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Einkaufszentrum und Markthalle : Wachstum sorgt für Bauchschmerzen in Imgenbroich

Einkaufszentrum und Markthalle : Wachstum sorgt für Bauchschmerzen in Imgenbroich

Während die Errichtung einer Markthalle neben dem Bürger-Casino realisiert werden kann, stoßen die weiteren Ausbaupläne für Imgenbroich rund um den Lidl-Markt auf teils erhebliche Bedenken. Den ersten Schritt haben die großen Pläne nun aber dennoch getan.

In den frühen 70er-Jahren, als sich neben dem wachsenden Kaufhaus Victor ein Aldi-Markt ansiedelte, begann der steile Aufstieg des alten Tuchmacherdorfes Imgenbroich zum Einkaufs- und Geschäftszentrum für die gesamte Stadt Monschau und später auch für das gesamte Umland bis weit hinein nach Ostbelgien und in den Nachbarkreis Euskirchen. Die räumliche Ausdehnung hat nicht immer allen Bürgern und Politikern gefallen, doch die Entwicklung war mit Blick auf Infrastruktur, Nutzen für die Bürger und Gewerbesteuereinnahmen für eine ganze Stadt letztlich nie aufzuhalten. Indes scheint der immer weitere Ausbau des Geschäftszentrums Imgenbroich auch nach 50 Jahren noch nicht ausgeschöpft zu sein.

Die jüngste Bauleitplanung, die der Monschauer Bau- und Planungsausschuss nun auf dem Tisch hatte, sieht eine deutliche Erweiterung des Lebensmitteldiscounters Lidl und die Ansiedlung weiterer Einzelhandelsbetriebe sowie eines Fitnesscenters im Bereich zwischen Trierer Straße, Hengstbrüchelchen und Auf Beuel vor. Konkret möchte sich die Lidl-Filiale von 1.000 auf 1.474 Quadratmeter (qm) Verkaufsfläche erweitern. Außerdem sollen ein Elektrofachmarkt mit 1.200 qm Verkaufsfläche, Filialen des Drogeriediscounters Rossmann (700 qm) und des Bekleidungsdiscounters NKD (400 qm), eine weitere Bäckerei mit Café (50 qm Verkaufsfläche zuzüglich Gastronomie- und Sitzbereich) sowie ein Fitnessstudio neu entstehen.

Die Pläne, die nach unserer ersten Berichterstattung in einschlägigen Onlinekanälen bereits kontrovers diskutiert und überwiegend heftig kritisiert wurden, trafen auch im Bauausschuss nicht auf einhellige Begeisterung. „Wir sehen da an einigen Stellen noch Gesprächsbedarf und hätten uns wohler gefühlt, wenn die Planungen vorab in einem Arbeitskreis abgestimmt worden wären. Wir werden aber zunächst der Einleitung des Verfahrens zustimmen“, sagte Hilmar Weber für die CDU-Fraktion. Es werde sicherlich im Laufe des Verfahrens „die Möglichkeit geben, an der ein oder anderen Stelle nachzubessern und mit dem Investor zu reden“, meinte Weber.

„Diese Planung ist nicht gerade ein grünes Herzensprojekt“, bewertete Claus Sieverding (Grüne) das Vorhaben. Auf der einen Seite stünden der Abriss von vier Gebäuden und die Versiegelung weiterer Flächen, andererseits sei Imgenbroich der zentrale Versorgungsbereich für die Stadt Monschau. „Wir werden die Pläne daher offen, aber kritisch weiter begleiten“, sagte Sieverding und kündigte ein uneinheitliches Abstimmungsverhalten seiner Fraktion an.

 Auch die beiden leerstehenden Wohnhäuser nördlich vom heutigen Lidl-Markt (Hausnummern 218 und 220) sollen für die ehrgeizigen Erweiterungspläne weichen.
Auch die beiden leerstehenden Wohnhäuser nördlich vom heutigen Lidl-Markt (Hausnummern 218 und 220) sollen für die ehrgeizigen Erweiterungspläne weichen. Foto: Heiner Schepp

Deutlichere Ablehnung erfolgte hingegen seitens der übrigen Fraktionen. Zwar sei eine zweigeschossige Nutzung durch Elektronikmarkt und Fitnessstudio zu begrüßen, jedoch störe die FDP sich daran, dass hier die x-te Bäckerei geplant sei. „Deshalb und weil wir das örtliche Handwerk unterstützen möchten, lehnen wir das Verfahren ab“, sagte Kurt Victor. Noch deutlichere Worte fand Georg Alt für die SPD: „Wir möchten keine weiteren Billigläden in Imgenbroich und halten in diesen Zeiten den Abriss eines gerade mal zehn Jahre alten Discountergebäudes für äußerst fragwürdig“, sagte Alt. Deshalb lehne man die Einleitung des Verfahrens ab.

Imgenbroichs Ortsvorsteher Peter Weber (CDU) räumte ein, dass sich auch seine Fraktion schwergetan habe, jedoch auf weitere Gespräche mit dem Bauherrn hoffe, um die genannten Kritikpunkte auszuräumen. Die Hoffnung darauf dämpfte allerdings Bürgermeisterin Carmen Krämer: „Ich habe bereits das Gespräch mit dem Investor gesucht und genau die hier erwähnten Kritikpunkte angesprochen, hatte aber nicht den Eindruck, dass er von den vorliegenden Plänen abrücken möchte“, meinte die Bürgermeisterin.

Mit 10:5 Stimmen wurden schließlich die Änderung des Flächennutzungsplans sowie die Aufstellung des Bebauungsplans Imgenbroich Nr. 22 „Einkaufszentrum“ beschlossen. Auch wurde beschlossen, die Öffentlichkeit sowie die Behörden und Träger öffentlicher Belange an der Bauleitplanung zu beteiligen. Ob nach der Offenlage auch Bürgerbedenken für ein Scheitern des Verfahrens sorgen könnten, wollte Ausschussmitglied Manfred Schneider (CDU) abschließend von der Verwaltung wissen. Dazu Björn Schmitz: „Alle Eingaben der Bürger und der Behörden werden einzeln vom Stadtrat abgewogen. Sie können aber nur Berücksichtigung finden, wenn es nachvollziehbare rechtliche oder städtebauliche Gründe für eine Ablehnung gibt.“