Wieder Schafe in Mützenich gerissen: Dritter Fall in fünf Wochen

Dritter Fall innerhalb von fünf Wochen : Wieder Schafe in Mützenich gerissen

Auf einer Weide an der Reichensteiner Straße in Mützenich sind wieder tote Schafe gefunden worden. Das ist jetzt der dritte Fall in der Nordeifel innerhalb von fünf Wochen. Am Morgen des 14. Mai hatte Günter Latour, der Halter der Schafe, die drei toten Lämmer entdeckt.

Insgesamt befanden sich rund 40 Muttertiere mit ihren Lämmern auf der Weide. „Ich habe mich dann an die Stadt Monschau gewendet und die hat mich an Hermann Carl verwiesen“, sagt Latour. Wildtierexperte und Wolfsberater Hermann Carl war dann im Auftrag des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) vor Ort, um DNA-Proben zu nehmen. Seiner Meinung nach könnte es sich in einem Fall um eine Totgeburt gehandelt haben.

Für die anderen beiden toten Lämmer sei aber sehr wahrscheinlich ein anderes Tier verantwortlich. Beide Schafe wurden in den Rücken gebissen und eines halbiert und mitgenommen. „Ob es sich bei dem Täter um einen Wolf handelt, muss die Auswertung der DNA-Spuren zeigen“, sagt Carl. Das kann bis zu sechs Wochen dauern.

Der erste Fall ereignete sich am 11. April ebenfalls an der Reichensteiner Straße in Mützenich nur knapp 200 Meter von dem jüngsten Tatort entfernt. Damals wurden im Abstand von weniger als 20 Stunden zwei Schafe gerissen.

Zu einem weiteren Vorfall kam es am 29. April auf einer Weide zwischen Imgenbroich und Mützenich in der Nähe des Vennbahnradweges. Fahrradfahrer hatten dort morgens drei tote Schafe entdeckt. Beide Male war der Wolfsberater vor Ort, um sich ein Bild von der Situation zu machen und DNA-Proben zu nehmen. Die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen liegen aber noch nicht vor.

Nach dem Riss der Tiere am 29. April hatte Hermann Carl erklärt, dass es sich bei dem Täter auf jeden Fall um ein Tier aus der Familie der Caniden (Hundeartige) handele. Für einen Wolf spreche, dass zwei der Schafe mit gezielten Halsbissen getötet wurden. Auch dass zunächst die Innereien verzehrt wurden, sei typisch für einen Wolf. Außerdem seien Tage zuvor an der Monschauer Flora im Sandbett des Laufenbachs Spuren gefunden und von ihm untersucht worden, die auf einen Wolf hindeuten könnten.

Um sicher zu sein, müsste man aber eine 100 Meter lange Spur verfolgen können. Das ist hier kaum möglich“, erklärte Carl. Seiner Meinung nach könnte also tatsächlich ein Wolf für die Risse der Schafe verantwortlich sein. „Erwiesen ist das aber erst nach der Auswertung der Genproben, falls sie denn brauchbar sind“, sagte der Wolfsberater. Rein theoretisch könne es sich auch um einen großen, über lange Zeit verwilderten Hund handeln. „Die Wahrscheinlichkeit ist aber gering.“

Nach dem Riss der Schafe hatte Günter Latour zunächst Kadaverreste auf der Wiese liegen lassen und dort eine Wildkamera aufgestellt, falls der Täter zurückkommen sollte. Das brachte aber keine Ergebnisse. Er hält schon seit 25 Jahren Schafe. Vor zehn Jahren ist er mit seiner Familie nach Mützenich gezogen, weil sich ihm dort die Gelegenheit bot, die Schafe direkt am Haus auf einer Wiese zu halten. „Um die Schafe zu schützen, muss ich sie jetzt jeden Abend in den Stall bringen. Damit sind natürlich auch Mehrkosten verbunden, auf denen ich erstmal sitzen bleibe“, sagt er.

Für Latour ist es nicht die erste Erfahrung in dieser Richtung. Vor etwa zwei Jahren sei ein ausgewachsenes Schaf ausgeweidet im Stall gefunden worden, sagt er. Daraufhin habe seine Familie bei der Polizei Anzeige erstattet. Im vergangenen Frühjahr seien dann drei Lämmer ohne Kopf auf seiner Weide gefunden worden. „Da haben wir aber noch nicht an einen Wolf gedacht und deshalb nichts unternommen“, erläutert Latour.

Eine Übersicht der Nutztierrisse und der Ergebnisse der Untersuchungen ist unter www.wolf.nrw/wolf/de/management/nutztierrisse zu finden.

Mehr von Aachener Zeitung