vor solchem Terror aus ihrer Heimat geflohen sind und nun als Flüchtlinge in der Region eine Bleibe gefunden haben.

„Nur gemeinsam können wir etwas gegen die barbarischen Machenschaften von ISIS unternehmen,“ sind sich auch Helmut Blauth, ehrenamtlicher Helfer im Café International in Imgenbroich und Hamid Mashi, der hier als Übersetzer tätig ist, einig. Der Terror von Paris und die Folgen des Anschlags waren selbstverständlich auch beim jüngsten Treffen im Café International das beherrschende Thema.

An einem großen Tisch sitzen Menschen aus verschiedenen Kulturen zusammen. Ehrenamtliche Helfer, Übersetzer und Flüchtlinge sind in eine rege Konversation vertieft. Helmut Blauth zeigt sich erschrocken über die schrecklichen Taten in Paris und betet dafür, dass die Stimmung im Lande gegenüber den Asylbewerbern nicht kippt.

„Ich hoffe einfach, dass die Menschen die Flüchtlinge nicht als Terroristen vorverurteilen, denn sie sind ja gerade vor dem Terror geflohen. Ich stehe zu den Flüchtlingen und setze mich auch weiterhin für deren Integration ein“, sagt der ehrenamtliche Helfer. Er glaube fest an die Menschlichkeit und hoffe, dass die Ereignisse von Paris die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht entmutigen würden.

Der 63-jährige muslimische Übersetzer Hamid Mashi aus Kalterherberg sitzt neben Helmuth Blauth und stimmt ihm zu, dass die Menschen zwischen Gut und Böse differenzieren sollten. Vor 35 Jahren kam der Ingenieur aus dem Irak nach Deutschland. Er ist auch als Übersetzer in der Monschauer Flüchtlingsunterkunft auf der Haag und im Café International gefragt und sagt, dass er schnell herausfinde, ob jemand radikal gesinnt sei. Im sozialen Netzwerk Facebook gebe es inzwischen eine Seite, wo die Flüchtlinge auffällige Bemerkungen anderer Ankömmlinge kundtun würden. Für die Flüchtlinge sei es nicht schwer, Salafisten zu enttarnen. Die Flüchtlinge könnten somit durchaus wertvolle Hinweise geben.

Außerdem appelliere er an die Menschen, den Islam nicht mit dem Weltbild des IS gleichzusetzen. „Im Koran steht nicht, dass man andere Menschen töten darf. Dieser Irrglaube hat nichts mit unserem Glauben zu tun. Diese Terroristen missbrauchen den Islam, um Feindschaft zwischen den Religionen zu schüren“, sagt der Iraker. ISIS richte sich gegen alle Religionen, auch gegen den Islam.

Er glaube im übrigen, dass Frankreich nichts bewirken würde, wenn man nach den Pariser Attentaten jetzt die Bombardierung in Syrien verstärke. „Das Militär kann keine Probleme lösen. Die Rückkehrer, die nach Syrien gegangen sind, um für ISIS zu kämpfen, sind die größte Gefahr. Gerade in Paris tummeln sich in den Ghettos die Salafisten. Sie haben es meiner Meinung nach nicht nötig, als Flüchtlinge getarnt nach Europa zu kommen.“

Auch Talal Hiraki flüchtete aus Syrien und schildert seine Erfahrungen. Er habe sich als Angehöriger des Militärs in seiner Heimat gegen den Terrorismus gestellt und wisse aus eigener Anschauung, dass die Attentäter bereit seien, „bis zum letzten Mann zu kämpfen“. Einen von ihnen habe man vor einem geplanten Selbstmordanschlag noch aufhalten können. „Er wollte sich in die Luft sprengen und hatte sich eine Eisenplatte vor seinen Geschlechtsteilen befestigt, damit diese nach der Sprengung für die Jungfrauen im Himmel unversehrt blieben“, berichtet der Syrer. Fassungslosigkeit steht ihm ins Gesicht geschrieben. „Wir können nur gemeinsam versuchen, gegen den Terror vorzugehen. Wenn wir Christen und Muslime uns jetzt auch noch bekämpfen, hat der IS gewonnen.“

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