KuK sucht Zeitzeugen der Christo-Aktion

Neue Ausstellung in Monschau : KuK sucht Zeitzeugen der Christo-Aktion von 1971

Der seinerzeit noch relativ unbekannte Christo und das Eifelstädtchen Monschau: Das war von Beginn an eine explosive Mischung. Vom 16. September bis zum 24. Oktober 1971 wurden die Monschauer Burg und die Haller-Ruine nach Plänen des Verpackungskünstlers mit grauglänzendem Polypropylengewebe verhüllt.

Vorangegangen war ein längeres und verbissen geführtes Tauziehen zwischen ganz unterschiedlichen Akteuren vor Ort. Die Vorstellung, dass ein fremder Künstler die „Perle der Eifel“ womöglich verschandeln könnte, beherrschte die öffentliche Debatte.

„Die Stadt war tief gespalten“, sagt Nina Mika-Helfmeier. Die Leiterin des Kunst- und Kulturzentrums (KuK) der Städteregion Aachen in Monschau sichtet derzeit mit zwei Mitarbeiterinnen die einzigartige Sammlung von Kaspar Vallot (94), dem ehemaligen Chefredakteur der „Aachener Nachrichten“ und früheren Leiter der Lokalredaktion in Monschau.

Im Oktober öffnet im KuK eine Ausstellung, die diese Sammlung erstmals der Öffentlichkeit zugänglich macht. Alte Zeitungsartikel, Leserbriefe, Fotos und Plakate ergeben dann ein umfassendes Bild der damaligen Stimmung. Die Idee für die Ausstellung stammt von dem ehemaligen Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU).

Verbissener Kampf ums Geld

„Besonders aufschlussreich ist für mich die Korrespondenz der verschiedenen Akteure untereinander“, sagt Mika-Helfmeier. Der Kampf um die Finanzierung hatte die Realisierung des umstrittenen Projekts bis zuletzt bedroht. Vallot war damals die wichtigste treibende Kraft in der Stadt. Er brachte mit dem neu gegründeten Monschauer Kunstkreis 1970 zunächst die „Umwelt-Akzente“ auf den Weg. Vallot sagt selbst zu seinen Beweggründen: „Wir fingen Feuer für die Pop-Art auf dem Kunstmarkt in Köln und wollten einfach in Monschau mal ein ganz modernes Ding drehen. Weit weg von den üblichen Venn-Bildern, die in der Regel in den Wohnzimmern über jedem Sofa zu finden waren.“ Dem Kunstkreis war es letztlich auch zu verdanken, dass die Verhüllung realisiert wurde. Nachdem der Regierungspräsident von Aachen, Josef Effertz, sich weigerte, bereits zugesagte Mittel freizugeben („Was Christo unternimmt, hat mit Kunst, wie ich es verstehe, nichts zu tun“), produzierten die engagierten Christo-Fans Plakate und Kataloge, mit deren Verkauf die Aktion finanziert werden konnte.

Kreativität in der Provinz

„Das war ein tolles Beispiel dafür, wie Kreativität auch in der Provinz entstehen kann“, sagt Mika-Helfmeier, die die Schau im KuK nicht zuletzt als Verbeugung vor den Machern von damals verstanden wissen will. Die Leiterin des in der internationalen Fotoszene fest etablierten Hauses möchte mit der Ausstellung „ein Stück Monschauer Geschichte erzählen“. Und dabei der Frage nachgehen: „Wie gehen wir heute mit Kreativität im ländlichen Raum um?“

Dazu wird in den kommenden Wochen die gesamte zweite Etage des KuK umgebaut. Sechs Räume, die früher zeitweise als Künstlerateliers genutzt wurden, werden dann mit einer Mischung aus Dokumentation und „Inszenierungen moderner Art“, aber auch mit interaktiven Elementen die Christo-Episode Revue passieren lassen. Ein wichtiger Bestandteil der Ausstellung sollen Erinnerungen der Monschauer Bevölkerung werden. Das KuK sucht deshalb nach Zeitzeugen der Verhüllung. Wer hat die Kunstaktion selbst noch miterlebt, und sei es als Kind? Wer kann eine persönliche Anekdote beisteuern und auch über die Stimmung in der Stadt berichten? Wer hat noch Erinnerungsstücke von damals? „Wir würden uns sehr freuen, wenn sich viele Monschauer bei uns melden“, sagt Mika-Helfmeier. Mit ausgewählten Zeitzeugen würden dann Interviews aufgezeichnet, die später im KuK zu sehen sein werden. Wer sich angesprochen fühlt, kann sich Bei Nina Mika-Helfmeier melden: per E-mail an nina.mikahelfmeier@staedteregion-aachen.de oder telefonisch unter Tel. 0241/5198-2663. Bis zum September 2020 soll die Christo-Schau im KuK gezeigt werden.

Für die engagierte Leiterin des KuK ist die Beschäftigung mit dieser Phase des Umbruchs zu Beginn der 70er Jahre auch persönlich eine spannende Erfahrung. „Man lernt dabei immer wieder: Kunst muss nicht zwangsläufig in einer Metropole stattfinden. Überall gibt es kreatives Potenzial. Kunst in der Provinz – das ist nicht negativ zu verstehen!“