Erkebnismuseum Monschau freut sich über seltenes Wolf-Exponat

Jagdszenen im „Lernort Natur“ : Zwei neue Wölfe in Monschau

Die zwei „Neuen“ kommen aus einer Außenstelle des Jagd- und Fischereimuseums in München und machen einen ausgesprochen agilen Eindruck: Hermann Carl, der Gründer des Erlebnismuseums in Monschau, betrachtet seine jüngste Attraktion mit einem stolzen Lächeln.

 „Genau so stellen wir uns das eines Tages im Wald vor“, sagt Carl im Hinblick auf die dargestellte Szene. Zwei Wölfe machen Jagd auf einen kapitalen Rothirsch, links ein etwas kräftigerer Rüde, der scheinbar zum Sprung an die Kehle des Hirsches ansetzt, und daneben eine etwas zierlichere Fähe. Die Szene sei durchaus realistisch, meint der Jäger. Es zeige den europäischen Wolf beim Angriff, den er mit einem typischen Biss an die Kehle abschließe. In der Regel würden sich zwei einzelne Wölfe allerdings nicht unbedingt an einen so großen Hirschen heranwagen. „Das tun sie nur, wen sie im Rudel jagen können.“ Realistischer wäre in der dargestellten Szene zum Beispiel die Jagd auf ein größeres Hirschkalb, das im Herbst durchaus ein Lebendgewicht von 60 Kilogramm auf die Waage bringen kann.

„Sollte es eines Tages in unseren Wäldern solche Jagdszenen geben, wäre das grundsätzlich eine gute Sache. Vor allem wäre es hilfreich, diese Räuber könnten die Wildschweinpopulation etwas unter Druck setzen.“ Entscheidend sei, dass die Wolfsdichte in einem „verträglichen Rahmen“ bleibe und „uns Jäger nicht überflüssig macht“.

Wolfshunde bereiten Unbehagen

Bis zu einem solchen Szenario dürfte allerdings noch einige Zeit vergehen. Bislang streife der Jungwolf aus Mützenich offenbar alleine durch die Wälder und Moore der deutschen und belgischen Eifel. „Sollte er allerdings ein Weibchen finden, dann kann sich auch bei uns ein Rudel etablieren.“ Dies sei zunächst kein Grund zur Beunruhigung, meint Carl, der als Wolfsberater in der Region die Entwicklung des Bestandes genau im Blick hat. Im Gegenteil: „Ein einzelner Wolf entwickelt sich unter Umständen leichter zu einem ‚Problemwolf’, der sich auf das Erbeuten von Schafen spezialisiert und die Nähe zum Menschen sucht“, sagt Carl.

Zwei europäische Wölfe auf der Jagd: Das Exponat kommt aus Süddeutschland nach Monschau. Es ist besonders aufwändig hergestellt. So steht etwa der Hirsch nur auf einem Bein. Foto: Marco Rose

Dies sei beim Mützenicher Wolf derzeit aber noch nicht zu beobachten: „Ein paar vereinzelte Schafsrisse sind für die Halter zwar schlimm, machen den Wolf aber noch nicht zum Problem.“ Ob der Wolf sich in der Region dauerhaft niederlasse, sei ohnehin die Frage. „Eigentlich findet er hier ideale Bedingungen vor, nämlich ein riesiges, zusammenhängendes Waldgebiet vom Hürtgenwald bis in die belgischen Ardennen.“ Allerdings könne das Tier ebensogut weiterziehen. Auf belgischer Seite seien derzeit immerhin vier Wölfe nachgewiesen worden. Die Zusammenarbeit mit den Belgiern beurteilt Carl in dieser Frage als gut, Probleme gebe es derzeit nur beim Abgleich von Proben aus den beiden großen Gendatenbanken.

Mit etwas Unbehagen beobachtet Carl derweil den Umstand, dass es in der Nordeifel – und anderem in Lammersdorf und Mützenich – mehrere Halter von Wolfshunden gibt. Dies sind teils sehr große Mischlingshunde mit einem hohen Anteil von Wolfsgenen, die oftmals aus Osteuropa und als Tierschutzhunde eingeführt wurden. „Diese Hunde sind faszinierend. Ihr ganzes Verhalten ähnelt doch sehr stark dem von Wildtieren. Der Blick geht zum Beispiel immer nervös hin und her, sie sind extrem wachsam.“ Es gebe allerdings das durchaus reale Risiko, dass sich solche Hunde mit einem Wolf paarten, sollten sie einmal ausbüxen. „Das würde nicht nur den Genpool der Wölfe verändern, es könnten auf diese Weise auch Hybriden hervorkommen, die wenig oder keine Scheu mehr vor uns Menschen zeigen.“

Hinzu komme das Problem, das solche Mischlinge dann optisch kaum noch von „richtigen“ Wölfen zu unterscheiden seien. „Würde dann ein Abschuss erforderlich, könnte man die Tiere nicht mehr zielgenau erlegen.“ Die Bundestregierung habe solche Probleme allerdings bereits im Blick gehabt, als sie den Abschuss von „Problemwölfen“ zuletzt erleichtert habe. Kann ein Wolf nicht zweifelsfrei identifiziert werden, können notfalls auch andere Tiere eines Rudels geschossen werden.

Noch sind solche Fragen in Monschau aber kein Thema. Dass er den vielen Besuchern in seinem Museum die seltenen Tiere nun aus nächster Nähe zeigen könne, sei jedenfalls ein großer Gewinn für die Stadt, meint Carl. „Als wir das spektakuläre Angebot vom Deutschen Jagdverband bekamen, haben wir deshalb sofort zugegriffen.“

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