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Forstwirtschaftsplan 2022: Monschauer Stadtwald auf dem Weg der Besserung

Forstwirtschaftsplan 2022 : Monschauer Stadtwald auf dem Weg der Besserung

Nach den schweren und finanziell verlustreichen Jahren 2019 und 2020 rechnen die Monschauer Forstwirtschaftsplanungen für 2021 und 2022 wieder mit schwarzen Zahlen im fünfstelligen Bereich.

Wenn nicht wieder ein Trockenjahr folgt oder Schädlinge dem Förster zu schaffen machen, dann könnte der Forstwirtschaftsplan für das Jahr 2022 mit einem Gewinn von rund 50.000 Euro abschließen. Der Finanzplanung für den Stadtwald hat der Umweltausschuss nun einstimmig zugestimmt.

Der Forstwirtschaftsplan für das Jahr 2021 entstand unter dem maßgeblichen Einfluss der Trockenjahre 2018 bis 2020 und den daraus resultierenden, deutschlandweit auftretenden Kulturschäden durch Käferbefall („Kalamitäten“), von denen die Bestände des Forstbetriebes der Stadt jedoch weitestgehend verschont blieben.

Allerdings konnte aufgrund der großen Schadholzmengen auf dem Holzmarkt Frischholz bis einschließlich 2020 kaum vermarktet werden. Dementsprechend wurde der Frischholzeinschlag des Betriebes unter den jährlich nachhaltigen Hiebssatz von 9638 Festmeter reduziert.

In der Hoffnung auf bessere Absatzmöglichkeiten für Frischholz sowie vor dem Hintergrund zunehmender Pflegerückstände in zahlreichen Fichtenbeständen wurde der geplante Einschlag für das Jahr 2021 auf 15.365 Festmeter festgesetzt. „Im Verlaufe des Forstwirtschaftsjahres zeigte sich aber, dass die ambitionierten Einschlagsplanungen nicht zu erreichen waren“, erläuterte Forstamtsleiter Klaus-Jürgen Schmitz nun im Umweltausschuss. Gründe dafür waren nach seinen Worten „verschiedene Kalamitäten, welche vor allem die Arbeitskapazitäten der eigenen Forstwirte banden“.

Nassschneelagen und Schneebruch sowie in geringerem Maße Frühjahrsstürme erforderten ein hohes Maß an Mehrarbeit, um für den Borkenkäfer bruttaugliches Material aus den Beständen zu entfernen und den ab Frühsommer zu erwartenden Befall einzudämmen. Auch in den Sommermonaten gewann die Aufarbeitung von dennoch durch Borkenkäfer befallenem Holz oberste Priorität.

Der ordentliche Holzeinschlag wurde durch die „Verordnung über die Beschränkung des ordentlichen Holzeinschlags im Forstwirtschaftsjahr 2021“ des Bundes eingeschränkt und erschwerte somit, trotz freier Arbeitskapazitäten der Forstunternehmer, zusätzlich die Umsetzung der Einschlagsplanung. Mitte Mai stellte sich indes eine leichte Entspannung des Holzmarktes ein, welche die Vermarktung erleichterte. Klaus-Jürgen Schmitz geht davon aus, dass bis Jahresende etwa 13.000 Festmeter Holz vermarktet werden können.

Auch die Ziele der Pflanzungsplanung konnten 2021 nur teilweise erreicht werden. „Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Pflanzen reichte nicht aus, um alle geplanten Pflanzungen umzusetzen, weshalb das Pflanzmaterial vordergründig zur Wiederbegründung der Kalamitätsflächen verwandt wurde. Voranbau- wie Ergänzungsmaßnahmen wurden teilweise zurückgestellt“, heißt es im Bericht des Forstleiters.

Im Verlauf des Sommers, der diesmal nicht zu trocken geriet, zeichnete sich auf den Wiederbegründungsflächen allerdings ein Befall durch den „Großen Braunen Rüsselkäfer“ ab, der die Kultur durch Rindenfraß schädigt. Um einen Kulturausfall zu vermeiden, wurden Pflanzenschutzmittel eingesetzt. „Der Erfolg der Maßnahme ist noch zu prüfen“, bilanzierte Klaus-Jürgen Schmitz.

Die ohnehin hohe Auslastung des Personals im Stadtwald wurde dadurch verstärkt, dass zwei der bis dahin sechs städtischen Forstwirte im Laufe des Jahres zu anderen Arbeitgebern wechselten und seit Juli 2021 nicht mehr zur Verfügung standen. Dies wirkt sich zwar positiv auf die Personalkosten aus, dennoch „bemüht sich der Betrieb um Ersatz“, so Schmitz.

