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Geburtstag: Voller Optimismus durch das Leben gegangen

Geburtstag : Voller Optimismus durch das Leben gegangen

Magda Förster ist 100 Jahre alt geworden. Sie singt, dichtet und trägt Geschichten vor.

Ein Text über die 100-jährige Magda Förster kann ihrer Persönlichkeit kaum gerecht werden. Auch in diesem hohen Alter erweist sie sich noch als eine humorvolle, wortgewandte und lebendige Sprachkünstlerin. Mit ihren Erzählungen zieht sie Bürgermeisterin Dr. Carmen Krämer, Ortsvorsteher Peter Weber und alle anderen Gratulanten in ihren Bann. Und zu erzählen hat sie nach einem Jahrhundert natürlich viel.

Geboren wurde sie in einem Ort bei Jena. Eine ihrer schönsten Erinnerungen hat sie an den großen Garten ihrer Großmutter mit blauen und gelben Zwetschgen. „Großmutter, du musst schütteln!“, spornte sie damals ihre Oma an. „Und schon fielen die Eierpfläumchen herunter. Wir sammelten sie in unsere Schürzen, setzten uns auf die Bank und aßen alle auf“, erzählt Magda Förster mit einem Leuchten in den Augen. Doch auch der strenge Lehrer Stegmann gehört zu ihren Kindheitserinnerungen: „Komm ans Pult! Erzähle vom Wasser!“ Man sieht ihn förmlich vor sich stehen. Ebenso die zehn bunten Zuckerpfeifchen, die sie sich für einen Groschen kaufte, der eigentlich für eine Semmel gedacht war. Zweifellos ist an Magda Förster eine Schauspielerin verloren gegangen.

Doch auch als Bibliothekarin in Jena wurde ihr Sprachtalent entdeckt. Und so schrieb sie im Auftrag der Bibliothek etliche kleine Bücher mit Gedichten oder Balladen. Zwei überreichte sie am Sonntag zur Feier des Tages Carmen Krämer und schrieb ihr noch eine Widmung hinein.

Immer wieder wurde sie im Laufe ihres Lebens gebeten, Geschichten oder Gedichte vorzutragen. „Einmal hat ein Mann so gelacht, dass er nicht mehr aufstehen konnte“, erzählt sie nicht ohne Stolz. So verwundert es nicht, dass sie auch als Sängerin auf eine lange Geschichte zurückblicken kann. 50 Jahre sang sie im Chor der Philharmoniker in Jena. Und auch heute beteiligt sie sich noch gerne an den regelmäßigen Singangeboten des Seniorenheims Theißen, das sie seit sechs Jahren bewohnt. Wenn andere Bewohner nach der ersten oder zweiten Strophe kapitulieren, geht es bei Magda Förster noch lange weiter. Auch wenn sie die Töne nicht mehr alle trifft, an Textsicherheit ist sie kaum zu übertreffen. „Ein Gedicht darf nicht geleiert werden. Da muss Ausdruck rein!“, weiß sie und gibt ihren Gästen eine beeindruckende Kostprobe von „Ein Brunnen vor dem Tore“.

Voller Optimismus ist Magda Förster durch ihr Leben gegangen, hat den Krieg überstanden, ihre drei Töchter zur Welt gebracht und ihre Heimat verlassen. Rund um Jena gab es viel Wald und so hat sie noch vor der Wende in Aachen und in der Eifel eine zweite Heimat gefunden. „Es war nicht alles schlecht in der DDR“, ist ihre Tochter heute noch überzeugt. „Das Studium war kostenlos, das Mensa-Essen günstig. Auch die medizinische Versorgung kostete nichts.“ Dennoch ging die Tochter der Liebe wegen in den Westen und holte ihre Eltern nach, als diese Rentner waren. Ihre Schwester floh gemeinsam mit dem achtjährigen Sohn im Kofferraum eines R4 auf abenteuerliche Weise, um wieder bei der Familie zu sein.

Die Familie war durch das gemeinsame Musizieren immer eng verbunden. Auch heute singt Magda Förster noch mit Begeisterung gemeinsam mit ihren drei Enkeln und ihren beiden Urenkeln. „Ich überlege mir immer besondere Lieder für sie. Auch für die Eifel habe ich ein Lied gedichtet“, bekennt sie. Nicht viele Menschen sind in jungen Jahren so lebendig und kreativ wie diese Hundertjährige. Dennoch macht auch sie sich Sorgen, wenn sie beobachtet, „wie sich heute alles verdreht. Die Fahrzeuge sind so schnell, dass ich Angst um meine Urenkel habe. Das Essen wird immer teurer. Aber etwas war ja immer … Es kommt immer darauf an, wie man darüber denkt. Gründlich nachdenken sollten alle! Die Denk-Arbeit ist das beste und wichtigste, was es gibt!“