„Kermes annodazumal“ in Monschau: „Die Kulisse ist einfach perfekt“

„Kermes annodazumal“ in Monschau : „Die Kulisse ist einfach perfekt“

Die malerische Kulisse der Monschauer Altstadt ist auch in diesem Jahre wieder Schauplatz der „Kermes annodazumal“. Historische Kirmeskarussells, unter anderem ein über 100 Jahre altes Riesenrad, erinnern an längst vergangene Zeiten.

Vom Freitag, 6. September, bis Sonntag, 9. September, will Monschau seine Gäste wieder mit nostalgischem Flair verzaubern. Ganz im Zeichen der Kirmestradition aus Kindheitstagen steht für drei Tage die historische Altstadt. Kunsthandwerker und fahrende Händler aus ganz Deutschland treffen sich, und fehlen darf natürlich auch nicht die große Drehorgel mit den aus der alten Zeit vertrauten Kirmesklängen.

Vor drei Jahren, als die traditionsreiche Monschauer Kermes kaum noch öffentliche Resonanz fand, gab eine tatkräftige Gemeinschaft von Unternehmern dem Volksfest ein neues Gesicht. Die nostalgische Note kam gut in der Bevölkerung an, und so sehen die Initiatoren mit Freude, dass sich das Konzept, das für die Altstadt wie gemacht ist, langsam etabliert und es inzwischen eine verlässliche Zahl von Unterstützern und Spendern gibt. Auch das zeitgleich stattfindende Schützenfest der Bürgerschützen Montjoie 1361, das sich über insgesamt fünf Tage erstreckt, hat nun wieder eine stärkere Wahrnehmung in der Bevölkerung erfahren.

Mit von der Partie bei der Geburtsstunde der Monschauer Kermes annodazumal im Jahr 2017 war auch der Gaukler und Straßenkünstler Gilbert, der seinen großen Erfahrungsschatz einbrachte, wesentlichen Anteil an der praktischen Umsetzung der Idee hatte und seine Kontakte zu den Kollegen, mit denen er seit zum Teil Jahrzehnten gemeinsam auf historischen Jahrmärkten unterwegs ist, in die Waagschale warf.

Bei der Monschauer „Kermes annodazumal“ 2019 wieder eine Attraktion: Gilbert ist drei Tage lang als Feuerspucker in der Altstadt unterwegs. Foto: Peter Stollenwerk

So dürfen sich die Besucher auch in diesem Jahr auf das Ein-Mann-Orchester, auf Mental-Magie, einen Clown für Groß und Klein, die bekannte Wahrsagerin Esmeralda aus Hamburg, einen kreativen Holzskulpturenschnitzer, einen Karikaturisten und selbstverständlich auf die Gilbert-Show mit Feuerspucken, Zauberei und Flohzirkus freuen. Neu im Angebot ist ein Pantomime mit Klavierbegleitung. Das Riesenrad ist die Attraktion auf dem Marktplatz, und in luftige Höhen geht es mit der Schiffschaukel auf dem Gerberplatz. Für Essen und Trinken, zum Teil auch im nostalgischen Ambiente, ist ebenfalls gesorgt. Für den Freund des speziellen Genusses fährt auch wieder das Dr. Seltsam Absinth-Kontor auf.

Schon die Aufbauphase in der Altstadt in dieser Woche steigerte die Vorfreude auf die nostalgische Kirmes, die auch einiges an logistischer Phantasie erfordert. Ganz auf Nostalgie fährt auch Werner Feldmann aus Hennef ab, der gerade mit seinen Helfern in echter Handarbeit sein aus dem Jahr 1902 stammendes Riesenrad errichtet. „Eigentlich handelt es sich um eine russische Luftschaukel“, sagt der Schausteller, der ebenfalls in Monschau zum dritten Mal dabei ist und viele positive Reaktionen erfahren hat. „Die Liebe zum Detail“, sagt Feldmann, sei das Besondere an seinem Fahrgeschäft. „Gerade in der heutigen Zeit, wo vieles so schnelllebig geworden ist, freuen sich die Menschen, wenn sie einmal entschleunigen können“, beschreibt er die Faszination der sanft über dem Marktplatz schwebenden Gondeln.

Echte Handarbeit: Das Feldmann-Schaustellerteam baut die russische Luftschaukel (Baujahr 1902) auf dem Monschauer Marktplatz auf. Foto: Peter Stollenwerk

„Viele Menschen fühlen sich beim Besuch eines historischen Jahrmarktes an ihre Kindheit erinnert“, ergänzt Gilbert, der das ganze Jahr über seine große und kleine Kunst präsentiert. „Die Altstadt-Atmosphäre in Monschau mit ihren Fachwerkhäusern gibt der Kirmes den passenden Rahmen. Die Kulisse ist einfach perfekt“, schwärmt der Straßenkünstler, der fast 20 Jahre lang in Konzen lebte und noch viele Verbindungen in die Region hat. „Hier treffe ich viele alte Bekannte“, sagt der als Automatenmensch am Centre Pompidou in Paris in ganz Europa bekannt gewordene Gaukler, der im Alter von 13 Jahren erstmals seine Künste auf der Straße präsentierte. Der 67-Jährige denkt auch nach 54 Jahren Zauberei und Trickserei nicht daran, seine rote Zirkusdirektorjacke an den Nagel zu hängen. „Ich gehe nie in Rente. Ich brauche das Publikum und die Jahrmarkt-Atmosphäre“, sagt er.

Gilbert Jakubczyk, wurde 1952 in Brüssel geboren und büchste als 13-Jähriger aus einem Kinderheim aus. Er landete in Paris, und hier verwirklichte er mit eisernem Willen seinen Traum vom Artistenleben, wohnte 25 Jahre lang gegenüber der weltberühmten Moulin Rouge und gründete hier den Verein „Saltimbanque“, einen Zusammenschluss von Straßenkünstlern. Das Gastspiel in seiner ehemaligen Heimatstadt Monschau ist für Gilbert etwas ganz Besonders, auch wenn er sich inzwischen im thüringischen Gotha niedergelassen hat.

Ein früherer Straßenkunstkollege ist derzeit übrigens Gilberts ständiger Begleiter, denn es entsteht gerade eine als TV-Produktionen vorgesehene Dokumentation über das bunte, nie langweilige aber auch nicht immer leichte Leben von Gilbert. Für den Film hat man gemeinsam frühere Stationen seines Lebens aufgesucht, und auch bei der Kermes annodazumal in Monschau sind Aufnahmen geplant. Das wird auch bei seinen weiteren in diesem Jahr noch anstehenden Events der Fall sein. Der nostalgische Hansa-Markt in Dortmund, ein historisches Straßenfest in Berlin, und ein sechswöchiges Engagement beim Kölner Weihnachtsmarkt warten auf Gilbert, der einfach für die Straßenkunst geboren ist.