Nordeifel: Nach Großbrand im Venn: Neue Stege halten auch Feuer aus

Nordeifel: Nach Großbrand im Venn: Neue Stege halten auch Feuer aus

In diesen Tagen zieht es die Wanderer wieder verstärkt ins Hohe Venn: Das Wollgras blüht in voller Pracht, und das federleichte Weiß der im Wind schwankenden flauschigen Vennpflanze gehört zu den besonderen Naturschauspielen im Hochmoor, das 1957 bereits als Naturschutzgebiet ausgewiesen wurde.

Zu den beliebtesten Wanderstrecken im Hohen Venn gehört auf belgischer Seite das Gebiet zwischen Baraque Michel und Botrange. Selbst wenn durch den laufenden Umbau der Fahrbahn vor Baraque Michel, mit dem Ziel der Verkehrsberuhigung und Sicherheitsverbesserung, das Parken derzeit ein wenig schwierig geworden ist, kommen die Besucher in Scharen.

Einen Platz zum Verweilen bieten inzwischen die sichtbaren Reste des Großfeuers vom April 2011 im Hohen Venn bei Baraque Michel.

Bis zu 350.000 sollen es pro Jahr, allein zwischen April und November. Das hat sich auch seit dem Großbrand im Venn vor gut vier Jahren nicht geändert. Eine Feuerwand hatte im Ende 2011 rund 1300 Hektar Vennfläche und fünf Kilometer Wanderstege zerstört. Doch ein halbes Jahr nach dem durch Blitzeinschlag ausgelösten Flächenbrand war das Hochmoor schon wieder grün. Langfristige Schäden am Ökosystem haben sich wie von den Fachleuten erwartet nicht eingestellt.

Wieder grün: So sah die Landschaft bereits zwei Monate nach dem Vennbrand aus. Foto: A. Gabbert

Gummistiefel zu empfehlen

Jetzt, vier Jahre später, erinnern nur einige verkohlte Baumstämme und Teile der zerstörten Holzstege an die Feuersbrunst. Und doch ist einiges anders geworden: Für Teile des Venns, die bisher auf Sonntagssandalen dank der Stege leicht zu erreichen waren, ist jetzt wieder die klassische Vennausstattung mit wasserdichtem Schuhwerk erforderlich. Der etwa 500 Meter hinter Baraque Michel nach links abzweigende Steg ins Gebiet Noir Flohay, der vom Hauptsteg ins Hilltal aus eine rund zwei Kilometer lange Schleife bildete, wird dauerhaft gesperrt bleiben.

Der ins Tal leicht abwärts führende Steg ist schon seit geraumer Zeit komplett fertiggestellt, und ermöglicht auch wieder rund sechs Kilometer lange Rundwanderungen. In Wanderrichtung links entdeckt der aufmerksame Spaziergänger einen kleinen und spärlich markierten Naturpfad, der ins Gebiet Noir Flohay führt und nur für ambitionierte Vennfreunde, die nasse Füße nicht scheuen in Betracht kommt.

Die Herrichtung der neuen rund 1,20 breiten Wanderstege kostete rund 570.000 Euro. Rund fünf Kilometer wurden neu hergerichtet. Das für die im Torfboden leicht schwingenden Stege rund vier Zentimeter starke Eichenbohlen verwendet wurden, hat seinen Grund. Sollte es noch einmal zu einem Flächenbrand kommen, würden die Stege dem Feuer standhalten, erläutert man beim Infobüro Hautes Ardennes in Mont Rigi.

Weitere Erneuerungen von Stegen sind derzeit nicht geplant, da die Finanzmittel ausgeschöpft seien. Der Wandersteg entlang der Hill habe absolute Priorität besessen.

Dass nicht alle Stege nach dem Feuer wieder hergestellt wurden, führte aber auch schon zu manchen Besucherbeschwerden, heißt es beim Besucherzentrum Botrange.

Das Hohe Venn gilt als das größte Hochmoor Europas. Das älteste Naturschutzgebiet Belgiens dehnt sich über mehr als 4000 Hektar Fläche aus. Meterdicke Schichten aus Torf saugen den Regen auf wie ein Schwamm. Was der Torf nicht speichern kann, das fließt in die vielen Bäche, Seen und Talsperren, auch die Rur entspringt hier.

Im Hohen Venn befindet sich auch der höchste Punkt Belgiens, das Signal de Botrange, mit einer Höhe von 693 Metern. Der neben dem Signalturm aufgeschüttete Erdhügel ermöglicht es dem Besucher die 700 Meter-Marke zu erklimmen.

(P. St.)
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