Roetgen: Nach Abriss: Gefälschte Plakette schützt Bäume nicht

Roetgen: Nach Abriss: Gefälschte Plakette schützt Bäume nicht

Die Diskussion um den Abriss des so genannten Schmiddem-Hauses an der Bundesstraße in Roetgen nimmt kein Ende. In der jüngsten Sitzung des Roetgener Gemeinderates hatte Gudrun Meßing (Grüne) darauf hingewiesen, dass auf dem Grundstück mindestens ein Baum steht, der ein Schild trägt, das ihn als Naturdenkmal ausweist.

Da diese Kastanie aber nicht in der Liste der Naturdenkmäler auftaucht, bestand Klärungsbedarf.

wedwedwedwe Foto: A. Gabbert

Das Bauamt der Gemeinde hatte erklärt, dass es sich vermutlich um ein Schild aus Zeiten des alten Kreises Monschau handele. Wie in dieser Sache im Zuge der Kommunalen Neugliederung Anfang der 1970er Jahre verfahren worden sei, lasse sich nur noch mutmaßen. Die Grünen hatten in diesem Zusammenhang darum gebeten, die Vergangenheit aufzubereiten und zu klären, ob es sich um ein schützenswertes Naturdenkmal handele. Am Tag nach der Sitzung hatte sich dann auch der Geschäftsführer des Heimat- und Geschichtsvereins, Rolf Wilden, an die Gemeinde gewandt und gebeten, „wenigstens die alten Bäume zu retten, wenn es schon nicht möglich war, das alte Haus vor Vandalismus zu schützen“.

Das Ergebnis der Nachforschungen der Gemeindeverwaltung ist, dass es sich bei der angebrachten Plakette um eine Fälschung handelt. Offensichtlich wurde sie erst vor kurzer Zeit angebracht. Die untere Landschaftsbehörde der Städteregion habe bestätigt, dass solche Plaketten keine offiziellen Naturdenkmäler kennzeichnen würden. Auch die Art und Weise der Anbringung werde anders gehandhabt, schreibt Bauamtsleiter Dirk Meyer an die Fraktionsvorsitzenden der im Gemeinderat vertretenen Parteien und an den Geschichtsverein.

Gudrun Meßing hat sich inzwischen an Thomas Pilgrim, den Leiter des Umweltamtes der Städteregion, gewandt. Hinter dem Haus, nahe der Grenze zum Nachbargrundstück befänden sich zwei sehr alte und hohe Bäume, eine Kastanie und eine Eiche, beide jeweils mit einem Stammumfang von circa drei Metern. Diese Bäume seien mit ihren Kronen zusammengewachsen und würden eine Einheit bilden. Da sich an der Kastanie ein Schild mit der Aufschrift „Naturdenkmal“ befinde, sei man fälschlicherweise davon ausgegangen, dass zumindest dieser Baum geschützt sei.

Leider habe sich jedoch herausgestellt, dass es sich nicht um ein offizielles Schild handele und der Baum auch in keinem Verzeichnis über Naturdenkmale oder sonstige schützenswerte Bestandteile zu finden sei. „Da beide Bäume jedoch wegen ihres Alters, ihrer Größe, Höhe, des enormen Umfangs und ihrer zentralen Lage einen ortsbildprägenden Charakter haben und erhaltenswert sind, beantragen wir die sofortige Sicherstellung als Naturdenkmal.

Sollte dies aus rechtlichen Grund nicht möglich sein, beziehen wir uns auf Paragraf 29 Bundesnaturschutzgesetz und beantragen die sofortige Sicherstellung als geschützter Landschaftsbestandteil. Wegen der recht rücksichtslosen Vorgehensweise beim Abbruch des Hauses sind die Bäume akut gefährdet, deshalb ist Eile geboten. Wir bitten Sie, umgehend Schutzmaßnahmen für die Bäume zu veranlassen“, schreibt Meßing.