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Kassenbon-Pflicht bereitet Probleme für Bäcker Andreas Neuß

Bäcker in Imgenbroich : „98 Prozent unserer Kunden wollen keinen ausgedruckten Bon haben“

Andreas Neuß sieht die Einführung der Kassenbon-Pflicht im kommenden Jahr sehr kritisch. Für den Konditor- und Bäckermeister aus Imgenbroich bedeuten die neuen Vorschriften: höhere Kosten und höherer Aufwand.

Ganz so weit wie Michael Tenk möchte Andreas Neuß noch nicht gehen. Auf das Thema Kassenbon-Pflicht 2020 ist der Konditor- und Bäckermeister aus Imgenbroich aber mindestens genauso schlecht zu sprechen wie sein Kollege aus Südlohn im Münsterland. „Da flippe ich wirklich aus bei dem Thema“, sagt Neuß.

Tenk hatte am 23. November bei Facebook ein Bild mit einem Berg von Kassenbons vor seiner Theke veröffentlicht. Sein Kommentar dazu: „Guten Morgen Politiker des Landes & des Bundes, gestern und heute morgen liefen unsere Bondrucker, das hier wurde liegen gelassen. Sondermüll. Eigentlich wollte ich morgen die Aktion fortsetzen, aber ich möchte meinen Kindern eine nicht noch schlechtere Erde hinterlassen.“ Damit hatte Tenk anscheinend einen Nerv getroffen. Sein Post wurde auf dem Sozialen Netzwerk fast 1500 Mal geteilt, Sat.1 NRW und „Stern“ berichteten anschließend über ihn und seine Aktion.

„98 Prozent unserer Kunden wollen keinen ausgedruckten Bon haben“, sagt Neuß. Bislang konnte jeder bislang auf Wunsch einen Bon bekommen. Ab 2020 ist der Ausdruck verpflichtend. Ursprünglich bereits zum Jahresbeginn 2020, doch das Finanzministerium räumte nun eine Umstellungszeit bis Ende September ein.

Für Neuß bedeuten die neuen Vorschriften unabhängig vom Zeitpunkt der Einführung: höherer Aufwand und höhere Kosten für sein Geschäft am Heidbüchel 17. Die bei ihm verwendeten Bons bestehen aus Thermopapier, das nicht recycelt werden kann. „Das widerspricht allen Bemühungen, sich stärker um die Umwelt zu kümmern“, sagt der Konditor- und Bäckermeister. Wie der „Stern“ berichtet, hat der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks errechnet, dass allein die Bäcker künftig auf einen Müllhaufen von mehr als fünf Milliarden Bons pro Jahr kommen werden.

Fast hundert Jahre Familientradition

Neuß, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Alexandra die inzwischen seit fast hundert Jahren bestehende Familientradition fortführt, nennt ein weiteres Problem: „Mit der Einführung der Kassenbon-Pflicht steigen bei uns natürlich auch die Kosten für die Druckerpatronen in unseren Kassen. Beziffern lässt sich das noch nicht. Klar ist aber, dass es für uns teurer wird.“ Neuß’ Prognose deckt sich mit den Einschätzungen des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Die Bon-Pflicht bedeute „gerade für kleine Händler erhebliche Mehrkosten für Papier, Druck und Entsorgung der liegengebliebenen Bons“, sagt Steuerexperte Rainer Kambeck.

Die Kassenbon-Pflicht ist Teil der Kassensicherungsverordnung, die Steuerbetrug an der Ladenkasse verhindern soll. Demnach sollen Kassen durch eine technische Sicherheitseinrichtung (TSE) fälschungssicher werden. Ralph Brügelmann vom Handelsverband Deutschland zweifelt den Nutzen der Kassenbon-Pflicht hierfür an. „Denn mit dem ersten Tastendruck beim Kassieren wird eine Transaktion eröffnet, die sich bei einer mit einer TSE ausgerüsteten Kasse nicht mehr ohne Spuren löschen lässt. Ob dann der Kunde einen Beleg bekommt oder nicht, ist unerheblich“, sagt der Steuerexperte.

Auch Neuß hat dazu eine klare Meinung. „Wer auch immer auf diese Vorschriften gekommen ist, hat sich definitiv nicht dem Umweltschutz und der Entbürokratisierung in diesem Land verschrieben“, sagt er mit wütender Stimme. Wenn sich 2020 dann Bon-Müllberge vor seiner Theke stauen sollten, dürfen sich die Facebook-Nutzer vielleicht auch auf ein ähnliches Bild wie von seinem Kollegen Michael Tenk freuen.