Monschau: „Monschauer Altstadt gibt im Moment kein gutes Bild ab”

Monschau: „Monschauer Altstadt gibt im Moment kein gutes Bild ab”

„Die touristische Entwicklung in Monschau ist momentan nicht positiv, und die Altstadt gibt kein gutes Bild ab”: Zu dieser Erkenntnis ist Freek Suringh, der Geschäftsführer des Carat-Hotels in Monschau gekommen.

Der 53-jährige Managing Direktor des bettenstärksten Hotels im Stadtgebiet Monschau führt seit acht Jahren das Haus in der Laufenstraße, kann auf ein wirtschaftliches gesundes Unternehmen und stolze 75 Prozent Auslastung über das ganze Jahr gesehen verweisen, dazu auf 83 Prozent postive Empfehlungen auf den Hotelbewertungsseiten im Internet.

Potential das brach liegt

Eigentlich müsste sich Suringh also keine Gedanken um das Erscheinungsbild der Altstadt machen, aber der Niederländer hat das historische Zentrum in sein Herz geschlossen. Da könne es nicht sein, dass die Altstadt ihr enormes Potential nicht ausschöpfe.

Bei Befragungen unter den Gästen des Hotels zeige sich, dass diese sich zunehmend kritisch über die Altstadt äußerten. Das mittlerweile „berühmte Kännchen Kaffee” sei dabei ebenso ein Thema wie die nicht minder berühmten hochgeklappten Bürgersteige am frühen Abend. Der Leerstand vieler Häuser sowie unfreundliche Bedienung in Teilen der Gastronomie gehörten zu den häufigsten Kritikpunkten.

Autofreie Altstadt?

Aus Sicht des Einzelhandels kann Freek Suringh die Öffnungszeiten nachvollziehen, nicht aber für die Gastronomie. Als Unding empfindet es der Hotel-Geschäftsführer, wenn Gäste am Abend überwiegend geschlossene Restaurants antreffen und das einmal sogar trotz Vorbestellung. Suringh: „Wenn ich mit Projektentwicklern, z. B. für das Hotel Rosental oder das Feriendorf Flora, durch die Altstadt gehe, bekommen diese manchmal Zweifel, ob Monschau der richtige Platz ist.”

Doch Monschau sei der richtige Platz, ist der Tourismus-Fachmann überzeugt. Es reiche allerdings nicht, den Blick allein auf die Altstadt zu richten, sehe man einmal von der Klassik und dem Weihnachtsmarkt ab. „Wandern in der Eifel, den Nationalpark, Vogelsang, den Rursee, das Hohe Venn, Aachen - das muss man mit Monschau als Paket verkaufen.”

Im jüngst gegründeten Monschauer Verschönerungsverein sieht Suringh ein „phantastische Initiative, aber es muss noch mehr passieren.” So seien die Monschauer Internetseiten veraltet, und viele Gäste besuchten längst die Seite des Carat-Hotels, um über die aktuellen Angebote informiert zu sein.” Dann müsse man sich mit Ausnahme der Anwohner zu einer autofreien Altstadt durchringen. Dies würde die Akzeptanz der Einwohner gegenüber den Touristen erhöhen.

In leerstehenden Häusern müssten bezahlbare Wohnungen für junge Leute angeboten werden, und die Hauseigentümer dürften nicht durch hohe Auflagen beim Brand- und Denkmalschutz behindert werden.

Um diesen Zielen näher zu kommen, bedürfe es aber eines besseren Miteinanders unter den Geschäftsleuten. Weder ständiges Nörgeln an der Arbeit der Monschau-Touristik noch gegenseitiges Anschwärzen bei der Stadt seien zielführend. Sowohl die Mon-Tour wie auch Bürgermeisterin Margareta Ritter verrichten „einen guten Job und geben Vollgas”, sagt Suringh.

Als krasses Beispiel für fehlende Solidarität nennt Suringh die kürzlich von der Stadt verabschiedete Verordnung zur Aufstellung von Werbung. „Das haben wir uns selbst zuzuschreiben, weil wir uns nicht einig geworden sind.” Schließlich habe die Verwaltung keine andere Möglichkeit gehabt als diese Satzung zu erlassen. Nun sei man in das andere Extrem verfallen, und die Stadt mache teilweise einen leblosen Eindruck.

Gäste wollen Geld ausgeben

Um gemeinsam die Altstadt nach vorne zu bringen, wünscht sich Suringh das Wiederaufleben der Arbeitsgruppe Monschauer Altstadt, einer Anfang 2004 gründeten Projektgruppe aus Vertretern von Wirtschaft, Hotellerie, Tourismus und Altstadt. Als Fachgremium könnte diese Gruppe, deren Aktivitäten seinerzeit nicht gewünscht worden seien, konstruktive Impulse für die touristische Entwicklung der Altstadt geben.

In solchen Aktivitäten sieht Suringh konkrete Ansätze, um etwas zu verändern, statt sich mit Wunschgedanken zu befassen, welche Zielgruppen man gerne in Monschau sehen möchte. „Wenn wir hier mehrere Fünf-Sterne-Hotels bauen, dazu ein großes Erlebnisbad, eine Skihalle und dann noch einen Golfplatz, dann kommt auch diese Zielgruppe.”

Solange diese aber nicht realisiert sind, seien Wanderer, Naturliebhaber, Kulturinteressierte und Motorradfahrer die Zielgruppe für die Eifel. Diese Gäste seien gerne bereit, Geld auszugeben. Man müsse ihnen allerdings mit entsprechenden Angeboten auch dazu die Gelegenheit bieten.

„Man sieht ja, dass es funktionieren kann”, verweist Suringh auf sein eigenes Haus, dass von 22 so genannten „Mystery Guests” unerkannt getestet wurde und im Preis-Leistungsverhältnis erneut unter die 500 besten Hotels in Deutschland gelangte.

Einen Wunsch hegt Freek Suringh, der Geschäftsführer des Carat-Hotels Monschau: Er möchte noch erleben, dass statt drei Verwaltungen eine gemeinsame Eifelkommune mit einerm Bürgermeister die jetzige Struktur ablöst. Dann hätte die Region einige Probleme weniger, wie zum Beispiel Schulen oder Schwimmbäder. Derzeit versuchten die Kommunen, sich gegenseitig auszuspielen, statt auf gemeinsame Stärken und das Miteinander zu setzen wie dies auch bereits erfolgreich auf touristischer Ebene praktiziert werde.

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