Monschau: Verband verleiht Rheintaler an Manfred Huppertz aus Konzen

„Ein Stück Geschichte mitgestaltet“ : Landschaftsverband Rheinland ehrt Konzener Dorfchronisten

Der Landschaftsverband Rheinland ehrt den Konzener Dorfchronisten Manfred Huppertz für sein ehrenamtliches und kulturelles Engagement mit dem Rheinlandtaler. Für ihn hat die Erforschung der Heimat einen hohen Stellenwert. Aber ihn treibt noch mehr an.

Seit über vier Jahrzehnten steht Manfred Huppertz als Chronist und Heimatforscher seinem geliebten Heimatort Konzen zu Diensten. Dieses außergewöhnliche ehrenamtliche und kulturelle Engagement, das seinen Ausdruck in zahlreichen Dokumentationen, Publikationen und der Archivpflege findet, wurde jetzt durch die Verleihung des Rheinlandtalers des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) öffentlich gewürdigt. Seit 1976 verleiht der LVR diese Auszeichnung an Persönlichkeiten, die sich um die Kulturpflege im Rheinland besonders verdient gemacht haben. Unter anderem ist Manfred Huppertz Mitbegründer des 1987 entstandenen Heimatvereins Konzen, dessen Vorsitzender er seit 2003 ist.

Im großen Sitzungssaal des Monschauer Rathauses hatten sich zu einer Feierstunde rund 60 Gäste eingefunden, darunter viele Vertreter der Eifeler Heimatvereine. Neben zahlreichen politischen Repräsentanten war auch Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach unter den Gästen, denn als Kriminalhauptkommissar a. D. hat Huppertz auch vor einigen Jahren eine umfangreiche Dokumentation über die Geschichte der Aachener Polizei ab dem Jahr 1918 bis 2014 vorgelegt. Nach dem musikalischen Auftakt durch ein Gitarrenquartett eröffnete Monschaus Bürgermeisterin Margareta Ritter die „wunderbare Feierstunde“.

Die Erforschung der Heimat und das Engagement für deren Erhalt besäßen in Monschau einen hohen Stellenwert. Dieser ständigen Herausforderung widme sich auch Manfred Huppertz in hohem Maße. Konkret auf das vielfältige Wirken von Manfred Huppertz, der 1945 in Konzen geboren wurde, ging Anne Henk-Hollstein, die Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, ein. Schon früh habe sich Huppertz in die Geschichte seines Heimatdorfes eingebracht und hierbei besonders sein Augenmerk auf den Dorfalltag und die gelebten Traditionen gelegt. Eine Aufzählung der wesentlichen Aktivitäten machte deutlich, wie breit gestreut das Engagement des Geehrten ist.

Seine ersten Initiativen drückten sich in bewegten Bildern aus. Bereits 1971 produzierte er den Film „Unser Dorf“ mit Darstellungen alter Handwerkskunst in Konzen, gefolgt von weiteren Filmen zu dörflichen Themen. 1988 publizierte Huppertz die Chronik 125 Jahre Musikverein Konzen. Anlässlich der 1110-Jahrfeier des Ortes war er Mitautor eines stattlichen Jubiläumsbuches, das sich, so die Laudatorin, „der Ahnenforschung im großen Stil“ widmete.

Ein Vierteljahrhundert später erschien der Band 1125 Jahre Konzen. In den Mittelpunkt dieser Chronik stellte Manfred Huppertz die Schule des Ortes, aber auch Erzählungen aus der Eifel sowie das gesamte Spektrum der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung in Konzen. Anne Henk-Hollstein: „Er ist ein fleißiger Rechercheur und Schreiber, er bewegt vieles, packt vieles an.“ Besonders den heute über 200 Mitglieder starken Heimatverein habe er durch vielfältige Aktivitäten geprägt, fügte sie an.

Seit 1987 trägt Manfred Huppertz Bilder zur Dorfgeschichte zusammen, die er gewissenhaft verwaltet. Diese Arbeit mündete in der Einrichtung eines Dorfarchivs, das er seit 1995 auch der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Manfred Huppertz, der auch Mitbegründer der Arbeitsgemeinschaft der Heimat- und Geschichtsvereine des Monschauer Landes und seit 2016 deren Vorsitzender ist, gab im Jahr 2011 das Konzener Ortsfamilienbuch mit über 2300 Familiendaten heraus. Seine jüngsten Publikationen befassen sich mit dem Thema Zwangsarbeit während der NS-Zeit im Monschauer Land wie auch mit dem Schicksal von Flüchtlingen und Vertriebenen nach 1945 in seiner Heimatregion. „Man könnte Manfred Huppertz unbesehen als Tausendsassa bezeichnete“, sagte Anne Henk-Hollstein, die das Wirken des Geehrten auf den Punkt brachte: „Man kann sagen, dass Sie ein Stück Geschichte mitgestaltet haben. Sie gehören zu den Menschen, die sich durch besondere Ausdauer, Einsatzbereitschaft und Verantwortungsbewusstsein auszeichnen – und das über Jahrzehnte hinweg.“

Das „unermüdliche, ehrenamtliche Engagement“ von Manfred Huppertz rückte auch Städteregionsrat Tim Grüttemeier in den Blickpunkt. Huppertz habe mit seinen Publikationen einen „bleibenden Wert für die Region“ geschaffen. Die Verleihung des Rheinlandtalers trage zudem wesentlich dazu bei, dass sich die Menschen immer wieder mit dem Thema Heimat auseinandersetzen würden. Eine emotionale und persönliche Laudatio fügte abschließend noch Theo Steinröx als Vertreter des Heimatvereins Konzen hinzu. Er sprach von einer „grandiosen Auszeichnung“ für Manfred Huppertz, den er als „Motor des Heimatvereins“ bezeichnete. Manfred Huppertz sei ein „glänzendes Beispiel für Beständigkeit und Tatkraft“ , Steinröx zählte noch eine Vielzahl weiterer Initiativen und Ideen auf, die das Engagement von Manfred Huppertz für das Dorfleben unterstreichen.

„Die Beschäftigung mit der Heimatgeschichte hat mir immer Freude gemacht“, sagte Manfred Huppertz in seinen Dankesworten. Seine Begeisterung fürs Filmen habe ihn an die Heimatgeschichte herangeführt. In der Rückbetrachtung stelle er fest, dass viele einst als selbstverständlich betrachtete Strukturen des dörflichen Alltags heute bereits Geschichte seien. Der Blick auf die jüngere Zeitgeschichte habe ihn auch stets mit Dankbarkeit für ein Leben in Frieden erfüllt. Im Anschluss an die Feierstunde hatten dann die Gäste noch reichlich Gelegenheit zu einem intensiven fachlichen und persönlichen Austausch mit dem Geehrten.

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