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Wassernot an der Perlbachtalsperre: Eine Studie soll Klarheit bringen

Wassernot an der Perlbachtalsperre

Eine Studie soll Klarheit bringen

Zwei Bilder aus der gleichen Perspektive, fotografiert im Abstand von etwas mehr als vier Monaten: das "Kalterherberger Ende" der Perlenbachtalsperre am 15. Mai und am 23. September (siehe unten) dieses Jahres. In den letzten Tagen hat sich die Lage wieder etwas verbessert, „voll“ ist der Trinkwasserspeicher aber noch lange nicht. FOTO: Heiner Schepp

Monschau Wie kann sichergestellt werden, dass weite Teile der Nord- und Rureifel auch künftig ganzjährig mit Trinkwasser aus der Perlbachtalsperre versorgt werden? Antworten auf diese Frage soll die tiefergehende Studie eines Fachbüros geben.

Einstimmig beauftragte der Wasserversorgungszweckverband Perlenbach am Mittwochabend den langjährigen Leiter des Forschungsinstituts für Wasser- und Abfallwirtschaft an der RWTH Aachen (FiW), Dr. Friedrich-Wilhelm Bolle, die entsprechende Ausschreibung an geeignete Fachbüros fachlich zu begleiten.

FOTO: Heiner Schepp

Im dritten Jahr in Folge reichten in diesem Sommer die 850.000 Kubikmeter Fassungsvermögen der Perlbachtalsperre nicht aus, um die knapp 50.000 Kunden im Einzugsgebiet mit Trinkwasser zu versorgen. Dabei wurden im Spätsommer vor wenigen Wochen täglich neue historische Tiefststände des Talsperrenpegels erreicht und sank die Wassermenge im See auf unter 50.000 Kubikmeter. War man seitens des Perlbachwerks der Wasserknappheit in den Jahren 2018 und 2019 mit einer Teil-Notversorgung entgegengetreten, so reichte diese Maßnahme 2020 nicht mehr aus. Am 14. September wurde die Aufbereitung des Rohwassers aus dem Perlenbachsee vollständig eingestellt.

Seither erfolgt der Wasserbezug für die 20.000 angeschlossenen Haushalte in der südlichen Städteregion Aachen und im südlichen Teil des Kreises Düren von den Stadtwerken Düren und insbesondere von der Wassergewinnungs- und Wasseraufbereitungsgesellschaft Nordeifel (WAG) in Roetgen. „Das Speichervolumen der Perlenbachtalsperre hat sich bedauerlicherweise wiederholt als zu gering erwiesen, um in den Sommer- und Frühherbstzeiten ausschließlich die Wasserversorgung für das Verbandsgebiet sicherzustellen“, berichtete Betriebsleiter Derk Buchsteiner den Vertretern des Betriebsausschusses und der Verbandsversammlung. Die dramatische Entwicklung in diesem Spätsommer kam jedoch keineswegs überraschend, denn die Talsperre sank bereits am 15. Mai 2020 unter das Stauziel – rund fünf Wochen vor dem gleichen Eintreten im Trockenjahr 2018.

Auch die politischen Vertreter im Wasserversorgungszweckverband stellten nun fest, „dass die sich verändernden Niederschläge im Einzugsgebiet und Zuflüsse zur Perlenbachtalsperre als mögliche Folge des Klimawandels auf die Aufgabe des Wasserversorgungszweckverbands Perlenbach, ganzjährig seine Kunden bzw. Bürger im Verbandsgebiet mit hochwertigem Trinkwasser ausschließlich aus der Perlbachtalsperre versorgen zu können, in einem früher nicht gekannten Ausmaß einschneidend ausgewirkt haben.“

Die Konsequenz daraus ist unübersehbar: „Die letzten drei Sommer von 2018 bis 2020 führten zu notwendigen kostenträchtigen Fremdbezügen von Trinkwasser“, berichtete die Werksleitung nun zu den finanziellen Folgen. So wurde der erste Fremdwasserbezug im laufenden Jahr schon am 15. Juli und damit zu einem Zeitpunkt erforderlich, wie es seit 2001, dem Baujahr der Notwasserversorgungsleitung, so noch nie der Fall gewesen war.

