„Montjoie Musicale“: Harfenkonzert in der Alten Pfarrkirche Monschau

Monschau: Floraleda Sacchi fesselt mit „Metamorphosen“ in der Alten Pfarrkirche Monschau

Eigentlich war es ein perfektes Ambiente. Etwas abseits des Weihnachtsmarkt-Trubels, im allzu wenig beachteten Monschauer Barock-Juwel der Alten Pfarrkirche fand sich am späten Sonntagnachmittag eine beträchtliche Schar von Musikfreunden ein, um etwas ganz Apartem zu lauschen: einem kompletten Konzert für eine einzelne Harfe.

Die weltbekannte italienische Harfenistin Floraleda Sacchi musste sich allerdings schon sehr „verpacken“, um der Kälte in dem Kirchenraum letztlich standhalten zu können.

Vorab zu allem musikalischen Genuss fiel dadurch doch deutlich auf, dass dieser kunsthistorisch bemerkenswerte Raum offenbar nicht im Zentrum irgendeiner Aufmerksamkeit steht; nebenbei sei bemerkt, dass auch die vor nicht allzu vielen Jahren noch aufwendig restaurierte Orgel allzu oft stumm bleibt.

Floraleda Sacchi jedenfalls kam mit den Verhältnissen bewundernswert gut zurecht. Die treuen Besucher der Reihe „Montjoie Musicale“ wurden mit einer speziellen Sparte der Kammermusik bekanntgemacht, die wohl den meisten neu war. Aber es war interessant und zum größten Teil sehr fesselnd. Im Zentrum des Abends stand ein Werk des amerikanischen Komponisten Philip Glass, der als Protagonist der sogenannten „Minimal Music“ gilt.

Die Bezeichnung will besagen, dass diese Art des Komponierens sich auf die einfachsten Bestandteile der Musik zurück bezieht. Leicht aufnehmbare Motive werden in geringen Variationen und Verschiebungen scheinbar „endlos“ wiederholt, wobei aber doch dasselbe in immer wieder anderen Farben erscheint und so eine intensive Spannung entstehen lässt. Philip Glass‘ „Metamorphosen“, die ursprünglich für Klavier geschrieben wurden, bot Sacchi in einer Bearbeitung dar. Es war faszinierend, die Strukturen der Musik akustisch und optisch an der Harfe verfolgen zu können.

Der Zuhörer wurde auf eine Weise suggestiv in das musikalische Geschehen hineingezogen, die nicht oft zu erleben ist. Dabei war der Eindruck, dass der Komponist und die Interpretin eigentlich nur dem Fluss der Klänge seinen Lauf ließen, so dass zwischen der Musik und dem Zuhörer keine Distanz mehr verblieb.

Widrige Wetterverhältnisse

Dass dies auch gewisse Gefahren mit sich bringt, zeigten einige der anderen Stücke dieses Abends. Denn die Qualität von Musik (wie aller Kunst) liegt zum großen Teil an der Distanz und an der Freiheit, die der Komponist zum Zuhören lässt. Ist die unmittelbare Zugänglichkeit der Musik zu penetrant, entsteht das, was man „Kitsch“ nennen kann. Floraleda Sacchi gelang es aber, selbst bei den Stücken, die diese Gefahr von sich aus nicht immer vermieden, eine Balance herzustellen, die auch hier von großer Kunst sprechen ließ.

Am meisten konnten in diesem Zusammenhang zwei „Irische Legenden“ von Henry Cowell überzeugen; ebenso wie zwei Stücke des jungen deutschen Komponisten Nils Frahm, die ihre Herkunft aus der elektronischen Musik nicht verleugneten.

Dass die Zuhörerschaft den Konzerten der Reihe „Montjoie Musicale“ auch bei schwierigeren äußeren Bedingungen und widrigen Wetterverhältnissen die Treue hält, darf Organisator Florian Koltun nebst seiner Mitstreiterin (und Ehefrau) Xin Wang als Kompliment werten. Und da es immer wieder, wie jetzt, Neues zu erfahren gibt, kann man diese Konzerte nur empfehlen.

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