Singender Hirte: Mit großer Leidenschaft im Einsatz für krebskranke Kinder

Singender Hirte : Mit großer Leidenschaft im Einsatz für krebskranke Kinder

Mit einer Rekordspende von rund 100.000 Euro unterstützt der singende Hirte Reiner Jakobs aus Höfen wieder den Förderkreis „Hilfe für krebskranke Kinder“. Das bewegende Beispiel eines kleinen Mädchens verdeutlicht, wofür die beeindruckende Summe eingesetzt wird.

Das siebenjährige Mädchen ist so fixiert, dass es sich nicht bewegen kann. Nur ein Teddybär ist bei ihr, in dem von kühler Technik dominierten Behandlungsraum. Der Tumor in ihrem Kopf wurde bereits operativ entfernt. Folgeerscheinungen gibt es zum Glück nicht. Doch es ist noch eine Strahlentherapie nötig, und dabei darf sich das Kind 30 Minuten lang nicht bewegen, während es da alleine liegt und nur über eine Sprechanlage mit seiner Mutter verbunden ist.

„Wenn man diesen Raum betritt erstarrt man. Während der Therapie müssen ihn alle verlassen“, sagt der Leiter der Kinderonkologie im Aachener Uniklinikum, Prof. Dr. Udo Kontny, als er den Menschen am Sonntag in der Höfener Pfarrkirche erklärt, was mit den Spenden geschieht, die der singende Hirte Reiner Jakobs in den vergangenen beiden Monaten gesammelt hat.

Seit dem 30. November hat Reiner Jakobs täglich in seiner riesigen Landschaftskrippe in der Kirche in Höfen von 10 bis 18 Uhr Tausenden Besuchern mit seiner Musik Freude bereitet. Dabei ist die Rekordsumme von 99.750 Euro, mit der wieder der Förderkreis „Hilfe für krebskranke Kinder“ e.V. Aachen unterstützt wird, zusammengekommen. Nach der Übergabe der Spenden wurde sie noch aufgestockt, so dass die Grenze von 100.000 Euro schließlich geknackt wurde.

Das kleine Mädchen wurde von Psychologen auf die besondere Situation während der Behandlung vorbereitet. Aber auch die beiden Geschwister müssen betreut und versorgt werden. Außerdem ist die Erkrankung des Kindes nicht der einzige Schicksalsschlag für die Familie. Ein Wohnungsbrand kam in dieser schwierigen Lage auch noch hinzu. „Gäbe es den Förderkreis nicht, wüssten wir nicht, was wir tun sollen. Sie könnten nichts Besseres tun, als ihn zu unterstützen. Sie helfen, den Kindern das Beste zu geben und nicht nur das Notwendige“, sagt Kontny an Reiner Jakobs gewandt, der ganz am Rand auf einer Bank Platz genommen hat.

Er dankt ihm und seinen Helfern für ihren unermüdlichen Einsatz und vergisst auch nicht die Familie des 78-Jährigen zu erwähnen, die oft auf ihn verzichten muss, weil er in der Krippe für die Besucher singt und musiziert – auch an den Weihnachtsfeiertagen. „Es ist Ihre Begeisterung und Ihre Leidenschaft, die sich auf die Besucher überträgt. Das erklärt diese unglaubliche Summe“, betont der Mediziner.

Im starken Kontrast zur schrecklichen Situation des kleinen Mädchens steht die Atmosphäre in der Höfener Pfarrkirche. Schon lange bevor Reiner Jakobs die Höhe der Spendensumme bekannt gibt, füllt sich der Kirchenraum. Immer mehr Menschen strömen herein. Bläser spielen, Jakobs singt von Frieden, noch einmal erklingen „ O Tannenbaum“ und das „Ave Maria der Berge“. „Das Werk ist getan“ heißt es darin. Es bleibt ihm noch Zeit für eine kurze Verschnaufpause etwas abseits im hinteren Bereich der Kirche.

