Viehhalter in der Nordeifel sorgen sich wegen Rückkehr des Wolfes

Nach Sichtung im Hohen Venn : Rückkehr des Wolfes bereitet Viehhaltern in der Eifel Sorgen

Nachdem der Naturfotograf Roger Herman im Hohen Venn in Belgien einen Wolf fotografiert hat und die Bilder in Zeitungen und sozialen Netzwerken veröffentlicht wurden, wächst bei vielen Viehhaltern die Sorge um ihre Tiere.

Dazu gehört auch Martina Mainz-Kwasniok, die mit ihrer Familie und acht Islandpferden an der Eupener Straße in Mützenich in der Nähe des Hohen Venns lebt.

Mehrfach hatten sie und ihr Mann in den vergangenen Wochen große Pfotenabdrücke im Schnee entdeckt, die aus Richtung Venn kommend zu ihrem Haus und den Paddocks (befestigter Auslauf für Pferde) führten. „Das Tier muss allein unterwegs gewesen sein, denn menschliche Spuren gab es nicht“, sagt Martina Mainz-Kwasniok.

Als jetzt erneut ein Wolf im Hohen Venn gesichtet wurde (eine erste Sichtung gab es bereits im Sommer 2018), kam ihr der Verdacht, dass er vielleicht auch für die Spuren rund um ihr Haus verantwortlich ist. „Die Spuren so nah am Haus gefallen mir nicht. Islandpferde werden ganzjährig im Freien gehalten, die kann ich nicht gegen den Wolf schützen“, sagt sie. Eigentlich wollte sie bald wieder mit der Zucht dieser robusten Pferderasse beginnen. Diese Pläne hat sie jetzt aber erstmal aufgegeben.

Obwohl Martina Mainz-Kwasniok und ihr Mann Fotos von den Pfotenabdrücken gemacht haben, wird sich nicht klären lassen, ob es sich in diesem Fall tatsächlich um einen Wolf oder eher um einen streunenden Hund gehandelt hat. „Anhand der Abdrücke ist eine klare Aussage schwer möglich“, sagt Hermann Carl aus Monschau.

Er ist einer der Wolfsberater, die vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) ausgebildet wurden. Auch wenn er die Abdrücke eher einem Hund zuordnen würde, will er nicht ausschließen, dass der Wolf inzwischen auch in der Nordeifel unterwegs ist. „Theoretisch kann der Wolf hier überall auftauchen“, sagt Carl. Das sei kein Grund zur Hysterie, verharmlosen dürfe man die Wölfe aber auch nicht. „Zwischen den Befürwortern der Rückkehrs des Wolfes und den Viehbesitzern wird es wohl immer Streit geben“, meint er.

Wenn es um den Wolf und seine Rückkehr geht, laufen in NRW alle Fäden beim LANUV zusammen, wo der Arbeitskreis „Wolf in NRW“ eingerichtet wurde. Ziel ist es, Konzepte zu erarbeiten, die das Nebeneinander von Mensch und Wolf gewährleisten sollen. Dazu gehören Verfahren für die Entschädigung von Nutztierrissen, die Ausbildung von Wolfsberatern wie Hermann Carl, die Erfassung von Hinweisen zum Vorkommen des Wolfes sowie die Bereitstellung von Informationen. Dazu wurde die Internetseite www.wolf.nrw eingerichtet.

Dr. Matthias Kaiser ist beim LANUV Leiter des Fachbereichs Artenschutz und befasst sich seit über zehn Jahren mit dem Thema. Beim Thema Wolf gebe es auch einen Austausch mit den belgischen Behörden, von daher seien ihm die jüngst veröffentlichten Fotos bekannt. In der Städteregion habe es aber noch keinen einzigen Nachweis gegeben. „Sonst hätten wir das bekanntgegeben. Sobald es einen Nachweis gibt, wird der auch auf unserer Internetseite veröffentlicht“, sagt er. Sehr wohl habe das LANUV in der Vergangenheit aber auch einzelne Hinweise aus der Region erhalten. „Solche Hinweise sind schon sehr wichtig, um bei zeitlicher und räumlicher Häufung entsprechend reagieren zu können“, erklärt Kaiser. Am besten wende man sich an einen der Wolfsberater, die auch über die Internetseite (siehe oben) zu finden sind. „Die wissen, was sie tun müssen“, sagt Kaiser.

Damit sollte man aber nicht zu lange warten. Schadensersatz gibt es beim Tod eines Nutztieres nämlich nur, wenn der Wolf zweifellos der Verursacher ist. „Deshalb ist es wichtig, sich bei einem solchen Verdacht so schnell wie möglich an das LANUV oder einen Wolfsberater zu wenden, damit rechtzeitig eine Genprobe genommen werden kann, um den Verdacht zu bestätigen“, erklärt Carl.

Vor einiger Zeit sei es im Falle eines Schafhalters aus Mützenich dafür schon zu spät gewesen. Nachdem ein Schaf gerissen und ein anderes mit Bisswunden aufgefunden wurde, habe es eine Woche gedauert, bis er verständigt wurde. „Da war es schon zu spät“, sagt Carl.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Wolf im Hohen Venn

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