Eicherscheid: Nach langer Zeit wird in Eicherscheid wieder Theater gespielt

Eicherscheid: Nach langer Zeit wird in Eicherscheid wieder Theater gespielt

Selten so gelacht! In Eicherscheid wird — nach jahrzehntelanger Bühnenabstinenz — wieder Theater gespielt! Und was die förmlich aus dem Nichts formierte Truppe zur Premiere und während zweier weiterer Vorstellungen bot, übertraf die Erwartungen von Zuschauern und Veranstaltern: Dreimal war das Haus voll und das auf Anhieb.

Das Stück „Prassel auf dem Prosselhof“ schildert in herzerfrischender Deftigkeit Szenen aus dem chaotisch geführten Landwirtschaftsbetrieb der Familie Prossel. Wer Beate Irmischs Dreiakter in der Tenne erlebte, konnte derweil seine Mattscheibe daheim in guter Stube getrost kalt lassen. Denn was die Theaterfreunde Eicherscheid präsentierten, machte aus neugierigen Zuschauern spontan echte Fans.

Renate Roeben, Vorsitzende des Eichescheider Landfrauenvereins, berichtete vor dem ersten Vorhang, wie es zur Neugründung des Ensembles kam: „Die Erntedankfeier im Spätherbst stieß auf immer geringeren Zuspruch. Auch wurde es für uns Veranstalterinnen ständig schwieriger, Kräfte für Unterhaltungsbeiträge zu gewinnen. Da hatten Annika Huppertz und Gerda Scheidt die Idee: ‚Lasst uns doch schauspielern!‘“. Gesagt, getan!

In der ländlichen Bauernstube spielen sich komische Ereignisse ab und die Darsteller mussten nicht selten mit ihrem Publikum um die Wette lachen. Kern alles Frohsinns ist Jungbauer Max Prossel, der von Martin Petzold gespielt wird. Ein echtes Weichei, ewig jammernder und scheinbar von Schweinepest und Cholera verfolgter Hypochonder. Seine Frau Rosa (Vroni Scheidt) ersinnt mit weiblicher List, wie sie aus ihrem Ehe- Elend und eingebildeten Kranken einen ganzen Kerl machen kann. Das gelingt mit tatkräftiger Unterstützung des Gesamtensembles und nach überraschenden Wirrnissen endlich.

Wehleidiger Sohn

Max‘ Vater, Altbauer Franz (Thomas Förster) ist ein ewiger Grantler. Der nörgelnde Vater spricht in waschechtem Eifeler Platt und versucht mit wenig schmeichelhaften Ausdrücken seinen wehleidigen Sohn auf den rechten Weg der Arbeit zu führen. Die Hühner versorgen, den Schweinstall ausmisten oder Geburtshelfer im Kuhstall spielen gefallen Max nicht.

Seine Tante Irmine (Gerda Scheidt) ist Single und auf heißer Spur nach einer Beziehung. Ihr Liebesglück sollte auch gern von Dauer sein. Sie hofft, in der Buurewetschaft ihrer Verwandten den Herzallerliebsten zu finden. Doch sie gerät ausgerechnet an Viehhändler Anton Reich (Georg Waider).

Ein Frauenversteher und Schwerenöter , der die Finger nicht bei sich halten kann. Zum Leidwesen von Jungfer Irmine hat der Eifel-Don-Juan kein Auge auf sie geworfen, sondern auf Bäuerin Rosa, die Frau des Hauses. Magd Bruni (Annika Huppertz) füllt ihre Rolle mit Witz und Schlagfertigkeit aus; dienstbare Hausgeister sehen und hören halt viel Familiäres, können ihr Wissen zum eigenen Vorteil nutzen.

Krakeelende Parteien

Agathe Rauhbein (Margret Gosteck) ist besser, als ihr Name verheißt. Die Gemeindeschwester mischt im Reigen von Schlitzohrigkeiten kräftig mit und erweist sich als guter Geist. Gutmütig und sanft gibt sich Pastor Ritzenhoff (Josefine Löhrer), stets um Hausfrieden und Seelsorge der meist krakeelenden Parteien und intriganten Streithähne bemüht. Für das detailgerechte Bühnenbild zeichnete Kurt Scheidt verantwortlich; als Souffleuse agierte Stefanie Lenzen.

Nach dem Happy End mit zahlreichen Knalleffekten waren sich die applaudierenden Besucher/innen einig: „Solche Programmvorstellungen machen Lust auf mehr!“

Man braucht kein Hellseher zu sein, um zu ahnen: die Theaterfreunde werden die Fortsetzung von Einstudierungen ihrer Theatertruppe folgen lassen.

(M. S.)
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