Das MON-Kennzeichen ist in der Nordeifel sehr beliebt

Zeichen der Identifikation : MON gehört längst wieder zum Straßenbild

Lange Zeit war das MON-Kennzeichen fast völlig von den Straßen verschwunden. Inzwischen gehört es aber wieder fest zum Straßenbild. Seit der Wiedereinführung vor sechs Jahren wurden in der Städteregion Aachen 16.870 MON-Kennzeichen zugelassen.

Im dem roten Regal im Schilderbüdchen von Jansen und Kell an der Laufenstraße in Monschau direkt gegenüber dem Rathaus lagern alle Buchstaben von A bis Z. Mitarbeiterin Marliese Haas greift nach M, O und N, hinzu kommen zwei weitere Buchstaben und drei Zahlen, die sie auf einer Vorlage drapiert, unter der ein Schild aus Blech liegt. Dann schiebt sie das Ganze in die Stanzmaschine.

Zwei Sekunden lang ertönt ein lautes Brummen, und die Buchstaben und Zahlen werden mit einem Druck von circa 180 Bar in das Blech gepresst. Anschließend geht es weiter zur nächsten Maschine, wo die gestanzten Erhebungen mit schwarzer Folie überzogen werden. Kurz darauf ist wieder ein neues MON-Kennzeichen fertig. Hier wird noch jedes Kennzeichen einzeln ausgerichtet und manuell hergestellt.

Die Mitarbeiterinnen Marianne Huppertz, Marliese Haas und Marion Huppertz haben in den vergangenen Jahren so manches neue MON-Kennzeichen angefertigt. Längst gehört es wieder zum Alltag auf den Straßen der Nordeifel, die AC-Kennzeichen sind inzwischen deutlich in der Minderheit. Als das MON-Kennzeichen am 2. Juli 2013 wiedereingeführt wurde, war nicht klar, wie es angenommen würde und ob sich die Menschen mehr als 40 Jahre nach seiner Abschaffung wieder mit dem Kennzeichen identifizieren würden. Doch schon in den ersten Tagen war die Nachfrage groß.

Auch außerhalb des Altkreises

Am ersten Tag wurden damals exakt 113 MON-Kennzeichen vom Straßenverkehrsamt der Städteregion Aachen zugeteilt, davon 83 in der Nebenstelle in Monschau. Nach 30 Tagen waren es 849 MON-Kennzeichen, davon 661 in Monschau. Bis heute wurden in der Städteregion 16.870 MON-Kennzeichen zugelassen. Am stärksten ist die Nachfrage erwartungsgemäß im Altkreis Monschau und hier vor allem im Stadtgebiet Monschau. Dort gibt es 5089 MON-Kennzeichen, in der Gemeinde Roetgen 1375 und in der Gemeinde Simmerath 3764. In der Stadt Aachen sind es 2057 und in Stolberg 1863. In den anderen Kommunen in der Städteregion ist das Interesse deutlich geringer, aber dennoch beachtlich: Alsdorf 630, Baesweiler 423, Eschweiler 835, Herzogenrath 455 und Würselen 479.

„Wir fragen nicht nach Gründen. Aber wenn Bürgerinnen und Bürger uns angesprochen haben, waren in der Regel die neuen Buchstaben und Zahlenkombinationen, die möglicherweise unter AC nicht mehr frei waren, von besonderem Interesse“, erklärt die Leiterin des Straßenverkehrsamtes, Marlene Maaßen. „Besonders Frauen mit dem Namen Monika stehen auf MON-I. MON-EY ist auch sehr beliebt“, sagt sie. Viele gebürtige Eifeler, die jetzt in Aachen oder im Nordkreis leben, sowie Menschen mit persönlichen Beziehungen würden das MON-Kennzeichen ebenfalls gerne nutzen.

