Rurberg: Motorradlärm: Es geht nur um die „schwarzen Schafe“

Rurberg: Motorradlärm: Es geht nur um die „schwarzen Schafe“

„Der Frust bei der Bevölkerung ist groß“, stellte Sabine Verheyen Mitglied des Europäischen Parlaments zu Beginn des Symposiums am Montag fest. Simmerath redete also mal wieder über das mittlerweile sehr emtionale Thema Motorradlärm.

Das Symposium fand zwar im Rurberger Antoniushof statt, ist aber bei Weitem nicht nur Simmerather Problem: Insgesamt 70 Teilnehmer kamen, darunter Vertreter von rund 20 Kommunen aus ganz NRW aber auch einige betroffene Bürger und Vertreter der Motorradfahrer.

Rund 70 Teilnehmer fanden sich am Montag im Rurberger Antoniushof zum Symposium gegen Motorradlärm ein.

Die von Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns vielfach zitierte Aussage („Es geht um unverantwortliche Raser, nicht um die Motorradfahrer an sich“) sollte das Mantra der Veranstaltung werden. Gesetzestreue Motorradfahrer versuchte man also, nicht zu verteufeln.

Die Gründe für die Lärmbelastung am Rursee liegen scheinbar auf der Hand: Es sind zum einen hohe Geschwindigkeiten bei den Motorradfahrern — beziehungsweise das hochtourige Fahren, wie ein Anwohner anmerkte. Zum anderen ist es die Liebe vieler Motorradfahrer zum dröhnend lauten Sound ihrer Motoren. Ein Sound, der nicht immer ohne Nachhelfen entsteht. Manche Kniffe sind legaler, andere illegaler Art.

Neue EU-Verordnung ab 2016

Man merkte am Montag schnell: Das Thema ist schwierig, die Gesetzgebung komplex und die Lösungen lassen sich nicht alle im Simmerather Rat beschließen. Für manche Ansätze bedarf es zum Beispiel die Entscheidung höher Instanzen wie der Landes-, Bundes oder der Europäischen Gesetzgebung. Genau deshalb war Sabine Verheyen, als Vertreterin des EU-Parlaments, als Rednerin geladen. Sie zeigte, dass das Thema Motorradlärm in Brüssel angekommen ist: 2016 tritt eine neue EU-Verordnung in Kraft, die einerseits die Geräuschgrenzwerte um einige Dezibel heruntersetzt und andererseits den Messbereich der Lautstärkefeststellung erweitert (dazu mehr auf der Regions-Seite). Doch, so gibt Verheyen zu, sie hätte sich mehr von der Verordnung gewünscht. Und einige Probleme bleiben bestehen: Zum Beispiel, dass die Halter älterer Maschinen nicht dazu verpflichtet sein werden, die neuen Bestimmungen an ihren Motorrädern auch umzusetzen. Bernd Schüttler vom Bundesministerium für Verkehr und Innovation gab einen detaillierten Einblick in die Entwicklung der deutschen Gesetzeslage zum Thema Lärmgrenze und manipulative Maßnahmen zum „Sound-Tuning“.

Ein anderer Lösungsansatz wurde von Roland Thomas, Vertreter des Städte- und Gemeindebundes angesprochen: Die Streckensperrung für Motorradfahrer. Das sei jedoch die „Ultima Ratio“, denn „es betrifft alle“ — auch die Motorradfahrer, die sich an die Gesetzeslage halten.

Eine kurzfristig umsetzbare Lösung stellte Heinrich Bergerbusch vom Landesbetrieb Straßenbau NRW vor: die Rüttelstreifen. Die seien bereits in einigen Kommunen erprobt und hätten sich zum Großteil positiv bewährt: vor allem was die Unfallstatistik angeht. „Es ist kein Patentrezept“, gibt Bergerbusch zu. Man müsse jedes mal neu überlegen, wie und was man umsetzt — vor allem im Dialog mit den Anwohnern. Verheyen und ein Zuhörer gaben zu bedenken, dass die Rüttelstreifen vielleicht zu einer kurzfristigen Geschwindigkeitsreduzierung führen könnten, die Raser danach aber wieder aufdrehen würden. „Wer schneller fahren will, der tut das auch. Da hilft nur die blaue Gewalt“, so Bergerbusch ernüchternd. Die Polizei ist auch Dreh- und Angelpunkt für den letzten Lösungsansatz: Mehr, beziehungsweise andere Kontrollen. Das könnte jedoch an den begrenzten Ressourcen der Polizei scheitern, fragte Robert Esser Redakteur der Aachener Zeitung, der das Symposium moderierte: Ein entsprechendes „Praxis-Beispiel“ stellte Hubert Danne von der Stadt Sundern vor. Dort arbeiten Ordnungsamt und Polizei Hand in Hand, und wollen so in einer mehrjährigen Initiative starke Präsenz zeigen.

Nun war es also an Bernd Kleefisch, Aachener Polizeirat, Rede und Antwort zu stehen, warum es eine solche Partnerschaft in der Region nicht gebe. Er konterte damit, dass die Polizei die Eifel bereits als Schwerpunkt Einsatzgebiet erkannt habe, und nicht nur im blauen Streitwagen, sondern auch zivil unterwegs sei: „Wir zeigen Präsenz, um die Raser zu verängstigen“ ist sein Ansatz. Der stieß nicht überall auf Zustimmung. Einige verärgerte und verunsicherte Bürger meldeten Bürger zu Wort. Die Polizei müsste einerseits härter durchgreifen, Standgeräuschmessungen und vieles mehr durchführen, war die Forderung beispielsweise von Rolf Frieling, von der Bikerunion: Er war nach Rurberg gekommen, um zu zeigen, dass sich die Motorradfahrer auch um die Probleme durch schwarze Schafe in ihren Reihen kümmern. Dennoch verweigerte er mit einigen anderen Teilnehmern die Resolution des Forderungskatalogs der Stadt. Man müsse vielmehr kurzfristige mittelfristige Lösungen finden. Kleefisch selbst, regte eine Veranstaltungen gemeinsam mit der Öffentlichkeit an, um den Bürgern ihre Präsenz zu verdeutlichen: „Viele fühlen sich allein gelassen.“ Beim Symposium in Simmerath wurde gute Ansätze sichtbar. Der Forderungskatalog soll in den kommenden Tagen an Abgeordnete von Bund, Länder und EU und in die Ministerien geschickt werden.