Vor Einweihung der Grundschule 1952 waren viele Klippen zu überwinden

Imgenbroicher Heimat-Geschichte : Ein langer Behördenweg, ein tiefer Sturz und weicher Mörtel

Die Grundschule Imgenbroich geht in den Ruhestand. Im verspäteten Rentenalter von fast 67 Jahren erklingt am 12. Juli zum letzten Mal die Schulglocke.Im Band III der „Imgenbroicher Notizen“ hat der Verein für Heimatgeschichte Imgenbroich 2007 die Geschichte aller Schulen im Dorf und die Entstehungsgeschichte der bald schließenden Grundschule im Besonderen aufgezeichnet.

So heißt es dort: „1950 entschloss sich der Gemeinderat, die Regierung in Aachen zu bitten, die Gemeinde Imgenbroich beim Schulneubauprogramm zu berücksichtigen. Die Regierung nahm zu dem gestellten Antrag positiv Stellung, und am 17.5.50 überbrachte der Regierungsdirektor Deutzmann die Nachricht, dass die Regierung für einen Schulneubau der Gemeinde Imgenbroich den Betrag von 100.000 DM bewilligt habe, dem die Gemeinde 25 % Eigenbeteiligung hinzufügen müsse. Für diesen Betrag müsse ein Schulgebäude mit drei Klassenräumen und einem Werkraum erstellt werden. Den Grund und Boden stellt die Gemeinde.

Schon 1949 hatte die Gemeinde eine Berücksichtigung im Volksschulneubauprogramm beantragt. Ein Vorentwurf sah eine vierklassige Schule in zwei Stockwerken vor, alternativ eine dreiklassige Schule, bei der die Klassenräume parterre untergebracht werden sollten. Ausdrücklich wurde auch auf die Dringlichkeit zum gleichzeitigen Bau einer Turnhalle hingewiesen.

Die Gemeinde kaufte in der ‚Kuhlejaas’ 3700 qm Land zum Preis von 2 DM/qm. Es war auch überlegt worden, die neue Schule auf dem Kirchplatz zu errichten und die Kirche auf die andere Straßenseite zu verlegen, wie Amtsdirektor Lauscher in der Chronik der Amtsverwaltung schreibt.

Ein für die Volks- und später Grundschule Imgenbroich typisches Bild einer Schulklasse vor dem prägenden Bruchsteinportal des Schulgebäudes. Hunderte von Klassen, Tausende von Kindern und Generationen von Schülerinnen und Schülern gingen durch diesen Eingang in 67 Jahren täglich zum Unterricht. Foto: Archiv Stadt Monschau

Um den Bau nach modernen Gesichtspunkten auszuführen, fuhren der Gemeinderat, Amtsdirektor Lauscher und der Lehrer Fröhlich zum Regierungsbauamt nach Aachen und ließen sich dort Pläne für Schulgebäude vorlegen. Allgemeine Anerkennung fand ein Plan des Baumeisters Klärding, der anläßlich der Schulhausausstellung in Düsseldorf im lahre 1950 prämiert worden war, und der gegenwärtig in Merbeck im Bez. Aachen baulich ausgeführt wird. Der Gemeinderat beauftragte den Baumeister Klärding, für Imgenbroich einen ähnlichen Plan vorzulegen. Da Imgenbroich keine Turnhalle hat, wurde in dem Plan auch der Bau einer Kleinturnhalle vorgesehen.

Der von Baumeister Klärding vorgelegte Plan fand die Zustimmung des Gemeinderates. Nun wurde nach dem Plan ein Modell angefertigt, und das Modell wurde mit den dazugehörigen Zeichnungen zur Besichtigung in einem Klassenraum der Volksschule öffentlich ausgestellt. Die Ausstellung war gut besucht, und man hörte, wie viele Imgenbroicher ihrer positiven Beurteilung Ausdruck verliehen.

