Internationales Tanzfestival "Danse en Ville" in Monschau

Internationales Tanzfestival in Monschau : „Tanzende Stadt“ im Verborgenen

Seit 15 Jahren bewegt sich das Projekt „Tanzende Stadt“ (Danse en Ville) durch die Region, und regelmäßig bietet auch die Altstadt Monschau eine Bühne für die internationale Schar der Darbietenden aus sieben Ländern (Armenien, Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Portugal und Singapur).

Doch von den insgesamt zehn Tänzerinnen und Tänzern war am Samstagnachmittag auf den Plätzen und Straßen in der Altstadt nicht viel zu sehen.

Die erste Vorführung fand zwar auf der Austraße direkt vor dem Kunst- und Kulturzentrum (Kuk) der Städteregion Aachen statt, das auch gemeinsam mit Compagnie Irene K. Ausrichter der Veranstaltung war, aber dann zogen sich die Gruppen zu ihren weiteren Aktivitäten in die Ausstellungsräume des KuK zurück. Hier herrschte drangvolle Enge, aber den tausenden Menschen in der Stadt blieb an diesem perfekten Spätsommertag die außergewöhnliche Performance verborgen.

Das Tanzspektakel bot auch diesmal wieder ausdrucksstarke, gestenreiche und intensive zeitgenössische Tanzdarbietungen, die fast immer Szenen zwischenmenschlicher Kommunikation interpretieren – zwar ohne Worte, aber mit viel Bewegung und manchmal auch mit Akrobatik.

Der überwiegende Teil des Programms „Danse en Ville“ fand in den Ausstellungsräumen des KuK statt. Foto: Peter Stollenwerk

Zunächst kaum wahrnehmbar für die Zuschauer war der erste Akteur, der zu sanfter Musik auf der Bruchsteinmauer vor dem KuK in seine Darbietung einstieg. Mit seinem Tanzpartner steigerte sich dann die mitreißende Choreografie auf dem Straßenpflaster. An der belebten Straßeneinmündung am Rande der historischen Altstadt mussten die Tänzer zudem noch gekonnt improvisieren, denn zahlreiche Autos, Radfahrer und auch die Stadtbahn forderten ebenfalls ihren Platz ein.

Mal hielten die Fahrzeugführer irritiert oder fast ehrfurchtsvoll an, mal fuhren sie in Kenntnis der Straßenverkehrsordnung forsch ihres Weges. Die Tänzer konnten mit dieser Situation umgehen, aber warum man eine solche Darbietung von so großer tänzerischer Klasse und Dynamik ausgerechnet etwas lieblos an einen der verkehrsreichsten Plätze Monschaus legt, erschien manchem Besucher dennoch fragwürdig.

Vermutlich war die unmittelbare Nähe des Kuk-Gebäudes der Grund, denn nachdem das Duo der Compagnie Irene K. unter viel Beifall seine Vorführung beendet hatte, wurden die Gäste ins KuK gebeten, wo die Gruppen Rimo Pipoyan und Les Vikings in den Ausstellungsräumen auf zwei Etagen den Hauptteil des Programms bestritten. Die Atmosphäre im KuK und der Rahmen der gerade stattfindenden Fotoausstellung der Howard-Greenberg Gallery korrespondierte zwar auch hervorragend mit den Tanzkünsten, aber bei einer „Tanzenden Stadt“ erwartet der Besucher eben den öffentlichen Raum als Bühne.

Alena Deckert von der Compagnie Irene K. hätte sich zwar auch einen anderen Rahmen vorstellen können, aber wichtig sei den Initiatoren, „dass wir den Tanz in die Stadt bringen und dabei auch gerne etwas provozieren“. Auch der Autoverkehr gehöre eben zu einer Stadt, „und die Tänzer waren darauf vorbereitet“, meinte Alena Deckers. Tanzdarbietungen im öffentliche Raum seien immer ein „kleines Experiment.“ Wichtigstes Ziel sei es, „dort zu tanzen, wo die Menschen sind.“ Die Menschen in Monschau waren an diesem Nachmittag am Roten Haus, auf dem Marktplatz und in der Rurstraße zu finden, wo sie wie üblich den Zauber der Stadt genossen – ohne Tanz.

Mehr von Aachener Zeitung