Organisator Helmut Lanio spricht über die besonderen Herausforderungen

20. Monschau-Festival : „Das Festival bleibt lebendig“

Zum 20. Mal geht das Monschau-Festival in der kommenden Woche auf der Burg über die Bühne. Helmut Lanio ist als Geschäftsführer der Monschau-Festival gGmbH und Organisator von Anfang an dabei.

Unser Redakteur Andreas Gabbert hat mit ihm über die Geschichte des Festivals und die besonderen Herausforderungen gesprochen.

Sie sind von Anfang an dabei und für die Organisation verantwortlich. Wie ist es dazu gekommen?

Helmut Lanio: Zu meiner Aufgabe als Organisator bin ich wie die Jungfrau zum Kinde gekommen. Der Initiator des Festivals, Hans Georg Weiss, war damals mein Chef, und er hat das einfach festgelegt. Mir macht diese Aufgabe bis heute Freude.

Was gehört dabei zu den größten Herausforderungen?

Lanio: Das beginnt schon mit der Planung der Termine und der Abläufe. Das ist ja so eng auf der Burg. Das Equipment kann nur mit einem 7,5-Tonnen-Lkw hochgebracht werden. Das ist sonst nicht machbar. Auch die Hubfahrzeuge müssen spezielle Anforderungen erfüllen, sonst kommen sie nicht um die Kurve. Mit unserem eingespielten Team und der tollen Unterstützung des Bauhofs bekommen wir das aber immer wieder gestemmt.

Die Gegebenheiten auf der Burg stellen Helmut Lanio und sein Team immer wieder vor Herausforderungen: „Mit unserem eingespielten Team und der tollen Unterstützung des Bauhofs bekommen wir das aber immer wieder gestemmt", sagt er. Foto: Peter Stollenwerk

Hätte man dann nicht lieber einen anderen Ort auswählen sollen?

Lanio: Die Burg ist für ein Festival der ungünstigste Standort in Monschau, den man sich aussuchen kann. Gleichzeitig ist es aber auch der schönste Platz, den die Stadt zu bieten hat. Das ist unser Alleinstellungsmerkmal.

In den ersten Jahren hieß die Veranstaltung noch Monschau-Klassik, später war von Festspielen die Rede und heute vom Festival. Wie kam das?

Lanio: Der Wechsel von der Monschau-Klassik, bei der zunächst ausschließlich Opern auf dem Programm standen, hin zum Monschau-Festival war ein schleichender Prozess. Zunächst gab es Überlegungen, mal eine Operette aufzuführen, später dann auch Veranstaltungen mit Musical-Elementen. Die Inhalte veränderten sich, gleichzeitig ließ das Interesse an Klassik dramatisch nach. Während früher sechs Opern ausverkauft waren, sind wir heute froh, wenn wir das bei einer Oper schaffen. Das war reiner Selbsterhaltungstrieb. Das war nötig, damit wir zumindest mit einem kleinen Plus abschließen. Aufgrund des kleinen Einzugsgebietes ist es wichtig, möglichst für jeden Geschmack etwas zu bieten. Wir leben eben nicht in einer Metropolregion, sondern in der Eifel. Die Vielfalt hält das Festival lebendig.

Wäre es dann nicht einfacher, nur auf Bewährtes zu setzen, das die Leute anzieht?

Lanio: Sicherlich wäre das einfacher. Indirekt haben wir als Veranstalter aber auch einen kulturellen Auftrag. Zumindest verstehe ich meine Aufgabe so. Wir könnten auch dreimal die Höhner auftreten lassen, dann wären wir auf der sicheren Seite. Wir bemühen uns aber auch, kulturelle Impulse zu setzen, was in Konkurrenz zu anderen Veranstaltungen nicht immer einfach ist, da der Etat relativ klein und die Zahl der Plätze auf der Burg begrenzt ist. Mit diesem Anspruch kostendeckend zu wirtschaften und das Festival weiterzuentwickeln, ist richtige Arbeit. Mit einer schwarzen Null sind wir schon zufrieden. Deshalb sind wir froh, dass wir verlässliche Sponsoren haben, die uns in dieser Vorgehensweise bestärken.