Dann läutet die Kirchenglocke vier Mal, es ist Punkt 16 Uhr. Der Moment, auf den er so lange hingearbeitet hat, ist gekommen. Er zieht die Kordel fest, die ihm als Gürtel um seine Felljacke dient, rückt den Schlapphut zurück, reibt sich die Hände und geht langsam nach vorne. Fanfarenklänge hallen durch die Kirche, und langsam enthüllt er eine Zahl nach der anderen auf dem selbst gestalteten Plakat vor dem Altar. Die Menschen recken die Köpfe, ein Raunen geht durch die Menge, die Besucher erheben sich und Applaus brandet auf, während sich der singende Hirte schnell aus dem Fokus der Aufmerksamkeit zurückzieht.

Doch die wird noch eine ganze Weile auf ihn gerichtet sein. Nach den ergreifenden Schilderungen des Arztes richtet sich Peter Schanz als Vorstandsmitglied des Förderkreises mit seinem Dank an Jakobs Familie und ihre Helfer und Unterstützer. Er verrät kein Geheimnis, als er erwähnt, dass Reiner Jakobs nicht gerne im Mittelpunkt steht. „Dankesworte zu hören, liegt Ihnen nicht. Mit ihrer bescheidenen und liebenswerten Art sitzen Sie lieber in der Krippe“, sagt er. Doch da muss der singende Hirte jetzt durch.

Schanz spricht von der Liebe und der Leidenschaft, die Jakobs schon in den Aufbau der riesigen Landschaftskrippe investiert, davon wie er Menschen aus nah und fern erfreut und ihnen in einer hektischen Zeit Besinnung schenkt. „Diese Summe ist unfassbar, aber sie hilft uns sehr, die von dieser schlimmen Krankheit betroffenen Kinder zu unterstützen“, sagt Schanz und erklärt, wofür der Verein sie einsetzen wird.

Dazu zählt die Sicherung von zusätzlichen Arbeitsplätzen auf der Kinderkrebsstation im Aachener Klinikum, damit den kleinen Patienten mehr Zuwendung und Zeit gewidmet werden kann. Sie dient der Unterstützung der betroffen Familien sowie für kleine und große Investitionen auf der Station. „Ich danke Ihnen aufrichtig und von ganzem Herzen. Bleiben Sie weiterhin gesund und uns verbunden“, ruft er Jakobs zu.

„Dieser Tag ist etwas Besonderes für ganz Höfen“, erklärt Ortsvorsteher Heinz Mertens, als er seinen Dank im Namen der Bevölkerung ausdrückt und Jakobs als großen Botschafter des Ortes und der Stadt Monschau würdigt. „In einer Zeit voll Egoismus und Lügen lenkst Du den Blick auf Menschlichkeit und Nächstenliebe“, betont Mertens und fragt sich, woher der 78-Jährige die Kraft dafür nimmt.

Auch Bürgermeisterin Margareta Ritter zeigt sich bewegt. Sie stellt die besondere Leistung des singenden Hirten heraus und deutet an, wie schwer das in diesem Jahr gewesen sein muss. Denn schließlich ist erst vor Kurzem ein guter Freund aus seinem Helferteam gestorben. „Dass Sie es schaffen, liegt an der großen Bereicherung für die Menschen. Wir sind alle unglaublich stolz auf Sie und beten zu Gott, dass Sie uns noch lange erhalten bleiben“, betont Ritter.

„Ein großes Werk steht hier vor uns, das die Schöpfung widerspiegelt“, sagt Pfarrer i. R. Friedrich Hack. Er spricht von einem Loblied auf den Schöpfer und einem Stück Evangelium. Er nennt Jakobs einen Glaubensbotschafter, der eine Verbindung zu Gott schafft und zitiert aus einem Text von Papst Franziskus, in dem dieser den Wert des Krippenbrauchtums herausstellt.

Der singende Hirte selbst fasst sich wie üblich kurz: „Ich möchte mich bei allen bedanken, die mich unterstützen. Dankeschön“, sagt er, verschwindet schnell wieder in die Krippe und stimmt „Ein schöner Tag an“. Als der letzte Ton von „Stille Nacht“ verklungen ist und Reiner Jakobs strahlend durch die Kirche schreitet, stehen nochmals alle auf und applaudieren.