Bis 30. September mussten bereits 495.909 Kubikmeter aus der Dreilägerbachtalsperre unter anderem zu den Hochbehältern nach Mützenich und Lammersdorf gepumpt werden, um die Kundschaft bedienen zu können, das Perlbachwerk beziffert die Mehrkosten für den Wasserkauf auf knapp 451.000 Euro. Obwohl es 2018 nur eine Teilnotversorgung gegeben hatte, mussten auch seinerzeit schon 378.956 Kubikmeter bezogen und rund 334.000 Euro an die WAG überwiesen werden. 2019 waren es „nur“ 122.446 Kubikmeter und Mehrkosten von gut 103.000 Euro. In der Summe flossen in den vergangenen drei Jahren ziemlich genau eine Milliarde Liter Trinkwasser (997.311 Kubikmeter) aus anderen Talsperren ins Perlbachnetz und kam es für den Verband zu Mehrkosten von insgesamt 887.880,73 Euro.

„Die zu zahlenden Mehrkosten sind bereinigt um die entfallenden variablen Kosten an der Trinkwasseraufbereitungsanlage (TWA) Perlenbach. Der Wasserbezug war jedes Mal ein außerplanmäßiger Aufwand und verschlechterte dementsprechend das Jahresergebnis des Wasserwerkes Perlenbach, weil die Bezugskosten ungleich höher sind als die Gestehungskosten an der TWA Perlenbach“, erläuterte die Betriebsleitung in der Sitzung.

Die Verbandsspitze hatte daher beschlossen, eine erste abschätzende Machbarkeitsstudie in Auftrag zu geben und dabei Maßnahmen aufzuzeigen, wie die Eigenständigkeit der Wasserversorgung für das Verbandsgebiet in Zukunft gewährleistet werden könnte. „Diese erste Studie hat Richtungen aufgezeigt, die nunmehr von einer externen Expertise begleitet mit einer tiefergehenden Studie konkretisiert werden sollen.

Diese Studie soll insbesondere auf die wasserwirtschaftlichen bzw. naturschutzfachlichen, genehmigungsrechtlichen und investiven Erfordernisse abstellen und dann zukunftsfähige Entscheidungen aufzeigen und empfehlen“, sagte Derk Buchsteiner. Dabei habe oberste Priorität, eine zuverlässige, rechtlich einwandfreie, ökologisch wertvolle, wirtschaftliche und von den Kunden und Bürgern im Verbandsgebiet akzeptierbare Lösung zu finden, die langfristig Bestand habe, betonte der Betriebsleiter.

Die Vorgehensweise bei der Studie erläuterte Dr. Friedrich-Wilhelm Bolle in der Sitzung. Noch im Kalenderjahr 2020 soll ein Workshop mit bis zu 30 Personen aus Verbänden, aus der Politik und den Kommunen, aus der Wasser-Fachwelt und aus Behörden und Ministerien in Monschau stattfinden, der „verfügbare Pfade vorbewerten und eine Auswahl nach Recht und Technik treffen soll“.

Verbandsvorsitzender Karl-Heinz Hermanns betonte ausdrücklich, dass Kurz- und später auch die Detailstudie „ergebnisoffen“ seien. Dies bedeutet, dass beispielsweise Möglichkeiten einer Talsperrenerweiterung, aber auch einer Kooperation mit benachbarten Versorgungsträgern geprüft werden sollen. „Mit einem Ergebnis der tiefergehenden Studie kann im Sommer 2022 gerechnet werden“, hieß es in der Sitzung.

Derweil tritt für dieses Jahr langsam Entspannung an der Talsperre ein: Auf 458,25 Meter über Meereshöhe stieg am Donnerstag der Pegel und lag damit fast viereinhalb Meter über dem historischen Tiefststand vor drei Wochen. Sollte es weiter im Einzugsgebiet regnen, könnte im Laufe der kommenden Woche vorsichtig wieder mit der Aufbereitung des Perlbach-Rohwassers begonnen werden. Bis zum nächsten Sommer …

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