Auch der Forstwirtschaftsplan für das kommende Jahr muss die ökologischen, ökonomischen und sozialen Ziele aus der PEFC-Zertifizierung beachten. Hierzu gehören etwa schonende Ernteverfahren, die Berücksichtigung der Schutzfunktionen des Waldes oder auch das Belassen von Biotopholz „in angemessenem Umfang“ in den Beständen.

Da der ambitionierte Hauungsplan 2021 nicht vollständig umgesetzt werden konnte und auch in Zukunft mit verschiedenen Kalamitäten zu rechnen ist, soll der versäumte Einschlag der Vorjahre nun nicht mehr innerhalb eines Jahres nachgeholt werden. Stattdessen wird ein Ausgleichszeitraum von etwa fünf Jahren angestrebt, um die versäumten Durchforstungen nachzuholen.

„Deshalb soll der für das Forstwirtschaftsjahr 2022 geplante Einschlag im Vergleich zu den Vorjahren zu einem höheren Anteil von Forstunternehmern umgesetzt werden“, kündigte der Forstbetriebsleiter an und sprach von zwei Neuerungen im Forstwirtschaftsplan 2022: Der Holzverkauf „auf dem Stock“ soll nach dem Vorbild der belgischen Nachbarn erfolgen und besagt, dass noch stehende Bäume verkauft werden. Die Organisation der Holzernte sowie die Aushaltung obliegen dem Holzkäufer.„Dies schafft freie Arbeitskapazitäten bei der Forstverwaltung“, hofft Schmitz. Eine weitere Neuerung soll der Einschlag von Holz durch sogenannte Debarking-Harvester sein, die den Stamm entrinden. Dies führe zwar zu erhöhten Erntekosten, bringe aber den Vorteil des Verbleibs der Hauptmasse an Nährstoffen im Bestand mit sich.

Die Pflanzungsplanung zielt zum einen darauf ab, die durch Kalamitäten entstandenen Freiflächen neu zu begründen, zum anderen, die in 2021 mangels Pflanzgut nicht zum Zuge gekommenen Kalamitätsflächen ebenfalls neu zu begründen. Weiterhin sollen durch Rückearbeiten stark geschädigte Rückegassen und Schneisen mit Erlen bepflanzt oder alternativ mit selbstgeworbenen Erlensamen eingesät werden, um so zur Regeneration des Bodens beizutragen.

In Sachen Waldschutz ist 2022 „nicht mit einem größeren Problem für den Stadtwald zu rechnen“, heißt es im Forstwirtschaftsplan. Neu entstehende Freiflächen sollen jedoch künftig vermehrt mit Laubhölzern bepflanzt werden, da der Große Braune Rüsselkäfer ausschließlich Nadelhölzer befällt. Auch Laubholzarten wie Esskastanie, Elsbeere oder Baumhasel rücken mehr und mehr in das Interesse der Waldexperten, die mit diesen Arten dem Klimawandel entgegentreten möchten.

Franz-Karl Boden, Allgemeiner Vertreter der Bürgermeisterin, ging kurz auf die Posten in der Finanzplanung des Forstwirtschaftsplans ein. Danach rechnet die Stadt Monschau mit Erträgen in Höhe von 834.157 Euro bei Aufwendungen von 783.159 Euro. Auf der Ausgabenseite stehen die Dienstbezüge der Forstmitarbeiter mit 269.440 Euro und die Aufwendungen für Dienstleistungen, sprich Unternehmer, mit 212.500 Euro an oberster Stelle. „Privatrechtliche Leistungsentgelte“ aus dem Holzverkauf stellen mit 701.067 Euro das Gros der Einnahmen dar.

Im Umweltausschuss, der vergangenen Samstag bei einer ausgedehnten Stadtwaldführung mit dem Förster die Waldbewirtschaftung in der Praxis erlebt hatte, gab es ungeteilte Zustimmung zu den Maßnahmen und Zahlen des Forstbetriebsleiters. Heinz Mertens (CDU) erinnerte an die Diskussion um einen Waldverkauf vor Jahrzehnten und stellte fest: „Es war damals eine gute Entscheidung, den Stadtwald zu behalten.“ Denn, so Mertens: „Es kommen auch wieder bessere Jahre. Vielleicht schon bald.“