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Victor-Komplex: Wie lange muss die Passage geöffnet sein?

Victor-Komplex : Wie lange muss die Passage geöffnet sein?

Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, die der Monschauer Bau- und Planungsausschuss in seiner öffentlichen Sitzung am Dienstag beantworten soll: Muss eine längst nicht mehr vorhandene historische Gasse weiterhin als öffentlicher Weg gewidmet sein?

Die Stadtverwaltung hält unbeirrt daran fest, dass die Schmöttsgasse auch auf dem Stückchen als öffentlicher Weg gewidmet bleibt, das als Passage mitten durch das Kaufhaus Victor führt. Sie empfiehlt deshalb den Mitglieder des Ausschusses, den Wunsch des Kaufmanns abzulehnen, der ganz formal erforderlich den Bebauungsplan geändert sehen möchte. Er hatte beantragt, das Wegerecht aufzuheben.

Dabei geht es in der Praxis eigentlich nur um eine Lappalie. Klaus Victor möchte einmal mehr die Nutzung von Immobilie und Geschäft optimieren. Gerade die Coronavirus-Krise fordert (sein) unternehmerisches Handeln ein. Mit neuen geschäftlichen Akzenten soll die Frequenz der Passage erhalten oder gar gesteigert werden. Zur verbesserten Präsentation des Sortiments sollen die beiden geplanten, schräg gegenüber liegenden Verkaufsbereiche in einem sanften Rund ein klein wenig in den heute fünf Meter breiten Weg ragen.

Darin wiederum sieht der Kaufmann die Erfordernis, die Passage zwischen Trierer Straße und Aldi außerhalb seiner Geschäftszeiten für die Öffentlichkeit zu schließen. Damit würde aber gegen Planungsrecht verstoßen.

Wegerecht für Allgemeinheit

In dem vor zwei Jahrzehnten aufgestellten Bebauungsplan wurde aber explizit das Wegerecht für Allgemeinheit und Versorgungsträger festgeschrieben. Allerdings wird bereits heute die Passage zwischen Mitternacht und 6 Uhr in der Früh wird der Durchgang sicherheitshalber verschlossen.

Im Alltag ist die Nutzung der Passage tagsüber an Werktagen sicherlich bequem, zur Abendzeit bei weitem nicht mehr so stark nachgefragt. Die Passage ist nicht alternativlos. 30 Schritte in Richtung Norden besteht ein erster Fußweg jüngeren Alters, der an den Fachmärkten vorbei in Richtung Aldi führt. 80 Schritte in Richtung Süden ermöglicht die Matthias-Offermann-Straße die gleiche Verbindung.

 Von der einstigen Schmöttsgasse, die bis vor die Kirche führte, ist längst nur noch die Sackgasse hinter Aldi übrig geblieben.
Von der einstigen Schmöttsgasse, die bis vor die Kirche führte, ist längst nur noch die Sackgasse hinter Aldi übrig geblieben. Foto: Jürgen Lange

Imgenbroicher halten aber gerne die Historie der Schmöttsgasse hoch, die es so wie einst seit Jahren nicht mehr gibt. Spätestens mit dem Bau des Discounters wurde die geschichtsträchtige Verbindung endgültig auf direktem Wege unterbrochen. An der Laderampe vorbei kann man aber noch barrierefrei den Rest der Schmöttsgasse erreichen, die sich heute als dicht bebaute Sackgasse präsentiert.

Einst zog aber die Bevölkerung von der St.-Josef-Kirche auf direktem Wege weiter durch die Schmöttsgasse in Richtung Friedhof am Bruchzaun, während man heute bei den entsprechenden Gelegenheiten über die Matthias-Offermann-Straße zieht.

Bedeutung der Schmöttsgasse

Allerdings hat bei der Debatte zur Victor-Erweiterung vor zwei Jahrzehnten der Verlauf der alten Gasse eine größere Rolle gespielt. Zumindest eine so große, dass sie Thema im Bebauungsplan wurde. Darauf weist auch heute die Verwaltung hin. „Die Bedeutung der Schmöttsgasse sollte von der Bundesstraße aus gesehen fußläufig gesichert werden beziehungsweise erhalten bleiben“, schreibt sie in ihre Vorlage für den Planungsausschuss. Und folgert daraus: „Da damit eine Sicherung zugunsten der Allgemeinheit besteht, sollte aus Sicht der Verwaltung sieben Tage pro Woche zumindest tagsüber der Durchgang möglich sein.“

Eine Änderung dieses Wegerechtes würde die Bauleitplanung wesentlich berühren, argumentiert das städtische Planungsamt. Eine Befreiung von den Festsetzungen des Bebauungsplanes sei aber nur dann möglich, wenn dessen Grundzüge nicht wesentlich tangiert werden.

Sie schlägt der Politik deshalb vor, die beantragte Aufhebung des Wegerechts abzulehnen, und rät dem Kaufmann, seine Pläne so zu ändern, dass „der Durchgang durch die Passage auch nach Geschäftsschluss weiter aufrecht erhalten bleiben“ kann. Darüber beraten wird in öffentlicher Sitzung am 19. Januar ab 18 Uhr in der ehemaligen Hauptschule an der Walter-Scheibler-Straße.

Schmöttsgasse