Mützenich: Wolf hat Schaf in der Eifel gerissen

Ergebnis der DNA-Untersuchung : Ein Wolf hat das Schaf in der Eifel gerissen

In der Eifel gibt es einen Wolf. Das hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) jetzt bestätigt. Genetische Untersuchungen einer Speichelprobe hätten ergeben, dass ein männlicher Wolf am 11. April in Monschau-Mützenich ein Schaf getötet hat.

Das Herkunftsterritorium des Wolfes sei unbekannt. Dieser Wolf sei aber im Februar 2018 in Kerken im Kreis Kleve an zwei Schafen individualisiert nachgewiesen worden. Der aktuelle Aufenthaltsort des Tieres sei bislang unbekannt gewesen.

An der gleichen Stelle in Mütze­nich war am 11. April innerhalb von weniger als 20 Stunden ein weiteres Schaf getötet worden. Zu diesem Fall könne man noch keine Angaben machen, erklärt Lanuv-Pressesprecherin Birgit Kaiser de Garcia auf Anfrage. Das Ergebnis dieser Untersuchung liege noch nicht vor.

Seit 2009 gilt NRW als Wolfserwartungsland. Im vorigen Jahr wurden dann zwei offizielle Wolfsgebiete von der Landesregierung ernannt: Anfang Oktober 2018 war am Niederrhein das Gebiet Schermbeck zwischen Wesel und Bottrop als solches ausgewiesen worden. Ende Dezember dann folgte ein 922 Quadratkilometer großes Areal zwischen Bielefeld, Paderborn und Detmold, das die NRW-Landesregierung zum Wolfsgebiet Senne erklärte.

Ein Wolfsgebiet wird ausgewiesen, wenn ein Wolf über die Dauer von bis zu einem halben Jahr mehrfach in einem Gebiet nachgewiesen werden kann. Die Eifel gilt also trotz des nun aktuellen Wolfnachweises noch nicht als Wolfsgebiet. Die Ausweisung eines solchen Gebietes ist insbesondere für die Nutztierhalter von großer Bedeutung, da das Land NRW in diesen Bereichen auch vorbeugende Maßnahmen zum Herdenschutz fördert.

Nur 200 Meter von dieser Schafswiese entfernt hat ein Wolf nachweislich am 11. April ein Schaf gerissen. Auf der hier abgebildeten Wiese waren am 14. Mai drei Tote Lämmer entdeckt worden. Ob es sich dabei auch um Wolfsrisse handelt, ist noch unklar. Unklar ist auch, ob der Wolf, der vorige Woche in eine Fotofalle tappte, der ist, der das Schaf gerissen hat. Foto: ZVA/Andreas Gabbert

Der betroffene Tierhalter in Monschau-Mützenich sei über das aktuelle Ergebnis informiert worden, teilt das Lanuv mit. Er könne über die Förderrichtlinie Wolf des Umweltministeriums eine Entschädigung für die gerissenen Tiere und weitere Kosten erhalten. Alle Nachweise und die Individualisierung des Wolfes erfolgten beim Forschungsinstitut Senckenberg in Gelnhausen.

Am 14. Mai sei in Mützenich außerdem ein Wolfsnachweis durch eine Wildkamera gelungen. Die Fotos wurden vom Lanuv begutachtet. Der Beobachtungsort sei von einem Wolfsberater verifiziert und nach weiteren Spuren abgesucht worden. Über die Identität des beobachteten Wolfes lasse sich aber keine Aussage treffen.

Wolfsberater sind die ersten Ansprechpartner für die Dokumentation von Wolfssichtungen und werden zu Rate gezogen, wenn Nutztiere verletzt oder gerissen wurden und der Verursacher festgestellt werden muss.

Drei Vorfälle in sechs Wochen

In den vergangenen sechs Wochen wurden rund um Mützenich dreimal Schafe gerissen. In allen drei Fällen war der Wildtierexperte und Wolfsberater Hermann Carl vor Ort, um sich ein Bild von der Situation zu machen und DNA-Proben zu nehmen. Die ersten beiden Fälle waren die bereits genannten am 11. April an der Reichensteiner Straße. Als nächstes wurden am 29. April drei Schafe in der Nähe des Vennbahnradweges gerissen. Hier gelang später auch der Fotonachweis. Einen weiteren Fall gab es dann am 14. Mai, als auf einer Weide an der Reichensteiner Straße nur etwa 200 Meter vom ersten Fundort entfernt drei tote Lämmer entdeckt wurden.

Der Wolfsberater kam zu dem Schluss, dass es sich bei einem der toten Lämmer um eine Totgeburt gehandelt haben könnte. Für die anderen beiden toten Lämmer sei aber sehr wahrscheinlich ein anderes Tier verantwortlich gewesen, erklärte Hermann Carl. „Die Tierhalter in der Nordeifel müssen jetzt sehen, dass sie die Schafe nachts in den Stall holen oder mit Elektronetzzäunen einpferchen“, sagt er.

„Die Rückkehr des Wolfes nach Nordrhein-Westfalen stellt eine große Herausforderung dar“, schreibt das Lanuv. Ein großer Beutegreifer in der Kulturlandschaft berge Konfliktpotential. „In ungeschützten Viehbeständen, insbesondere in der Schafhaltung, kann der Wolf beträchtliche Schäden anrichten. Deshalb ist es wichtig, das Zusammenleben von Wölfen und Menschen in Nordrhein-Westfalen möglichst professionell zu begleiten“, heißt es auf der Internetseite www.wolf.nrw. „Der angemessenen Entschädigung von Tierhaltern kommt dabei eine ebenso große Bedeutung zu wie der Information der Bevölkerung und einem möglichst transparenten Umgang mit den Daten, die wir über den Wolf in NRW besitzen.“

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