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Lokale Wirtschaft: Das Transportgeschäft brummt wieder

Lokale Wirtschaft : Das Transportgeschäft brummt wieder

Nach schweren Jahren keimt jetzt wieder vorsichtiger Optimismus beim Kalterherberger Transportunternehmen Hermanns & Kreutz auf.

Wenig zuversichtlich klingen die aktuellen Wachstums-Prognosen der deutschen Wirtschaft und Industrie, und auch in der Gesellschaft ist die Konsumstimmung eher gedämpft. Diese Entwicklung geht auch am in Kalterherberg ansässigen Speditionsunternehmen Hermanns & Kreutz nicht vorüber, doch Unternehmenschef Bernd Kreutz schaut, wie er sagt, „gespannt auf das nächste Jahr“ und lässt vorsichtigen Optimismus durchklingen.

Der Krieg in der Ukraine, die stark gestiegenen Energiepreise und dazu noch die zurückliegende Pandemie gehen selbstverständlich auch nicht am Kalterherberger Familienunternehmen mit seinen gut 200 Beschäftigten vorbei. „Wir haben schwere Jahre hinter uns“, gesteht der 56-Jährige Unternehmensgründer ein, und nur mit einem kräftigen Zugriff auf die Reserven konnte die Talsohle durchfahren werden. Zu allem Unglück verlor das Unternehmen im vergangenen Sommer, als die Flut hereinbrach, im Ahrtal und in St. Vith auch noch zwei Lkw.

Jetzt aber geht der Blick von Bernd Kreutz, der von seiner Grundstimmung her ohnehin eher optimistisch veranlagt ist, wieder nach vorne, und für das laufende Jahr, sagt er, „zeichnet sich ein guter Gewinn ab“. Das Transportgeschäft läuft wieder. Es gleicht ohnehin einer Achterbahnfahrt und ist momentan mal wieder kräftig in Bewegung. Speditionen sind, anders als zum Beispiel Stahl- und Chemie-Industrie, nicht so stark vom gerade immer knapper werdenden Gas abhängig.

 Holz ist aktuell ein begehrter Rohstoff. Bei Hermanns & Kreutz hat man sich frühzeitig auf das damit verbundene Transportgeschäft eingestellt.
Holz ist aktuell ein begehrter Rohstoff. Bei Hermanns & Kreutz hat man sich frühzeitig auf das damit verbundene Transportgeschäft eingestellt. Foto: Peter Stolllenwerk

Der Kampf um Laderaum bringt die Fuhrunternehmen in eine günstige Position bei den Preisverhandlungen: „Es herrscht aktuell ein starker Mangel an Frachtraum“, sagt Bernd Kreutz. Dies liege vor allem daran, dass es an Berufskraftfahrern fehle. Es habe viele rumänische Kraftfahrer in ihr Heimatland gezogen, und die Pandemie habe auch ihre Spuren hinterlassen.

Zudem sei das Berufsbild „völlig zu Unrecht“ immer noch mit einem Negativ-Image behaftet. Auch dieser Tendenz will Kreutz, der selbst noch leidenschaftlich gerne am Steuer eines Lkws sitzt, aktiv entgegenwirken. Mit einem neuen Lohnsystem, das auf einem Stundenlohn basiert und viele Prämien-Komponenten einschließt, schneiden die Fahrer nun deutlich besser ab.

Beim Kalterherberger Unternehmen sind 125 Fahrer beschäftigt, die die 80 Brummis auf den europäischen Fernstraßen auf Trab halten. „Wir müssen attraktiver werden“, sieht Bernd Kreutz für die gesamte Speditionsbranche ein Umdenken als dringend erforderlich an – erst recht vor dem Hintergrund, dass viele Regionen vor einem Strukturwandel stünden, und für die Betroffenen neue Beschäftigungsfelder angeboten werden müssten. Seine Unternehmensphilosophie bringt er auf den Punkt: „Als Transportunternehmer müssen wir uns etwas wert sein, und die Fahrer müssen uns etwas wert sein.“

Das Unternehmen Hermanns & Kreutz basiert auf drei stabilen Standbeinen: Stahl, Papier und Kabel sind die wichtigsten Transportgüter; im Bereich Liquid hat man sich inzwischen deutschlandweit zu einem der größten Transporteure von Frischmilch entwickelt. Seit 2018 kam als weitere Dienstleistung der Holztransport hinzu – eine weitsichtige Entscheidung, die Bernd Kreutz damals traf, weil die Firma mitten in einer waldreichen Region ansässig ist.

Aktuell gehen die Holztransporte sprichwörtlich durch die Decke, und der nachwachsende Rohstoff ist begehrt wie nie zuvor. Bernd Kreutz geht davon aus, dass Holz in Kürze auch über größere Distanzen transportiert werden muss. Besonders im Bergischen Land ist der Spediteur aus der Eifel derzeit mit seinem Fuhrpark unterwegs und beliefert Sägewerke, Papierfabriken und Holzpellet-Hersteller.

Mit neuen Dienstleistungen gewinnt auch die Unternehmens-Logistik immer mehr an Bedeutung, denn die Kunst des Transportierens liegt darin, „die Zahl der Leerkilometer zu minimieren“. Dies ist auch der tiefere Grund dafür, dass Hermanns & Kreutz vor vier Jahren im Stadtgebiet Schleiden eine inzwischen auf 8000 Quadratmeter erweiterte Lagerfläche angemietet hat als europäisches Logistikzentrum für einen britischen Hersteller von Solarteilen. Weil dieser Schritt sich inzwischen mehr als bezahlt gemacht hat, soll auch im Laufe des kommenden Jahres der gesamte Speditionsumschlag zentral ins dortige Logistiklager verlegt werden. Dies bedeutet weniger Verkehr am Stammsitz Kalterherberg, wo weiterhin Werkstatt und Verwaltung verbleiben.

Bereits seit 2006 gehört auch ein sogenannter „Dieselfloater“ zur Unternehmens-Kalkulation. Dabei handelt es sich um einen variablen Kraftstoffzuschlag, der sich automatisch an die Kraftstoffpreisentwicklung anpasst, und zwischen dem Kunden und dem Transportdienstleister je nach Marktlage monatlich oder wöchentlich neu festgesetzt wird. Schließlich schluckt der Dieselbedarf rund ein Drittel der Unternehmenskosten.

Etwas sorgenvoll blickt Bernd Kreutz auf den Arbeitsmarkt. In den zurückliegenden Jahren wurden jeweils zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 1. August immer zwischen acht bis zehn Lehrlinge eingestellt. Zu Beginn der Woche waren es diesmal nur zwei junge Leute aus Simmerath, die eine Ausbildung als Speditionskaufleute begannen. Insgesamt sind im Unternehmen jetzt 15 Auszubildende beschäftigt. Gerne hätte man mehr Nachwuchskräfte eingestellt, aber die Nachfrage schwächte diesmal ab.

Was die Unternehmensleitung betrifft, sieht Bernd Kreutz die Firma für die Zukunft gut aufgestellt, hat der Seniorchef doch inzwischen einen Generationswechsel eingeleitet und seine beiden Kinder in den Familienbetrieb eingebunden (s. Box).