Und was erwarten die Künstler von einem Veranstalter?

Lanio: Die Künstler leben nicht mehr von ihren verkauften Tonträgern, sondern von ihren Auftritten, und die Gagen steigen. Hinzu kommt der stetig steigende technische Aufwand, den die Künstler sogar auf der historischen Burg erwarten, zum Beispiel bei den Beleuchtungseffekten. Die Herausforderung besteht darin, einen Mittelweg zu finden, der 85 Prozent der Wünsche erfüllt. Das ist manchmal die Hölle. Angaben zum Wetter gehören zum Standard in den Verträgen mit den Musikern, die meist im Oktober unterzeichnet werden. Wenn ich dann im Sommer während des Festivals auf der Burg stehe und sehe wie die Sonne untergeht und langsam der Nebel aus dem Tal aufsteigt, denke ich manchmal, hoffentlich geht das gut.

Das klingt so als seien manche Künstler ganz schön kompliziert.

Lanio: Dass sich bei den Wünschen an die Veranstalter teils auch kuriose Auswüchse ergeben, etwa was die Speisen und Getränke angeht, ist meist auf das Management und weniger auf die Künstler zurückzuführen. Das Management versucht manchmal ein Image aufzubauen, das nicht mehr zeitgemäß ist. 99 Prozent der Künstler sind pflegeleicht und wollen einfach ihre Musik aufführen. Das steht für sie im Vordergrund. Auf der Burg gibt es kein Leben in Saus und Braus, wie es dem Klischee entsprechen würde. Bioprodukte und alkoholfreie Getränke sind bei den Künstlern angesagt, der Alkohol ist meist für die Crew bestimmt. Auf der Bühne gibt es in der Regel Wasser. Manfred Mann zum Beispiel bevorzugt eher Tee. Die Mitglieder einer Irish-Folk-Band waren die einzigen, die hier gut was getrunken haben. Wie professionell die Künstler sind, ist oft schon beim Soundcheck zu erkennen. Je jünger und unbekannter, desto komplizierter. Die Guten wie Albert Hammond, Manfred Mann, die Höhner oder Barclay James Harvest sind schnell fertig.

An welche Auftritte erinnern Sie sich denn besonders gut?

Lanio: Besondere Erinnerungen verbinde ich mit den Auftritten der Liedermacher Hannes Wader und Konstantin Wecker. Gerne denke ich an ihre gemeinsamen Auftritte auf der Burg zurück, auch wenn etwas Wehmut dabei mitschwingt, denn die beiden werden wohl nicht mehr zusammen auf der Bühne zu sehen sein. Gleichzeitig ist mit dem letzten Auftritt von Konstantin Wecker hier in Monschau auch die größte Enttäuschung verbunden. Das ist ein deutschsprachiger Sänger, der etwas zu sagen hat, der Mut zeigt und Stellung bezieht. Auch hier in Monschau hat er für den Rechtsruck in Deutschland klare Worte gefunden. Mir lief es kalt den Rücken runter. Aber wenn ich dann sehe, dass 200 Plätze frei bleiben, tut das weh und ich frage mich, was mit der Gesellschaft los ist. Mit einem Schlagerstar wäre die Burg sicher voll gewesen.

Wie wird es mit dem Festival weitergehen?

Lanio: Ich bin überzeugt, dass das Festival eine bunte Mischung braucht. Deshalb bin ich auch froh, dass in diesem Jahr die junge Musikerin Lea dabei ist. Die ist jung und frisch. Sie spricht eine andere Altersgruppe und ein anderes Publikum an. Das brauchen wir auch, sonst vergreisen wir. Aber auch der Jazz soll weiterhin seinen Platz im Programm haben, auch wenn sich das meistens nicht rechnet. Das Festival bleibt lebendig.

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