„Euregionale musicum“: Musik in der Grenzregion mit Uraufführung

„Euregionale musicum“: Musik in der Grenzregion mit Uraufführung

Florian Koltuns Ideen und Energien kennen keine Grenzen. Ein neues Projekt nennt sich „Euregionale musicum“ und arbeitet mit Stellen aus Ostbelgien zusammen. Ein kleiner Zyklus von Konzerten unter dem genannten Obertitel findet derzeit in Eupen und Monschau statt, konkurriert aber mit gleichzeitigen Koltun-Projekten.

Vielleicht ist zu empfehlen, das angezielte Publikum terminlich nicht zu überfordern. So hätte das hervorragende Konzert am Samstagabend im Monschauer Aukloster sicher ein größeres Auditorium verdient gehabt. Immerhin: die anwesenden Zuhörer erlebten so etwas wie eine Sternstunde. Zu Gast war das Kammermusik-Duo Danae Dörken am Klavier und Benedict Klöckner, Violoncello. Was die beiden an diesem Abend boten, war durchweg sehr ansprechend.

Das begann schon bei der ersten Komposition des Programms, dem „Adagio und Allegro“ op. 70 von Robert Schumann, das der romantische Komponist ursprünglich für Horn und Klavier geschrieben, dann aber auch für Cello bearbeitet hatte. Schon hier merkte man die Feinheit des Aufeinanderhörens und -eingehens der beiden Künstler. Diese war bei dem zweiten Programmpunkt noch weit mehr herausgefordert, bei Dmitrij Schostakowitschs Cellosonate in d-moll op. 40. Die private und politische Angefochtenheit des Komponisten während der Stalin-Zeit in der Sowjetunion macht sich bereits in diesem relativ frühen Werk durch depressive Melancholie bei den langsamen Sätzen und andererseits durch expressive Rhythmik bemerkbar, was bedeutende Flexibilität der Interpreten verlangt. Danae Dörken und Benedict Klöckner wurden dem in jeder Weise gerecht.

Nach der Pause brillierte Benedict Klöckner zunächst mit einem Satz aus der Sonate für Violoncello-Solo von Eugène Ysaye, bevor die beiden Künstler zu Robert Schumann zurückkehrten mit dessen „Fünf Stücken im Volkston“ op. 102. Dann gab es eine veritable Uraufführung in Gestalt der „Zwei Studien zu einer Landschaft“ des Monschauer Komponisten Anno Schreier. Es war dies eine Auftragskomposition eigens für diesen Anlass. In einem kleinen erläuternden Dialog ließen es Anno Schreier und Florian Koltun beziehungsreich offen, ob die gemeinte Landschaft die heimatliche Eifel-Landschaft des Komponisten ist. Manche Zuhörer erkannten aber die herbe Venn- und Eifelregion besonders in dem langsamen, in ihrer Nachdenklichkeit durchaus an den zuvor gehörten Schostakowitsch erinnernden ersten Stück wieder.

Im zweiten Stück, das in seiner rhythmischen Komplexität den Interpreten wiederum einiges abverlangte, war ebenfalls etwas von der Verve und der Energie des russischen Komponisten mitzuhören, wenn auch in einer noch gesteigerten und dabei mehr die Ironie berufenden Form. Großer Zuspruch für die Interpreten und den anwesenden Komponisten.

Nach diesem zweiten Höhepunkt des Abends klang der Abend mit einer „Humoreske“ des russischen Cellisten Mstislav Rostropowitsch aus. Der große Beifall des Publikums wurde aber noch belohnt mit einem weiteren russischen Glanzstück als Zugabe, dem „Pezzo capriccioso“ von Peter Tschaikowsky. Die beiden Künstler, der Komponist und der Impresario blieben mit dem verbliebenen Teils des dankbaren Publikums noch einige Zeit nach Schluss des Konzerts im Gespräch zusammen.

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