Einruhr: Nach Frühjahrsputz: Die Weiße Flotte auf dem Rursee ist startklar

Einruhr: Nach Frühjahrsputz: Die Weiße Flotte auf dem Rursee ist startklar

Wenn die Schiffsführer Rudolf Baum, Uwe Gramann und Felix Stollenwerk in weißen Hemden und frisch gebügelten Hosen am kommenden Samstag 8. April, an der Anlegestelle Obersee in Einruhr um 11 Uhr die ersten Fahrgäste der neuen Saison 2017 an Bord der „Seensucht“ begrüßen, dann liegt hinter dem Trio bereits eine Menge Arbeit. Davon spürt der Fahrgast, wenn er auf dem frisch geputzten Oberdeck Platz nimmt, oder sich im Salon einen Kaffee bestellt, in der Regel nichts.

Ehe die insgesamt vier Fahrgastschiffe der Rurseeschifffahrt zum Wochenende startklar sind und mit dem Kommando „Leinen los!“ in See stechen können, ist ein intensiver Frühjahrsputz unabdingbare Voraussetzung.

Hier schlägt das Herz der „Seensucht“: Insgesamt zehn Tonnen Batterien sind erforderlich, um das Elektroschiff in Bewegung zu halten. Schiffsführer Felix Stollenwerk überprüft vor dem Start den Ladezustand.

Vorbereitung seit Karneval

„Seit Karneval läuft bereits die heiße Phase der Vorbereitung sagt Schiffsführer Felix Stollenwerk (28), ehe er in den Rumpf der „Seensucht“ abtaucht, wo ein massives Batteriepaket von fast zehn Tonnen Gewicht dafür sorgt, dass der 250 Personen fassende Katamaran ausreichend Energie für neun bis zehn Stunden Fahrt hat. Auf der Trinkwassertalsperre Obersee dürfen die beiden hier eingesetzten Fahrgastschiffe nur mit Elektromotoren angetrieben werden.

Zum Auftakt am Samstag versprechen die Wetterfrösche schöne Aussichten für die Eifel, und Uwe Gramann (59) ist froh, dass die Saison nun wieder los geht. „Das ist immer ein ganz besonders Feeling“, erzählt er. Schon seit Wochen herrscht Frühling in der Eifel, und nicht wenige Gäste fragten bei der Rurseeschifffahrt schon ungeduldig nach, warum man denn nicht schon früher starte, aber Uwe Gramann weiß, dass die Spontanität ihre Grenzen hat: „Das ist nicht so, als ob man abends den Nikolaus bestellt, der dann am nächsten Morgen kommt“, sagt er lachend.

Eine lange Checkliste muss abgearbeitet werden, ehe die Schiffe ablegen können. Das beginnt mit der Montage der Sitzbänke und reicht über das Auffüllen des Kühlschranks bis hin zum intensiven Frühjahrsputz, damit die „weiße Flotte“ ihrem Namen auch alle Ehre macht.

Am 26. Oktober endete die Saison 2016. Was macht ein Schiffsführer nun in der langen Winterzeit, außer die vielen Überstunden aus der arbeitsintensiven Sommersaison abzufeiern?

„Es gibt immer Arbeit an den Schiffen“, erzählt Felix Stollenwerk. „Verschleißteile müssen ausgewechselt werden, und es stehen viele Reparatur- und Wartungsarbeiten an.“

Die Arbeit eines Rurseekapitäns ist im wahrsten Sinne des Wortes vielseitig. Rudolf Baum ist gelernter Maler und Lackierer, Uwe Gramann ist Elektriker und Felix Stollenwerk Metallbauer. „Man sollte so in rund zehn Berufen fit sein“, sagt Gramann schmunzelnd, als da beispielsweise wären: Matrose, Servicekraft, Elektriker, Maler, Ersthelfer, touristischer Berater...

Besonders beim touristischen Angebot der Region haben die Fahrgäste großen Informationsbedarf. „Viele Gäste kommen aufs Schiff und wissen gar nicht genau, wo sie sich gerade befinden“, sagt Uwe Gramann. Auch der Unterschied zwischen Rursee und Obersee sei den meisten Gästen nicht klar. Daher verstünden sich die Schiffsführer der Rurseeschifffahrt auch als „Botschafter der Eifel“.

Dass die Gäste ein hohes Informationsbedürfnis haben, kann auch Rudolf Baum (59), Leiter der Rurseeschifffahrt auf dem Obersee bestätigen. „Was kann man hier so alles machen?“, sei im Laufe seiner 14-jährigen Tätigkeit auf dem Schiff die mit Abstand am häufigsten gestellte Frage.

Steigende Nachfrage

Schönes Wetter ist logischerweise die beste Voraussetzung für eine gute Saison, aber auch unabhängig davon läuft es bei der Rurseeschifffahrt gut.

Besonders die „Seensucht“, mit deren wuchtigem Erscheinungsbild die Gäste anfangs ein wenig fremdelten, hat sich nach drei Jahren bestens etabliert. Auch der neue, barrierefreie Anleger in Einruhr, der im September fertig wurde, hat dazu beigetragen. Der Nationalpark Eifel, die ehemalige Ordensburg Vogelsang und das Feriendorf „Landal“ bei Schwammenauel sind weitere Faktoren, die auch die Rurseeschifffahrt beflügeln. Besonders die Nachfrage für Gruppenfahrten ist deutlich gestiegen.

Das Team vom Obersee sieht also wieder einem abwechslungsreichen und arbeitsreichen halben Jahr auf der Eifeler Seenplatte entgegen, oder wie Uwe Gramann es ausdrückt: „Jede Saison ist anders.“

(P. St.)