Im Sommer 1950 wurde mit dem Schulneubau begonnen. Während der Wintermonate 1950/51 wurde die Straße zum Schulneubau und die Kanalisation gebaut. In der Chronik der Amtsverwaltung Imgenbroich ist unter dem Jahr 1950 festgehalten: Nach dem von dem Architekten Klarding gefertigten Plan wird ein eingeschossiges Gebäude errichtet, das drei Klassen mit Lehrerzimmer, Toiletten, Lehrmittelzimmer und Gruppenräumen im ersten und einen Werkraum, Badeanlage und Turnhalle im zweiten Bauabschnitt vorsieht. Das Obergeschoß erhält eine Hausmeisterwohnung. Die Grundmauern einschließlich Keller wurden bereits im Herbst durch die Firma Jansen & Kaiser in Ratheim als Arbeitsgemeinschaft ausgeführt. Die Witterung erlaubte die Fortführung der Bauarbeiten nicht mehr.

Am 12.4.1951 fand die Grundsteinlegung der neuen Schule statt. Der Urkunde wurde ein Auszug aus der Schulchronik unseres Dorfes beigefügt, aus dem spätere Geschlechter über das Leben und die Not der gegenwärtigen Generation nach dem großen Kriege Nachricht erhalten sollen. Die Festansprache hielt Regierungsdirektor Dr. Deutzmann. Die Grundsteinlegung begann mit einem Gottesdienst um 8.30 Uhr. In einer ‚Prozession’ unter Beteiligung des Musikvereins zog man zum Neubau. Laut Ratsbeschluss vom 31.10.1950 erhielt der Musikverein 50 DM als Pauschale für den Verdienstausfall der Musiker. Im Anschluss an die Feier gab es im Lokal Roeben ein kleines Frühstück. Dazu sollten 400 belegte Brötchen und Kaffee gereicht werden. Die Bauarbeiter erhielten außerdem Biermarken im Wert von 4 DM. Die Gäste wurden ‚freigehalten’.

Die Bauarbeiten gingen im |ahre 1951 sehr zügig voran, so dass bereits am 27.4.51 die Submission der Zimmererarbeiten erfolgen konnte. Den Zuschlag erhielt die Firma Josef Cremer aus Imgenbroich. Josef Cremer jun. stürzte am 15.9.51 bei den Zimmererarbeiten vom 1. Obergeschoss in den Keller und wurde mit schweren Kopfverletzungen in das Hospital Monschau eingeliefert. Auch andere Imgenbroicher Handwerker wurden beim Bau berücksichtigt: Die Dachdeckerarbeiten führte die Firma Radermacher aus, die Installation die Firma Weishaupt und die Schreinerarbeiten eine Arbeitsgemeinschaft Imgenbroicher Schreiner.

Am 22.9.51 feierte die Arbeiterschaft mit der Gemeindeverwaltung das Richtfest der neuen Schule. Während des Baus trat ganz allgemein im Bundesgebiet eine Teuerung ein, die sich auf die Preise für das Baumaterial und die Löhne stark auswirkte. Außerdem wurden die Mittel zur Kriegsschädenbeseitigung verringert. So konnte der Schulbau nicht im vorgesehenen Umfang ausgeführt werden, nur der erste Bauabschnitt mit drei Klassen und Nebenräumen wurde fertiggestellt. Laut Schulchronik hat dieser Bauabschnitt 206.591,29 DM gekostet.

Während des Baus gab es seitens des Rates häufig Unstimmigkeiten mit dem Architekten Klärding, der die Bauaufsicht führte. So wurden z.B. die Qualität der Bruchsteine, die Mörtelmischung und die Isolierung an der Wetterseite beanstandet, vor allem auch die Entwässerung des Grundstückes. Da der Architekt auf diese Beanstandungen nur z.T. zur Zufriedenheit des Rates reagierte, erhielt er für die weiteren Bauabschnitte keinen Auftrag mehr.

Am 27.9.1952 konnte die Schule eingesegnet und eingeweiht werden. Laut Beschluss des Gemeinderates erhielten die Schulkinder aus diesem Anlass Süßigkeiten im Werte von 1 DM. Zunächst saßen die Kinder in den drei Klassenräumen noch auf den Schulbänken der alten Schule.“

(hes)
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