Gerade in der Anfangszeit gab es im Monschauer Schilderbüdchen viel zu tun, denn zahlreiche Autofahrer hatten sich im Vorfeld ein Kennzeichen reservieren lassen, um ihre Wunschkombination zu erhalten. „Die Eifeler haben das MON-Kennzeichen gerne und sind froh, dass es das wieder gibt. Gut ist, dass jeder die Wahl hat und niemand gezwungen wird“, sagt Marianne Huppertz und Marliese Haas ergänzt: „Es gibt nämlich auch Leute, die auf keinen Fall ein MON-Kennzeichen haben wollen, weil man dann sofort sieht, dass sie aus der Eifel kommen. Wer viel nach Aachen fährt und dort nicht auffallen möchte, entscheidet sich vielleicht lieber für AC.“ Das Kennzeichen sei bei jungen und alten Menschen gleich beliebt. Viele Traktor- und Oldtimerfahrer hätten sich besonders über die Wiedereinführung gefreut. „Das passt einfach zusammen“, sagt Haas.

Etwa die Hälfte der Kunden wünsche sich ein MON-Kennzeichen, die andere Hälfte lieber ein AC-Kennzeichen. „Das hält sich die Waage“, sagen Huppertz und Haas, wobei AC zurzeit etwas stärker gefragt sei, da das Straßenverkehrsamt in Würselen umgebaut werde und deshalb mehr Leute nach Monschau kämen, um ihr Auto bei der Zweigstelle des Straßenverkehrsamts im Monschauer Rathaus anzumelden.

Auch die beiden Frauen haben noch AC-Kennzeichen an ihren Autos. „Wir warten noch, bis wir neue Autos haben, dann bekommen wir auch ein MON-Kennzeichen“, sagen sie. Anderen sei das wichtiger, diejenigen hätten ihr Auto gleich umgemeldet und die damit verbundenen Umstände in Kauf genommen, um wieder ein MON-Kennzeichen zu erhalten.

Kreis Düren hat nachgezogen

Im Kreis Düren dauerte die Wiedereinführung des MON-Kennzeichens etwas länger als in der Städteregion. Bis zum Juli 2015 war das Kennzeichen den Autofahrern aus der Städteregion Aachen vorbehalten. Dies änderte sich, als Berthold Rüttgers aus Vossenack, Bernd Gottschalk aus Raffelsbrand und Hubertus Zander aus Heimbach die Initiative ergriffen und viele Unterschriften sammelten. Für Rüttgers war sein Engagement Ausdruck seines heimatgeschichtlichen Interesses, denn schließlich gehörten Vossenack, Germeter, Raffelsbrand, Simonskall, Schmidt, Froitscheidt, Harscheidt, Kommerscheidt und Scheidbaum bis zur kommunalen Neugliederung zum Kreis Monschau. Mittlerweile sind im Kreis Düren 2264 MON-Kennzeichen zugelassen.

Marianne Huppertz erinnert sich noch an eine Frau aus Schmidt, die ganz gerührt war, als sie das MON-Kennzeichen wieder haben konnte. „Die hat hier fast ein Ei gelegt“, sagt sie. Es gebe aber auch Eifeler, die es stört, dass es das MON-Kennzeichen auch in Aachen, Düren oder im Nordkreis der Städteregion gibt, „weil die Identifikation ein Stück weit verloren geht“.

Die Identifikation spielt auch für einen jungen Mann aus Bergstein eine Rolle, der an diesem Tag in das Schilderbüdchen gekommen ist, um ein MON-Kennzeichen anfertigen zu lassen. „Ich wollte die gleiche Buchstabenkombination am Ende nochmal haben, und da ich mich mit der Eifel besser identifizieren kann als mit Düren, habe ich mich für das MON-Kennzeichen entschieden“, erklärt er. Als er das Geschäft verlassen will, ruft ihn Marliese Hass nochmal zurück, weil er versehentlich 5 Euro zu viel bezahlt hat. „Deshalb komme ich gerne nach Monschau“, sagt der junge Mann.

Ein anderer Kunde ist aus Brand nach Monschau gekommen. Auch er hat schon mal über ein MON-Kennzeichen nachgedacht – weil damit schönere Buchstabenkombinationen möglich sind. „Ich bin aber in Aachen geboren und bleibe bei AC“, meint er.

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